Johann Friedrich Meyer (Chemiker)

Johann Friedrich Meyer (* 24. Oktober 1705 in Osnabrück; † 2. November 1765 in Osnabrück) war ein Chemiker und Apotheker der Hirsch-Apotheke (Osnabrück).

Familie

Meyer war der Sohn des aus Weißensee stammenden Osnabrücker Arztes Johann Andreas Meyer (1670–1714) und seiner Ehefrau Sophia Margaretha Gottfried (1683–1742), Tochter des Apothekers Friedrich Wilhelm Gottfried (1651–1710), Besitzer der Hirsch-Apotheke am Nikolaiort in Osnabrück. Er heiratete 1738 in Osnabrück Anna Sara Krochmann († 1759), vermutlich eine Tochter von Hermann Krochmann (1671–1728), Prediger an St. Katharinen.[1]

Leben

Meyer begann mit 15 Jahren eine Apothekerlehre in der Hirsch-Apotheke seiner Großmutter, wo er sechs Jahre lernte. Nach Wanderschaft in Leipzig, Nordhausen, Frankfurt am Main, Trier und Halle, wobei er auch in Nordhausen Berg- und Hüttenwesen studierte, übernahm er 1737 die Familien-Apotheke in Osnabrück. Nach Meyers Tod übernahm der Bruder Rudolf, Apotheker in Bramsche, die Hirsch-Apotheke, die bis in die Gegenwart im Besitz von dessen Nachkommen ist.

Meyer fand zu seiner Zeit viel Beachtung durch die Erklärung der Ätzwirkung (Kaustizität) von Alkalien durch Aufnahme einer hypothetischen Substanz, die er acidum pingue (lateinisch für „Fett-Säure“) nannte und die er für die Massenzunahme der Metalle bei Kalzinierung (Oxidation) verantwortlich machte. Nach seiner Ansicht entstand das acidum pingue aus einer bis dahin unbekannten sauren Substanz und einer Feuer-Substanz (ähnlich dem Sulfur bei Paracelsus und Nicolas Lémery) und war in Feuer, Säuren und Basen vorhanden. Die korrekte Erklärung der Massenzunahme bei Oxidation war wenige Jahre zuvor von Joseph Black gegeben worden (Aufnahme eines Stoffes aus der Luft).

Schriften

Beide Werke wurden auch ins Französische übersetzt.

  • Essais de chymie, sur la chaux vive, la matiere elastique et electrique, le feu, et l'acide universel primitif; avec un supplément sur les eléments: traduits de l'allemand de M. Frederich Meyer, apothicaire à Osnabruck. Par M. P. F. Dreux, ancien apothicaire aide-major des armées du Roi en Allemagne. 2 Bände. G. Cavelier, Paris 1766; biusante.parisdescartes.fr

Literatur

  • Stuart Pierson. Dictionary of Scientific Biography.
  • Winfried R. Pötsch (Federführung), Annelore Fischer, Wolfgang Müller: Lexikon bedeutender Chemiker. Harri Deutsch, 1989, ISBN 3-8171-1055-3, S. 299.
  • Michael Engel: Meyer, Johann Friedrich. In: Neue Deutsche Biographie. (NDB). Band 17. Duncker & Humblot, Berlin 1994, ISBN 3-428-00198-2, S. 352–353 (deutsche-biographie.de).
  • Susanne Keller: Pharmazeutische Lehr- und Gehilfenbriefe aus dem 17. und 18. Jahrhundert. Frankfurt (Main) 2004, S. 139–142.
  • Johann Christian Wiegleb: Johann Christian Wiegleb’s kleine chymische Abhandlungen von dem grossen Nutzen der Erkenntniß des Acidi pinguis bey der Erklärung vieler chronischer Erscheinungen […] nebst einer Vorrede worinnen Herrn Meyers Leben erzählt. 1767 (darin: Autobiografie von Johann Friedrich Meyer, 1765); digitale-sammlungen.de

Einzelnachweise

  1. Michael Engel: Meyer, Johann Friedrich. In: Neue Deutsche Biographie. (NDB). Band 17. Duncker & Humblot, Berlin 1994, ISBN 3-428-00198-2, S. 352–353 (deutsche-biographie.de).