Joachim von Moltke

Adolf Joachim Karl August von Moltke, kurz Joachim von Moltke, (* 18. November 1891 in Stuttgart; † 20. Oktober 1956 in Unterschondorf) war ein NSDAP-Funktionär und Mitglied des Reichstags.

Leben

Moltke ist unbekannter briefadeliger, teils bürgerlicher Herkunft. Er ist der Adoptivsohn des uradeligen kaiserlichen Konsuls Alfred von Moltke (1841–1905), seine Vorfahren lebten seit Mitte der 19. Jahrhunderts in Cannstatt und Stuttgart, und dessen Ehefrau Hedwig Saacke, geborene Gabler. Familie von Moltke ließ sich scheiden, Hedwig heiratete 1908 den Kunstmaler und Schriftsteller Reinhart von Seydlitz-Kurzbach, auch hier folgte die Scheidung, 1919.

Moltke selbst erhielt am 16. November 1911 den württembergischen Adel als von Moltke.[1] Er studierte dann nach dem Besuch der Volksschule und dem humanistischen Gymnasium Nationalökonomie an der TH München und in Weihenstephan. Ab 1914 nahm er als Soldat am Ersten Weltkrieg teil, zuletzt im Rang eines Oberleutnants der Reserve. Nach Kriegsende war er bei Siemens und Halske im kaufmännischen Bereich angestellt.

Er gehörte dem Bund Jung-Bayern an und trat im Mai 1921 der NSDAP bei (Mitgliedsnummer 3.438). Als Kompanieführer nahm er am 9. November 1923 am Hitlerputsch in München teil. Zum 1. Oktober 1929 schloss er sich wieder der neu gegründeten NSDAP an (Mitgliedsnummer 153.701).[2] Er wurde 1930 Gemeinderat in Unterschondorf und amtierte dort geschäftsführend von März bis Mai 1933 als erster Bürgermeister.

Für die NSDAP wurde er regional bereits 1932 zunächst stellvertretender Kreisleiter des Kreises Landsberg am Lech und danach von Oktober 1933 an dort langjährig ehrenamtlicher Kreisleiter bis Ende Januar 1945. Aufgrund der Vielzahl seiner Funktionen wurde er von Gauleiter Paul Giesler vom Kreisleiteramt abberufen. Seit 1935 war er zudem Gaurichter. Von 1940 bis 1942 war er stellvertretender Gauleiter im Gau München-Oberbayern.[3] Während des Zweiten Weltkriegs rückte Moltke für den verstorbenen bayrischen Abgeordneten Ludwig Siebert am 28. November 1942 in den – zu dieser Zeit bereits bedeutungslos gewordenen – deutschen nationalsozialistischen Reichstag als Abgeordneter für den Wahlkreis Oberbayern-Schwaben nach. Moltke lebte Ende der 1930er Jahre in Schondorf.

Joachim von Moltke ist nicht zu verwechseln mit dem 1909 geborenen uradeligen Joachim Wolfgang Graf von Moltke, einem jüngeren Bruder des Widerstandskämpfers Helmuth James von Moltke.

Ehrungen

Literatur

  • Joachim Lilla, Martin Döring, Andreas Schulz: Statisten in Uniform: Die Mitglieder des Reichstags 1933–1945. Ein biographisches Handbuch. Unter Einbeziehung der völkischen und nationalsozialistischen Reichstagsabgeordneten ab Mai 1924. Droste, Düsseldorf 2004, ISBN 3-7700-5254-4.
  • Joachim Lilla (Bearb.): Die Stellvertretenden Gauleiter und die Vertretung der Gauleiter der NSDAP im „Dritten Reich“. (= Materialien aus dem Bundesarchiv. Heft 13), Koblenz 2003, ISBN 3-86509-020-6.
  • Hermann Kriegl: Adolf Hitlers „treueste Stadt“ Landsberg am Lech: 1933–1945. 1. Auflage Tümmel, Nürnberg 2003, ISBN 3-921590-07-8. (Nicht in der Auswertung).
  • Gothaisches Genealogisches Taschenbuch der Adeligen Häuser. Alter Adel und Briefadel. 1931. Jahrgang 23, Justus Perthes, Gotha 1930, S. 474. Siehe: FamilySearch.

Zeitgenössische Literatur

  • E. Kienast: Der Grossdeutsche Reichtstag. IV. Wahlperiode. Beginn am 10. April 1938. Verlängert bis zum 30. Januar 1947. R. v. Decker`s Verlag G. Schenck, Berlin 1943, S. 305. Vita.

Einzelnachweise

  1. Gothaisches Genealogisches Taschenbuch der Adeligen Häuser. Zugleich Adelsmatrikel der D.A.G. Teil A (Uradel). 1939. Jahrgang 38, Justus Perthes, Gotha 1938, S. 339. Siehe FamilySearch.
  2. Bundesarchiv (BArch) R 9361-II/722698.
  3. Joachim Lilla: Übersicht der NSDAP-Gaue, der Gauleiter und der Stellvertretenden Gauleiter 1933 bis 1945 In: Zukunft-braucht-Erinnerung.de.
  4. Gothaisches Genealogisches Taschenbuch der Adeligen Häuser. Zugleich Adelsmatrikel der D.A.G. Teil B (Briefadel). 1939. Jahrgang 31, Justus Perthes, Gotha 1938, S. 450. Siehe FamilySearch.