Joachim von Winterfeldt-Menkin

Joachim von Winterfeldt, ab 1925 von Winterfeldt-Menkin (* 15. Mai 1865 in Grünberg, Kreis Prenzlau; † 3. Juli 1945 in Harmshagen, Mecklenburg), war ein deutscher Verwaltungsjurist, preußischer Beamter, konservativer Politiker und Rotkreuz-Funktionär.

Er war von 1905 bis 1918 Mitglied des Preußischen Herrenhauses und von 1907 bis 1918 Mitglied des Reichstages für die Deutschkonservative Partei. Von 1911 bis 1930 amtierte er als Landesdirektor des preußischen Provinzialverbandes Brandenburg. Daneben war Winterfeldt-Menkin von 1921 bis 1933 erster Präsident des Deutschen Roten Kreuzes.

Familie

Er entstammte der dem Uradel zugehörigen Familie von Winterfeld, dem märkischen Adelsgeschlecht mit gleichnamigem Stammhaus bei Salzwedel und war der Sohn des Gutsbesitzers, königlich preußischen Landrats und Geheimen Regierungsrats, Herrenhaus- und Reichstagsmitglieds Ulrich von Winterfeldt (1823–1908), Gutsherr auf Menkin und anderen (Landkreis Prenzlau), und der Marianna von Stülpnagel (1836–1873).

Winterfeldt heiratete am 16. Mai 1899 in Berlin Elisabeth Freiin von Entreß-Fürsteneck (* 27. Juni 1878 in Gardelegen; † 21. Juli 1954 im Haus Alsbach bei Engelskirchen), die Tochter des preußischen Generalmajors Eugen von Entreß-Fürsteneck und der Margarethe Nette.

Seit 23. November 1925 führte er mit Genehmigung des Justizministeriums in Berlin den Namen „von Winterfeldt-Menkin“.

Leben

Winterfeldt besuchte das u. a. Gymnasium in Glogau und war Zögling[1] an der Ritterakademie Brandenburg, studierte die Rechte und Staatswissenschaften in Lausanne, Rom, Leipzig und Greifswald. Er war seit Mitglied der Studentenverbindung Canitz-Gesellschaft Leipzig.[2] Er begann seine Laufbahn im Jahr 1888 als Gerichtsreferendar, wurde 1892 Regierungsreferendar in Frankfurt (Oder) und 1894 Regierungsassessor. Von 1895 bis 1896 arbeitete er am Landratsamt des Landkreises Prenzlau bei seinem Vater, der zu dieser Zeit dort Landrat war.

Von 1897 bis 1903 war Winterfeldt selbst Landrat des Kreises Prenzlau. In dieser Funktion wirkte er 1898/99 an der Gründung des Uckermärkischen Museums- und Geschichtsvereins sowie des Uckermärkischen Museums in Prenzlau mit. Der Oberpräsident der Provinz Brandenburg, Theobald von Bethmann Hollweg, berief ihn 1903 als seinen Stellvertreter und Oberpräsidialrat nach Potsdam. 1904 wurde er außerdem Mitglied in der Kommission für Denkmalpflege der Provinz Brandenburg. Von 1911 bis 1930 war er schließlich Landesdirektor des Provinzialverbandes Brandenburg. In dieser Position stand er der höheren kommunalen Selbstverwaltungskörperschaft vor, die für Wohlfahrts- und Fürsorgeeinrichtungen, Wirtschaftsförderung sowie Denkmalpflege in der Provinz zuständig war. In seine Amtszeit fielen die Gründung einer Landesversicherungsanstalt, der Bau und die Erweiterung von Landesanstalten zur Unterbringung geistig Kranker (zeitgenössisch „Irrenanstalten“ genannt), der Bau eines Landerziehungsheims und die Einrichtung von Jugendherbergen. Bis zum Groß-Berlin-Gesetz von 1920 war der Provinzialverband Brandenburg auch für die außerhalb des Stadtkerns gelegenen Vororte (heutigen Ortsteile) Berlins zuständig, die damals noch selbstständige Städte und Gemeinden in Brandenburg waren.[3]

Politisch betätigte er sich von 1907 bis 1918 für die Deutschkonservative Partei als Abgeordneter des Reichstags und von 1905 bis 1918 Mitglied des Preußischen Herrenhauses.[4] Winterfeldt wurde 1917 nach Brest-Litowsk entsandt, um mit der Kerenski-Regierung die Friedenspräliminarien mit Russland zu verhandeln, die jedoch scheiterten. Der Friedensvertrag von Brest-Litowsk kam erst nach der Oktoberrevolution mit der neuen Führung Sowjetrusslands zustande.

