Johann Faistenauer

Ausschnitte des Gemäldes von Johann Faistenauer auf der Rückseite des Marienaltars in der Berchtesgadener Pfarrkirche St. Andreas (li.: Bildmitte; re.: rechter Bildrand) – einer der beiden Männer mit weißem Kragen stellt den Künstler selbst dar.

Johann Faistenauer (* um 1577 in Berchtesgaden; † 18. November 1643 ebenda) war ein berchtesgadischer Hofmaler[1] und Kartograf,[2.1] dessen Karte „Das Landt und Frl. Stifft Berchtolsgaden, mit den anstossenden Grentzen“ bis zur Auflösung der Fürstpropstei Berchtesgaden (1803) als allseits gebräuchliche Landkarte des Berchtesgadener Landes galt.[2.2]

Leben

Johann Faistenauer wurde 1577 oder 1578 im Haus Marktplatz Nr. 12 (s. Abb.) im Zentrum von Berchtesgaden unweit des heutigen Schlossplatzes geboren. Dieses Haus war bereits seit 1567 im Besitz seines Großvaters Peter Faistenauer, der es 1578 an Johanns Vater Hans Faistenauer übertragen hatte. Als Jugendlicher wurde Johann 1594 eines Totschlags für schuldig befunden und kam deshalb ins Gefängnis, nur um dann von dem im gleichen Jahr zum Fürstpropst über das Berchtesgadener Land gewählten Ferdinand von Bayern bereits nach wenigen Wochen entlassen und stattdessen des Landes verwiesen zu werden. Wo er sich anschließend aufgehalten hat und von seinem Vater finanziell unterstützt werden musste, kann nur vermutet werden. Erwähnenswert ist in diesem Zusammenhang, dass der Vater Johanns das Haus am Marktplatz Nr. 12 erstmals 1593 veräußerte, den Verkauf jedoch 1594 wieder rückgängig machte, nur um es dann 1595 erneut zu verkaufen – diesmal endgültig an Jakob Barbier im Nachbarhaus Haus Guttmann. Es liegt nahe, dass der Verkauf mit der Verurteilung Johanns und seiner notwendigen Unterstützung in der Verbannung zusammenhing.[2.3]
Etwa zwei Jahre nach seiner Verurteilung folgte 1596 die fürstliche Regierung einem Gnadengesuch des Vaters. Nachdem der Regierung innerhalb einer gesetzten Dreimonatsfrist mitgeteilt wurde, an welchem Ort Johann in der Zwischenzeit gewohnt hat und dass er sich dort gegenüber den zuständigen Obrigkeiten nichts weiter hat zuschulden kommen lassen, wurde Johann wieder „die Landeshuld erteilt“ und er durfte nach Berchtesgaden zurückkehren. Da sich Johann Faistenauer bei seiner Rückkehr als „Bürger und Maler“ bezeichnete, ist zu vermuten, dass er in einer Freien Reichsstadt untergekommen war und dort die Grundlagen der Malerei erlernt hatte.[2.3]

In erster Ehe mit Ursula Gräfel verbunden, wurde er 1614 Vater von Jakob. Nach dem Tod seiner ersten Ehefrau hatte er Ursula Scheibenstock geehelicht und wurde 1620 Vater von Maria Magdalena.[2.4]

Ohne nähere Angaben zum Warum ist belegt, dass ihm 1620 „die Zahlung der Leibeigenschaft und eine Nachsteuer“ erlassen wurde.[2.4] Im gleichen Jahr trat er in Berchtesgaden als Siegelzeuge beim Verkauf eines Hauses auf.[2.5] Ferner ist beurkundet, dass er Vormund der Kinder des Greinswiesenlehens und deshalb dreimal vor Gericht geladen war, wo es 1625 zu einem Vergleich bei der Aufteilung von Besitz und über den Unterhalt für eines der Kinder kam.[2.6]

