Johann Ferdinand Koulhaas
Johann Ferdinand Koulhaas (auch Koulhacz, Koulhass; † 1808) war ein preußischer Montanist, Unternehmer und Königlicher Kommissionsrat. Er beriet Friedrich den Großen und dessen Minister bei der Begründung des schlesischen Eisenhüttenwesens.
Leben und Beruf
Johann Ferdinand Koulhaas wohnte in Stahlhammer bei Tarnowitz. Sein erster nachweisbarer Aufenthaltsort in Oberschlesien war Peiskretscham, wo er von Friedrich Graf von Posadowsky ein Hüttenwerk mit Hochofen und Frischfeuer pachtete. In Mokrus bei Kutschau beschäftigte er sich ab 1777 mit Versuchen der Stahlherstellung. Vier Jahre später 1781 erhielt Koulhaas ein Privileg zum Bau einer Fabrik für „cementirten Stahl aus inländischem Material auf 10 Jahre“. Er ließ ein Luppenfeuer zu einem Koksofen umbauen, versuchte das Abschwefeln (Verkoken) von Steinkohle und errichtete das erste Frischfeuer in Oberschlesien zur Stahlerzeugung. Im Jahr 1780 war er einziger Stahlproduzent Schlesiens und erzeugte von 200 Zentner im Wert von 2000 Reichstalern.[1]
Koulhaases Erfahrungen wurden bei der Anlage des Stahlwerks Königshuld bei Malapane genutzt. Er selbst errichtete 1783 eine neue Hochofen- und Frischfeueranlage, um die Qualität seiner Erzeugnisse zu steigern. Die Anlage erweiterte er durch den Bau eines Kalkpochwerks und einen Schleifsteinbetrieb. Im selben Jahr verzeichnete ihn ein Vertrag, der die Lieferung von Eisen aus oberschlesischen Hütten nach Ratibor, Kosel, Oppeln und Breslau auf Rechnung des Haupteisencomptoirs in Berlin umfasste.[1]
Koulhaas langwierige Versuchen hatten Erfolg, in Kutschau konnte er Ende 1789 als Zweiter in Schlesien – wenige Tage nach dem Hüttenfaktor Breustedt in Malapane – Eisen unter Verwendung von Koks herstellen. Drei Jahre später erzeugte er Damaszener Stahl durch Zusammenschweißen von Eisen und Stahlstäben, der bei zur Herstellung von Gewehrläufen und Säbelklingen benötigt wurde. Er galt als Berater Friedrichs des Großen und seiner Minister.[1]
Im Jahr 1799 erwarb Koulhaas das Rittergut Maczeikowitz (Maczeykowitz) bei Königshütte, wo er zwei Jahre später die Grube „Beata“ mutete. Er starb 1808.[1]
Literatur (Auswahl)
- Konrad Fuchs: Koulhaas, Johann Ferdinand. In: Neue Deutsche Biographie. (NDB). Band 12. Duncker & Humblot, Berlin 1980, ISBN 3-428-00193-1, S. 626–627 (deutsche-biographie.de).
- Zbigniew Kapala: Koulhass, Johann Ferdinand (mit Porträt). In: Zbigniew Kapala (Hrsg.): Chorzowki Słownik Biograficzny. Edycja Nowa. Band 1. Chorzów 2007, ISBN 978-83-926587-0-2. S. 192–194.
- Johann Gottlieb Schummel: Schummels Reise durch Schlesien im Julius und August 1791. Breslau 1792. S. 87–88.
- H. Fechner: Die Gründungsgeschichte der Eisen- u. Stahlwarenfabrik Königshuld in Oberschlesien. In: Zeitschrift für das Berg-, Hütten- und Salinenwesen im Preußischen Staate. Band 40 (1892). S. 280–281, 284.
- G. Hoffmann: Geschichte der Stadt Kattowitz. 1895. S. 36–37.
- A. Perlick: Oberschlesische Berg- und Hüttenleute. 1953.
- K. Jürgens: 150 Jahre Königshuld. in: Stahl und Eisen. Band 55 (1935). S. 977–981.
- Konrad Fuchs: Vom Dirigismus zum Liberalismus. Die Entwicklung Oberschlesiens als preußisches Berg- und Hüttenrevier. Ein Beitrag zur Wirtschaftsgeschichte Deutschlands im 18. und 19. Jahrhundert. Steiner, Wiesbaden 1970. S. 9, 70–71.
Belege
- ↑ a b c d Konrad Fuchs: Koulhaas, Johann Ferdinand. In: Neue Deutsche Biographie. (NDB). Band 12. Duncker & Humblot, Berlin 1980, ISBN 3-428-00193-1, S. 626–627 (deutsche-biographie.de).