Winterfeldt-Menkin war monarchistisch eingestellt und stand dem 1919 etablierten parlamentarischen System der Weimarer Republik eher ablehnend gegenüber. Er war mit Wolfgang Kapp, dem Anführer des antirepublikanischen Putschversuchs im März 1920, bekannt, der in einer Dienstwohnung der Provinz Brandenburg neben dem Landeshaus in Berlin-Tiergarten wohnte. Laut der sozialdemokratischen Zeitung Vorwärts war Winterfeldt von den Putschisten als Außenminister vorgesehen, wovon er selbst aber nach eigenen Angaben nichts wusste. Trotz dieser Verbindungen konnte er sein Amt als Landesdirektor auch unter der republikanischen Regierung Preußens behalten.[5] Udo von Alvensleben, der Winterfeldt-Menkin am 19. August 1929 in Menkin besucht hatte, urteilte in seinem Tagebuch: „Winterfeldt hat als Landesdirektor von Brandenburg viel wirken können. Es ist ein erfolgreiches Leben, aber er steht den Rechtsleuten zu links und den Linksleuten zu rechts. Ihn beseelt ein unzerstörbarer Elan.“[6] Die Reichskanzlei bezeichnete ihn 1933 hingegen als „durchaus rechtsstehende Persönlichkeit“.

Dem Johanniterorden trat er 1915 bei und wurde 1924 dort Rechtsritter.[7] Von 1928 bis 1931 war er Mitglied des Senats der Kaiser-Wilhelm-Gesellschaft.

Nach Verleihung der Ehrendoktorwürde (1934) zog er sich aus der Öffentlichkeit auf seine Besitzungen in der Uckermark um Gut Menkin mit Wollschow und Rittergut Fahrenholz, Landkreis Prenzlau, zurück. Dieser Besitz umfasste nach dem letztmals amtlich veröffentlichten Landwirtschaftlichen Adressbuch etwa 2200 ha.[8] 1942 veröffentlichte er seine Memoiren Jahreszeiten des Lebens.

Winterfeldt starb auf einem Flüchtlingstreck aus der sowjetischen Besatzungszone nach Westen im mecklenburgischen Harmshagen (bei Grevesmühlen) und wurde zunächst im dortigen Gutspark bestattet. Nach der deutschen Wiedervereinigung ließen ihn seine Nachkommen 1991 ins Erbbegräbnis der Familie in Menkin umbetten.[9]

Tätigkeit für das Rote Kreuz

In ehrenamtlicher Tätigkeit übernahm Winterfeldt im Jahr 1902 den Vorsitz des Männerzweigvereins des Roten Kreuzes in Prenzlau, war von 1904 bis 1912 stellvertretender RK-Vorsitzender der Provinz Brandenburg, ab 1916 Mitglied des Zentralkomitees und ab 1919 Präsident des Preußischen und Deutschen Zentralkomitees. Bei Gründung des DRK-Dachverbands 1921 wurde er dessen erster Präsident und blieb dies zwölf Jahre lang. Während seiner Präsidentschaft wurde 1925 das Deutsche Jugendrotkreuz gegründet.

Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten unterstellte Winterfeldt-Menkin das DRK uneingeschränkt dem neuen Regime. Am 12. Mai 1933 schrieb er an Adolf Hitler: „Im Namen dieser anderthalb Millionen Männer und Frauen im Deutschen Roten Kreuz erkläre ich die unbedingte Bereitschaft, uns Ihrer Führung zu unterstellen und Ihnen zu folgen“.[10][11] Drei Tage später trat er aus Altersgründen von der Präsidentschaft zurück[12] und wurde durch den Reichspräsidenten und DRK-Schirmherrn Paul von Hindenburg zum Ehrenpräsidenten ernannt. Mit Inkrafttreten einer neuen DRK-Satzung am 29. November 1933 wurden jüdische Rot-Kreuz-Mitglieder ausgeschlossen, und der politische Neutralitätsgrundsatz wurde weitestgehend aufgegeben.[13][14] Am 1. Dezember 1933 trat Winterfeldt-Menkins Nachfolger Carl Eduard Herzog von Sachsen-Coburg und Gotha, der Mitglied der NSDAP und SA war, sein Amt als neuer DRK-Präsident an.

Das Deutsche Rote Kreuz gab anlässlich seines 100. Jubiläums 2021 ein Forschungsprojekt und eine Studie zum Wirken von Winterfeldt-Menkins in Auftrag, insbesondere zu dessen Rolle während der Gleichschaltung des DRK unter der NS-Diktatur.[15]