Der Holzwarenverleger Georg Labermayr und Faistenauer verbreiteten im August 1631, dass die Pröpste ehedem stets ein Drittel der Reichssteuern übernommen hatten. Daraufhin wurde beiden vom Gericht untersagt, dieses Gerücht weiter zu verbreiten. Als aber im Oktober 1631 zahlreiche „aufrührerische“ Bauern und Bürger verhört wurden, stellte sich bei der Gelegenheit auch heraus, dass bei geheimen Treffen Faistenauer und andere Untertanen beschlossen hatten, in Reichenhall den bayerischen Pfleger wegen der Steuer zu befragen. Für diesbezügliche Erkundungen in Reichenhall meldete sich auch Faistenauer wieder freiwillig – in Reichenhall bestätigten dann gleich mehrere Zeugen, dass sich Fürstpropst Jakob II. Pütrich (1523–1594) mit einem Drittel an besagter Steuer beteiligt hätte. Daraufhin hieß es am 24. Oktober des gleichen Jahres: Faistenauer und andere „sind zu greifen und da sie in der Güte nicht zum Gehorsam zu bringen sind, mit Schellen bei Gericht vorzuführen.“ Doch er konnte erst Ende November verhaftet und zu den Anklagepunkten befragt werden. Mit welchem Ergebnis, ist nicht dokumentiert, nur dass während dieses Verhörs verschiedene Bauern mit Labermayr als Wortführer sich bei Tag und Nacht sehr „freventlich“ verhalten hätten.[2.7] 1637 Jahr haben alle Untertanen des Berchtesgadener Landes erneut erfolglos eine Eingabe gemacht, ein Viertel der Steuern erstattet zu bekommen. Der Landschaft ließ Faistenauer damals anonym einen Brief zukommen, der von einem weiteren Geheimtreffen in Bischofswiesen handelte. Doch an seiner Schrift konnte man ihn als Verfasser des Briefes erkennen.[2.8] Mit welchen Folgen, ist nicht dokumentiert.

Finanziell hatte es Faistenauer nicht leicht, weswegen er sich 1638 an das Kurfürstentum Bayern wandte und von ihm die Bezuschussung einer Reise nach Altötting erbat. Auch wurde ihm auf seine Bitte hin im gleichen Jahr sowie im Jahr 1641 von der Fürstpropstei Brennholz bewilligt. Zudem sah er sich 1640/41 des Öfteren gezwungen, von säumigen Schuldnern ihm zustehende Geldsummen einzuklagen.[2.8] Noch Schlimmeres drohte, als Faistenauer 1642 für eine Person gebürgt hatte, die den später geforderten Mietzins aber nicht zahlen konnte. Doch zu seinem Glück entließ das Gericht ihn aus der Bürgschaft und gab stattdessen Schuldner und Gläubiger auf, besagte Angelegenheit unter sich zu regeln.[2.9]

1642 starben im Juli sein Sohn Jakob und im November seine zweite Ehefrau Ursula. Johann Faistenauer selbst starb ein Jahr später am 18. November 1643 und wurde auf dem seinerzeit einzigen und ältesten bzw. ersten Berchtesgadener Friedhof neben der Pfarrkirche beigesetzt.[2.9] Von seiner Tochter Maria Magdalena ist noch beurkundet, dass sie in der Schottenkirche in Wien den Hofgoldschmied Joachim Gerlach 1651 geheiratet hat.[2.2]

Trotz all der Anerkennung seiner Werke lebte Johann Faistenauer bis zuletzt in einfachen Verhältnissen als Inwohner, der an die „Bürgerschaft“ lediglich zweimal im Jahr das „Wachtgeld“ für die Nachtwächter zu zahlen hatte. Insofern irritiert auch die Bezeichnung Hofmaler, mit der Joseph Ernst von Koch-Sternfeld[1] wie auch noch A. Helm[3] Faistenauers Stand angegeben haben. Denn laut allen anderen Quellen hatte Faistenauer zwar einige Aufträge seitens seiner fürstpröpstlichen Herrschaft erhalten, hatte aber offenbar keinen auch nur irgendwie gearteten, privilegierten Status, mit dem er dem vergleichsweise kleinen Hofstaat des Berchtesgadener Landes angehörte. Vermutlich fand er aber in Berchtesgaden immerhin durchgehend Unterkunft in dem seinerzeit von seinem Vater verkauften Haus am Marktplatz Nr. 12.[2.9]

