Jodhpuri

Jodhpuri (auch bekannt als Bandhgala-Anzug) ist ein formeller Anzug aus Indien. Er gilt als die älteste indowestliche Männerkleidung.[1] Aufgrund seiner historischen Verbindung zu den Adelshäusern Rajasthans wird er oft auch als princely jacket (deutsch etwa „Fürstenjacke“) bezeichnet.

Design und Aufbau

Der Jodhpuri besteht aus einem Mantel (der Jacke) und einer Hose, gelegentlich ergänzt durch eine Weste. Er vereint einen körpernahen Schnitt mit traditioneller Handstickerei.

  • Schnitt: Die Jacke zeichnet sich durch einen hohen Stehkragen (Bandhgala, „geschlossener Hals“), eine taillierte Passform und gepolsterte Schultern aus.
  • Material: Häufig werden Seide, Jacquard- oder Jamawari-Stoffe verwendet. Üblicherweise ist das Material am Kragen und an den Knöpfen mit Stickereien unterlegt.
  • Kombination: Normalerweise passt die Hose farblich zum Mantel. Ein moderner Trend sind kontrastierende Hosen. Eine sportliche Variante ist die Kombination mit Jodhpur-Hosen (engen Reithosen).

Der Anzug ist heute die bevorzugte Wahl für formelle Anlässe wie Hochzeiten und Staatsbesuche.[2]

Geschichte und Entwicklung

Die Ursprünge der Bandhgala lassen sich über 400 Jahre zurückverfolgen.

Historische Wurzeln

Das Design des geschlossenen Ausschnitts und des taillierten Torsos entstand bereits im 16. Jahrhundert am Hofe des Mogulkaisers Akbar.[2] Als direkter Vorläufer gilt die Angarkha, ein traditionelles, gewickeltes Hofgewand des alten Indiens. Die Bandhgala entwickelte sich als verkürzte, praktischere Version des Achkan.

An den Höfen der Rajput-Kriegerfürsten von Jodhpur wurde das Design weiter verfeinert. Der hohe Kragen bot zudem Schutz gegen die winterliche Kälte Nordindiens. Im 19. Jahrhundert modifizierte die königliche Familie von Jodhpur die Jacke für den Polosport, wodurch sie Anfang des 20. Jahrhunderts internationale Bekanntheit erlangte.[2]

Koloniale Einflüsse und Unabhängigkeit

Obwohl die Bandhgala einen indischen Kern besitzt, flossen während der britischen Kolonialzeit (Raj) Einflüsse der britischen Militärschneiderei ein, etwa bei den Verzierungen und der strengeren Linienführung. Ende des 19. Jahrhunderts ersetzte die Bandhgala bei der indischen Eisenbahn die zuvor üblichen europäischen Gehröcke als offizielle Uniform. Nach der Unabhängigkeit 1947 wurde der Jodhpuri als nationales Symbol Indiens reklamiert.[2]

Politische Kontroverse (2026)

Im Januar 2026 geriet das Kleidungsstück in eine politische Debatte, als der indische Eisenbahnminister Ashwini Vaishnaw ankündigte, die Bandhgala als Teil der offiziellen Eisenbahnuniformen abzuschaffen. Er begründete dies mit dem Ziel der Regierung von Narendra Modi, alle Zeichen einer „kolonialen Denkweise“ (colonial mindset) zu entfernen.[2]

Designer wie Raghavendra Rathore widersprachen dieser Einordnung und betonten, die Jacke sei eine eigenständige indische Entwicklung, die bereits vor der Ankunft der Briten existiert habe. Kritiker merkten lediglich an, die Jacke sei aufgrund der Hitze im indischen Sommer für das Eisenbahnpersonal zwar unpraktisch; ihre historische Einordnung als „kolonial“ sei jedoch faktisch falsch.[2]

Einzelnachweise

  1. Bandhgala-Anzug: Eine perfekte Verschmelzung von Ost und West (englisch, Firmenseite).[1] Abgerufen am 21. März 2021.
  2. a b c d e f Hannah Ellis-Petersen: India’s ‘princely’ bandhgala jacket at centre of ‘colonial mindset’ debate.[2] In: The Guardian. 15. Januar 2026, abgerufen am 15. Januar 2026 (englisch).