Ehrungen

Literatur

  • Joachim von Winterfeldt zum sechzigsten Geburtstag. Pontos-Verlag, Berlin 1925, mit 7 Abbildungen von Götz von Seckendorff.
  • Albert Kiekebusch: Joachim von Winterfeldt-Menkin. In: Brandenburgia. Band 40, Berlin 1931, S. 1 (mit Bildtafel vor S. 1)
  • Walter von Hueck: Genealogisches Handbuch des Adels. Adelige Häuser A (Uradel). 1985, Band XVIII, Band 87 der Gesamtreihe GHdA, Hrsg. Deutsches Adelsarchiv, C. A. Starke-Verlag, Limburg (Lahn) 1985, S. 542. ISSN 0435-2408
  • Anton Schlögel: Fünf Präsidenten des Deutschen Roten Kreuzes. In: Geist und Gestalt des Roten Kreuzes, 2. Auflage, Bonn 1988.
  • Acta Borussica. Band 9 (1900–1909), Hrsg. Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften, Olms-Weidmann, Hildesheim, Zürich, New York 2001. ISBN 3-487-11006-7. (PDF)
  • Kurt Adamy: Winterfeldt-Menkin, Joachim Ulrich August Heinrich v. in: Friedrich Beck, Eckart Henning (Hrsg.): Brandenburgisches Biographisches Lexikon, in: Einzelveröffentlichung der Brandenburgischen Historischen Kommission e. V., Band 5, Verlag für Berlin-Brandenburg, Potsdam 2002, S. 424–425 (mit Porträt). ISBN 3-935035-39-X.
  • Eckhard Hansen, Florian Tennstedt (Hrsg.) u. a.: Biographisches Lexikon zur Geschichte der deutschen Sozialpolitik 1871 bis 1945. Band 2: Sozialpolitiker in der Weimarer Republik und im Nationalsozialismus 1919 bis 1945. Kassel University Press, Kassel 2018, S. 217–219. ISBN 978-3-7376-0474-1. PDF

Einzelnachweise

  1. Walter von Leers: Die Zöglinge der Ritterakademie zu Brandenburg a. H. 1705–1913, Hrsg. Verein der ehemaligen Zöglinge der Ritterakademie in Brandenburg a.H., Druck P. Riemann, Selbstverlag, Ludwigslust 1913, S. 332.
  2. Peter Winzen: Friedrich Wilhelm von Loebell (1855–1931). Ein Leben gegen den Strom der Zeit. Böhlau, Wien / Köln / Weimar 2019, S. 37.
  3. Wolfgang Radtke: Brandenburg im 19. Jahrhundert (1815–1914/18). Die Provinz im Spannungsfeld von Peripherie und Zentrum. BWV Berliner Wissenschafts-Verlag, Berlin 2016, S. 162–164.
  4. Carl-Wilhelm Reibel: Handbuch der Reichstagswahlen 1890–1918. Bündnisse, Ergebnisse, Kandidaten, in: Handbücher zur Geschichte des Parlamentarismus und der politischen Parteien. Band 15, Halbband 1, Droste, Düsseldorf 2007, S. 150–153. ISBN 978-3-7700-5284-4.
  5. Ingo Materna: Brandenburg als preußische Provinz in der Weimarer Republik (1918 bis 1933). In: Ingo Materna, Wolfgang Ribbe (Hrsg.): Brandenburgische Geschichte. Akademie Verlag, Berlin 1995, S. 561–618, hier S. 574.
  6. Udo von Alvensleben: Besuche vor dem Untergang. Adelssitze zwischen Altmark und Masuren, Aus Tagebuchaufzeichnungen zusammengestellt und herausgegeben von Harald von Koenigswald, Ullstein, Frankfurt/M.-Berlin 1968, S. 242.
  7. Johanniterorden (Hrsg.): Gesamt-Liste der Mitglieder der Balley Brandenburg des Ritterlichen Ordens St. Johannis vom Spital zu Jerusalem nache dem Stande vom 10. März 1931. 1930. Auflage. Letzte bek. Ausgabe vor 1945. Eigenverlag, Berlin 10. März 1931, S. 85 (kit.edu).
  8. Ernst Seyfert, Hans Wehner, Alexander Haußknecht: Landwirtschaftliches Adreßbuch der Rittergüter, Güter und Höfe der Provinz Brandenburg. Hrsg.: Paul Niekammer Nachfolger. 4. Auflage. Band VII.. Niekammer’s Landwirtschaftliche Güter-Adressbüchern GmbH, Leipzig 1929. S. 84-85.
  9. Kaspar von Oppen: Zukunft braucht Herkunft. In: Rainer Schlösser, Volkmar Schön (Hrsg.): Tutti fratelli – tutte sorelle. Gemeinsam für das Rote Kreuz – Zum Gedenken an Christoph Brückner. AVM Akademische Verlagsgemeinschaft München, München 2020, S. 135–137.
  10. Deutsches Rotes Kreuz: Blätter des Deutschen Roten Kreuzes. 12. Jahrgang, Berlin 1933, S. 276.
  11. Ernst Klee: Das Personenlexikon zum Dritten Reich. Wer war was vor und nach 1945. Fischer Taschenbuch Verlag, Zweite aktualisierte Auflage, Frankfurt am Main 2005, S. 679. ISBN 978-3-596-16048-8.
  12. Deutsches Rotes Kreuz: Generalbericht des Deutschen Roten Kreuzes 1931-1933. Berlin 1934, S. 5.
  13. Deutsches Rotes Kreuz: Blätter des Deutschen Roten Kreuzes. 12. Jahrgang, Berlin 1933, S. 515 f.
  14. Wolfgang Uwe Eckart: Medizin in der NS-Diktatur. Ideologie, Praxis, Folgen. Böhlau, Köln 2012, Abschnitt 3.8.2: „Kamerad Schwester“ – vom Primat der Gemeindepflege zum Kriegsdienst.
  15. Joachim von Winterfeldt-Menkin und das DRK, in: Jubiläum 100 Jahre DRK e.V.