Wirken

Altarentwürfe, Malerei

Was die Malerei im Sinne Bildender Kunst angeht, ist man bei Faistenauer zumeist auf Mutmaßungen angewiesen, die allerdings meist gut begründet sind. Tatsächlich aber ist als erste Arbeit von ihm lediglich nachweisbar, dass er 1606 einen Handwerkerauftrag für das Ausweißen der Pfarrkirche St. Andreas erhielt, wiewohl der zuvor an einen Ortsfremden gehen sollte.[2.10]

Da der in ärmlichen Lebensverhältnissen lebende Faistenauer bekanntermaßen gut befreundet mit dem so reichen wie „kunstsinnigen“ Holzwarenverleger Georg Labermayr war, kann davon ausgegangen werden, dass er von ihm um 1610 auch den Auftrag erhielt, dessen sogenanntes „Hirschenhaus“[4] am Marktplatz innen wie außen mit Renaissancemalereien zu versehen – womit Georg Labermayr zudem der einzige im Berchtesgadener Land war, dessen Privathaus im 17. Jahrhundert Freskomalereien aufwies.[2.11] Bis heute davon erhalten ist auf der Rückseite des Gebäudes Faistenauers Lüftlmalerei, die sechs Fenster umrandet. Sie zeigt Szenen mit Affen, die stellvertretend satirisch die damaligen Zustände am fürstpröpstlichen Hof aufs Korn nehmen.[5.1]

Kirchenrechnungen des Pfarrarchivs Marzoll besagen, dass Faistenauer 1625 für einen ersten Entwurf des Hochaltars der Pfarrkirche St. Valentin 1 Gulden und 30 Kreuzer erhalten hat sowie am 4. und 5. Januar 1626 weitere 180 Gulden (dazu noch jeweils 2 Taler für seine Ehefrau und Tochter) für die endgültige Fassung des Hochaltars. Dazu kamen noch 15 Gulden für seine Entwürfe der von Hans Waldburger ausgearbeiteten Statuen, die den Altar ergänzten.[2.6] Während der Altar ersetzt wurde, steht in der Kirche noch heute am Chorbogen rechts die namensgebende Figur des St. Valentin.

Da er in den fürstpröpstlichen Hofratsprotokollen mehrfach wegen diesbezüglicher Honorarforderungen bzw. einer ersten Bittschrift vom Februar 1628 genannt wurde, ist davon auszugehen, dass er auch den Marienaltar der Berchtesgadener Pfarrkirche St. Andreas entworfen und farbig gefasst hat. Sein Honorar dafür erhielt er dann im Juni 1628.[2.2]

Als letzte bekannte Arbeit überhaupt gilt derzeit seine Bemalung der Rückseite des bereits im Absatz darüber erwähnten Marienaltars, die er 1642 vornahm. Offenbar stand der Altar seinerzeit nicht wie heute mit der Rückseite nahe der Wand, sondern frei im Chorraum. Das Hauptbild mit der Kreuzigung des Heiligen Andreas zeigt bei den Kriegsknechten auch zwei Männer in schwarzer Tracht, wie sie um 1640 in Berchtesgaden üblich war – der eine rechts unten dürfte laut Alfred Spiegel-Schmidt Abraham Hölzl als Stifter des Bildes, der andere in der Mitte den Maler selbst darstellen. Dazu noch ein Schriftband mit sinngemäßer Inschrift: „St. Andreas, der Bruder des Petrus und der Jünger von Johannes dem Täufer. Von ihm findest Du bei Joh. im 1., 6., 11. Kapitel, bei Lukas im 5., 6. Kapitel und bei Matth. im 4. Kapitel. Er hat in Skythien, Achaia und anderswo gepredigt und ist letzlich von dem Hauptmann des Königs der Edissener gefangen und gekreuzigt worden. Am Kreuz soll er zwei Tage gelebt und viele Menschen bekehrt haben.“[2.12]

