Johann Gottfried Richter (Journalist)

Johann Gottfried Richter (* 26. November 1763 Taucha bei Leipzig; † 5. Juni 1829 Eilenburg) war ein deutscher Journalist und Übersetzer.

Leben

Der Vater Johann Friedrich Richter war Wundarzt, Steuereinnehmer und Bürgermeister in Taucha. Johann Gottfried Richter besuchte die Thomasschule in Leipzig und studierte dort ab 1786 kurzzeitig evangelische Theologie. Ende 1787 zog er nach Moskau, um dort als Hauslehrer bei einer angesehenen Familie zu arbeiten. Er beherrschte bald die russische Sprache sehr gut und beendete wahrscheinlich auch ein Studium an der Lomonossow-Universität. Seine schriftstellerischen Neigungen brachten ihn in Kontakt mit Verlegern und Autoren, vor allem mit Nikolai Karamsin, dem bedeutendsten russischen Schriftsteller seiner Zeit. Dieser vermittelte auch seine Ernrnnung zum kaiserlich-russischen Rat und eine Anstellung in Weimar.

Seit 1803 war Johann Richter nach 16-jährigem Russland-Aufenthalt als sächsisch-weimarscher Hofrat beim Herzog Karl August tätig. 1808 zog er nach Eilenburg, wo er seine letzten beiden Lebensjahrzehnte verbrachte. Hier wirkte er als Privatgelehrter und Übersetzer und starb auch dort.

Schriften

Johann Richter war der bedeutendste Vermittler russischer Kultur im westlichen Europa in seiner Zeit. Er verfasste verschiedene Schilderungen russischer Kultur und Lebensweise und übersetzte das wichtigste Werk von Nikolai Karamsin, dem bedeutendsten russischen Schriftsteller seiner Zeit. Besonderen Einfluss hatte seine Zeitschrift Russische Miszellen auf deutsche und westeuropäische Intellektuelle, die sachkundige Kenntnisse über die russische Landeskunde, Literatur und Lebensweise vermittelte und die bisher vorherrschende Sichtweise über ein Volk mit angeblich wenig Kultur nachhaltig veränderte.

Verfasser
  • Russische Miszellen, 3 Bände, Leipzig 1803–1804, mit Johann Friedrich Hartknoch, darin erste deutsche Übersetzung des Igorliedes
  • Beschreibung Moskaus
  • Sitten, Gebräuche und Kleidung der Russen aus den niedern Ständen, 2 Bände, Leipzig 1805, mit Illustrationen von Christian Gottfried Heinrich Geißler
  • Spiele und Belustigungen der Russen aus den niedern Volks-Klassen, Leipzig 1805
Übersetzungen

Literatur

  • Hans-Joachim Böttcher: "Richter, Johann Gottfried", in: Bedeutende historische Persönlichkeiten der Dübener Heide, AMF - Nr. 237. 2012, S. 84.