Darüber hinaus werden Johann Faistenauer aber auch noch die undatierten und nicht mehr vorhandenen Freskomalereien einer Sonnenuhr und eines Stiftswappens über den Schlossarkaden zugeschrieben, die ein Kupferstich von Georg Matthäus Vischer (1628–1696) aus dem Jahr 1664 zeigt. Dies mit der Begründung, Faistenauer sei seinerzeit der einzige Maler in der Region gewesen, der für diese Arbeit infrage kam.[2.5]

Kartografie

Erste Grundlage seiner späteren Tätigkeit als Kartograf bildete wahrscheinlich, dass Johann Faistenauer bei den Vermessungsarbeiten der exakten Höhen, Steigungen und Gefälle dem Mathematiker und Geodäten Tobias Volkmer (um 1555–1629) aus Braunschweig als Gehilfe zur Seite stand, der ab 1612 die Strecke der geplanten Soleleitung vom Berchtesgadener Salzbergwerk bis zur bayerisch kurfürstlichen Saline in Reichenhall zu vermessen hatte.[2.4] Untermauert wird das mit einer Aussage Faistenauers von 1628, als er als Zeuge im Rahmen eines Prozesses vor dem Reichshofrat verhört wurde. Hier machte er zuerst sein Alter von damals 50 Jahren aktenkundig, so dass sein Geburtsjahrgang entweder 1577 oder 1578 ist, ferner sagte er aus, dass er in Schellenberg bei den Vermessungen des Wehrs mitgewirkt hatte und er sich deshalb auf dieses Handwerk sehr wohl verstünde.[2.2] Und seine diesbezüglichen Kenntnisse erwerben konnte er seinerzeit nur bei Tobias Volkmer, der in ganz Bayern als einziger für derlei Arbeiten wie z. B. dann auch ab 1616 bei der Soleleitung von Reichenhall nach Traunstein herangezogen wurde.[2.4]

Im Zusammenhang von vier beurkundeten Prozessen, die in Wien seitens der Fürstpropstei Berchtesgaden gegen das Erzstift Salzburg vor dem Reichshofrat geführt wurden, fertigte Faistenauer Federzeichnungen und in einem Fall auch einen Kupferstich von Karten, die Streitpunkte in den darin dargestellten Regionen erläutern sollten.

So erhielt Faistenauer seinen ersten nachweisbaren Auftrag als Kartograf von einem Berchtesgadener Anwalt, der die Fürstpropstei vertrat.
Auf der Grundlage von Vermessungsarbeiten legte Faistenauer dem Anwalt um 1624 eine gesüdete Karte mit dem Titel „Geometr. Grund- und Abriß des Stiftes Berchtesgaden mit den Grenzen gegen Kurbayern und das Hochstift Salzburg nach Anleitung des Gueldenen Risses“ als farbige Handzeichnung auf Papier vor, die sich im Bayerischen Hauptstaatsarchiv befindet und als seine beste Arbeit gilt. Gesüdet hatte er die Karte mit der Begründung, dass auf diese Weise die höheren Berge nicht niedrigeren verdeckten. Und seine exakte Wiedergabe der Berge rührte daher, dass er sie selbst erklommen hat. Das wird insbesondere beim Untersberg und der Reiter Alm deutlich – so hat er bei der Reiter Alm extra auch den „peslsteig“ (sic!) vermerkt, über den er vermutlich aufgestiegen ist.[2.13]
Der unteren rechten Ecke der Karte hat er noch einen Vogelschauplan von Berchtesgaden sowie die Wappen Österreichs, des Deutschen Reichs, Bayerns und der Fürstpropstei angefügt. 1625 erhielt er für diese Karte 20 Gulden. Damit nicht genug sollte diese Karte später auch dem Schweizer Kupferstecher Matthäus Merian (1593–1650) als Vorlage für seine Karte und Ansicht von Berchtesgaden in dem Band Topographia Bavariae von 1644 dienen, der Teil seiner Topographia Germaniae wurde. (Laut A. Helm war es nicht diese, sondern eine 1626 oder 1628 gefertigte Karte von Faistenauer, die Merian für seine Topographia Bavariae „in Kupfer stechen“ ließ.)[3] Nicht bekannt ist, ob Faistenauer noch vor seinem Tod 1643 vom Kopieren bzw. Abzeichnen seiner Karte von Merian erfahren oder es sogar angeregt hat.[2.6]

Als Nächstes legte Faistenauer die Federzeichnung einer Karte mit der Osthälfte des Stiftsgebiets, in der mit roter Farbe die Ansprüche der Salzburger, mit schwarzer Farbe die der Berchtesgadener hervorgehoben sind. Eine weitere fertigte Faistenauer hierzu auch über den Stollenverlauf des Dürrnberger Salzbergwerks unter Berchtesgadener Gebiet. Gleich nach ihrer Fertigstellung wurden die Zeichnungen vom Berchtesgadener Simon Stangastinger in Kupferstiche übertragen und 1627 dem Ausdruck der Prozessschrift als Anlagen beigeheftet. Beide Zeichnungen im Hauptstaatsarchiv in München verwahrt.[2.6]

Dem folgte ein Prozess, in dem es sich um den Wald beim Schellenberger Turm auf dem Gebiet der Fürstpropstei drehte. Diesen Wald begann das Erzstift Salzburg 1625 abzuholzen – und nachdem die Einsprüche der Berchtesgadener nicht schnell genug Wirkung zeigten, begann auch Berchtesgaden von der Gegenrichtung aus mit dem Fällen von Bäumen. Diese beklagten Fällaktionen hat Faistenauer in einer im Forstamt Berchtesgaden archivierten Karte festgehalten, deren kaum leserlicherer Titel in etwa lautet: „Aigentliche Abconterfechung des Thurmwalds“.[2.6]

Als Letztes, soweit bekannt, hat Faistenauer für einen Prozess gegen Salzburg, bei dem am 4. November 1628 der sogenannte „Grenzinterimsvergleich“ geschlossen wurde, nicht nur s. o. zu seiner Person Aussagen in einem Verhör gemacht, sondern laut den Hofratsprotokollen auch etwa ein Jahr zuvor die Vorlage für eine Grenzkarte der Westhälfte des Berchtesgadener Landes gezeichnet. Die Karte wurde der zuvor schon als Beilage eingebundenen Osthälfte angeklebt. Beide Hälften ergaben nun zwar zusammen eine große Karte, waren aber mit jeweils zwei Meilenanzeigern und Windrosen versehen. Unter dem Vorbehalt, diese zusammen mit Simon Stangastinger diese Mängel zu beheben, erhielt Faistenauer für diese Arbeit 8 Gulden Honorar. Es ist davon auszugehen, dass er die westliche Kartenhälfte selbst in Kupfer gestochen haben, denn in der Heiratsurkunde seiner Tochter Maria Magdalena von 1651 wird er als verstorbener „Johann Faistenauer, Maler, Ingenieur und Kupferstecher“ angeführt.[2.2]

Im Auftrag der Fürstpropstei legte 1626[6] oder 1628[2.2][3] Faistenauer zusammen mit Simon Stangastinger mit der Karte „Das Landt und Frl. Stifft Berchtolsgaden, mit den anstossenden Grentzen“ sein wohl „bekanntestes Werk“[6] als Holzschnitt vor, den Stangastinger nach der Vorlage Faistenauers aus vier Holzstöcken gefertigt und mit „HF S.S. 1628“ (= Hans Faistenauer; Simon Stangastinger) signiert hatte.[2.2] Diese Karte wurde noch 1803 bis zur Auflösung der Fürstpropstei bzw. bis zur Säkularisation in Bayern als die allseits gebräuchliche Landkarte des Berchtesgadener Landes angesehen.[2.2] Sie gilt zudem als älteste bzw. „erste Vogelschaukarte“ dieses Gebiets.[7]

In Berchtesgaden entdeckte Koch-Sternfeld im November 1814 eine Zeichnung Faistenauers vom 6. Juni 1631 mit den „Zenonischen Gütern in der Herrschaft Traunstein“ (sic!) auf Pergament. Dabei handelt es sich mutmaßlich um die Vorzeichnung einer Karte, die heute in der Gemeinde Inzell archiviert wird.[2.2]

Eine perspektivische Federzeichnung Faistenauers von Hallein ist Teil der Graphischen Sammlung der Erzabtei St. Peter in Salzburg. Gekennzeichnet ist sie mit dem Wappen des Erzbischofs Paris von Lodron (1586–1653) sowie rechts unten mit der Signatur „1632 Joa Faistenauer pictor a Berchtols. fecit.“ Laut einigen „Fachleuten“ wäre an dieser Halleiner Ansicht eine „Verwandschaft mit der niederländischen Landschaftsmalerei“ festzustellen, weswegen man mutmaßen könne, dass Faistenauer in der Zeit seiner Verbannung von 1594 und 1596 eventuell auch Kontakt zu niederländischen Malern hatte.[8][2.8]

1636 zeichnete Faistenauer zehn Baupläne des Klosters Seeon, die erst der Chronik von Abt Honorat Kolb beilagen, jetzt aber Teil der Bayerischen Staatsbibliothek sind. Während die ersten fünf Blätter detailiert den seinerzeit jeweils gegenwärtigen Bauzustand zeigten, waren auf den weiteren Blättern geplante Bauabschnitte dargestellt. Somit verbinden diese Federzeichnungen künstlerisches wie auch vermessungstechnisches bzw. kartografisches Qualitäten.[2.8] Nicht nur seine Kunstfertigkeit, sondern auch seine Haltung zum Weingenuss sorgte offenbar unter den im Kloster lebenden Benediktinern für einigen Nachhall – so reimte der Benediktiner Johann Werlin (1588–1666) auf ihn:[2.9]

Herr Johannes Faistenawer
War vor Zeiten ein Weinbeschawer:
Derowegen meidt ers Bier,
Vnd trinckt gueten Wein darfür.

Werke (soweit bekannt)

  • um 1610: Ausstattung des sogenannten „Hirschenhaus“ am Marktplatz in Berchtesgaden innen und außen mit Renaissancemalereien. Bis heute davon erhalten ist auf der Rückseite des Gebäudes seine Lüftlmalerei, die sechs Fenster umrandet.
  • 1624: gesüdete Karte mit dem Titel „Geometr. Grund- und Abriß des Stiftes Berchtesgaden mit den Grenzen gegen Kurbayern und das Hochstift Salzburg nach Anleitung des Gueldenen Risses“ als farbige Handzeichnung auf Papier.
  • 1625: ein erster Entwurf sowie eine endgültige Vorzeichnung des Hochaltars der Pfarrkirche St. Valentin des Hochaltars. Zudem Entwürfe der dann von Hans Waldburger ausgearbeiteten Statuen, die den Altar ergänzten – hiervon steht in der Kirche noch heute am Chorbogen rechts die namensgebende Figur des St. Valentin.
  • um 1625: Karte mit dem schlecht leserlichen Titel „Aigentliche Abconterfechung des Thurmwalds“, die für einen Prozess in Wien vor dem Reichshofrat beklagte Fällungen im Wald beim Schellenberger Turm dokumentierte.
  • 1627 oder 1628: farbig gefasster Entwurf des „Marienaltars“ der Berchtesgadener Pfarrkirche St. Andreas.
  • ca. 1627: gezeichnete Karte mit der Osthälfte des Stiftsgebiets und Kennzeichnung der unterschiedlichen Ansprüche der Fürstpropstei und des Erzstifts; ferner eine Federzeichnung über den Stollenverlauf des Dürrnberger Salzbergwerks unter Berchtesgadener Gebiet. Von Simon Stangastinger aus Berchtesgaden wurden die Zeichnungen in Kupfer gestochen und diese dann 1627 als Anlage einer gedruckten Prozessschrift beigeheftet.
  • 1626 oder 1628: Entwürfe für dann von Simon Stangastinger in vier Holzstöcken als Holzschnitt gefertigte Karte „Das Landt und Frl. Stifft Berchtolsgaden, mit den anstossenden Grentzen“ als sein wohl „bekanntestes Werk“, die noch bis 1803 bzw. bis zur Auflösung der Fürstpropstei bzw. bis zur Säkularisation in Bayern als die allseits gebräuchliche Landkarte des Berchtesgadener Landes angesehen wurde.
  • Um 1628: Gezeichnete Vorlage für eine Grenzkarte der Westhälfte des Berchtesgadener Landes, die an die bereits s. o. erarbeitete Karte östlichen Hälfte geklebt und in einem Prozess gegen Salzburg diente, der am 4. November 1628 in den sogenannten „Grenzinterimsvergleich“ mündete. Diese Vorlage übertrug Faistenauer auch in einen Kupferstich.
  • 1631: Vorzeichnung Faistenauers von der Karte „Zenonische Güter in der Herrschaft Traunstein“ (sic!) auf Pergament, deren Ausdruck als Kupferstich oder Holzschnitt heute in der Gemeinde Inzell verwahrt wird.
  • 1632: Perspektivische Federzeichnung von Hallein, die eine „Verwandschaft mit der niederländischen Landschaftsmalerei“ zeigen soll.
  • 1636: zehn Baupläne des Klosters Seeon in unterschiedlichen Planungsphasen.
  • 1642: Bemalung der Rückseite des „Marienaltars“ der Berchtesgadener Pfarrkirche St. Andreas.
  • vor 1643: Mutmaßliche Ausstattung der Berchtesgadener Schlossarkaden mit einer Sonnenuhr und dem Stiftswappen.
Commons: Johann Faistenauer – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. a b Joseph Ernst von Koch-Sternfeld: Ferdinand 40. Propst: J. 1595–1650 , S. 19. In: Geschichte des Fürstenthums Berchtesgaden und seiner Salzwerke : in drey Büchern / 3. 1595 - 1815, online unter bavarikon.de.
  2. Alfred Spiegel-Schmidt: Der Maler und Kartograf Johann Faistenauer, PDF 7 Seiten, 2019, online unter heimatkundeverein-berchtesgaden.de.
    Laut seinen Angaben in der Einleitung forschte Alfred Spiegel-Schmidt zu Johann Faistenauer in folgenden Einrichtungen: Bayerisches Hauptstaatsarchiv in München, Salzburger Landesarchiv, Pfarrarchiv St. Andreas in Berchtesgaden sowie Gemeindearchive von Berchtesgaden und Bischofswiesen.
    1. S. 5 u. 7.
    2. a b c d e f g h i S. 5.
    3. a b S. 1.
    4. a b c d S. 2.
    5. a b S. 3.
    6. a b c d e S. 4.
    7. S. 5 u. 6.
    8. a b c d S. 6.
    9. a b c d S. 7.
    10. S. 1 u. 2.
    11. S. 2 u. 3.
    12. S. 6 u. 7.
    13. S. 3 u. 4.
  3. a b c Hellmut Schöner (Hrsg.), A. Helm: Berchtesgaden im Wandel der Zeit. Reprint von 1929. Verein für Heimatkunde d. Berchtesgadener Landes. Verlag Berchtesgadener Anzeiger sowie Karl M. Lipp Verlag, München 1973, S. 72.
  4. Berchtesgaden, Hirschenhaus <Marktplatz>, Webseite im Bavarikon, online unter bavarikon.de.
  5. Alfred Spiegel-Schmidt: Der Marktplatz in Berchtesgaden. PDF 11 Seiten, 2011, online unter heimatkundeverein-berchtesgaden.de.
    1. siehe Marktplatz 3: Hirschenhaus/Haus an der Pruggen. S. 3 u. 4.
  6. a b Das Landt und Fürstliche Stifft Berchtolsgaden 1626 (Memento vom 28. Juli 2020 im Internet Archive), Karte mit dem Titel Das Landt und Frl. Stifft Berchtolsgaden, mit den anstossenden Grentzen von Johann Faistenauer (Zeichnung) und Simon Stangastager (Holzschneider) im Landesarchiv Salzburg, online unter salzburg.gv.at.
  7. Kartografie, Webseite des Salzburger Kulturlexikons 3.0, online unter kulturlexikon.info.
  8. Hallein historische Ansicht, Webseite mit Bildausschnitt der Federzeichnung von Johann Faistenauer im Salzburgwiki, online unter sn.at.