Joachim Schildt
Joachim Schildt (* 28. März 1934 in Stendal; † 22. Juni 2005 in Berlin)[1] war ein deutscher Sprachwissenschaftler.[2]
Leben und Wirken
Nach seiner Reifeprüfung 1951 am Winckelmann-Gymnasium Stendal studierte Joachim Schildt von 1951 bis 1955 Germanistik und Latinistik an der Humboldt-Universität zu Berlin. 1955 legte er dort das Staatsexamen für den höheren Schuldienst ab und war bis 1961 zunächst im Schuldienst tätig. 1960 promovierte er bei Johannes Erben an der Humboldt-Universität. Von 1961 bis 1990 war er dann wissenschaftlicher Mitarbeiter und übernahm Leitungsfunktionen am Institut für deutsche Sprache und Literatur der Deutschen Akademie der Wissenschaften, nach einer Akademiereform beim Zentralinstitut für Sprachwissenschaft. Hier war er führend tätig bei der Erarbeitung des Deutschen Wörterbuchs und anderen sprachwissenschaftlichen Nachschlagewerken. Im Jahre 1968 habilitierte er sich für das Fach Germanistik an der Humboldt-Universität. Nach der Wende arbeitete Schildt von 1992 bis zu seinem Eintritt in den Ruhestand am Institut für deutsche Sprache in Mannheim, u. a. am Deutschen Fremdwörterbuch.
In seinen zahlreichen Veröffentlichungen beschäftigte sich Joachim Schildt vor allem mit der Geschichte und Entwicklung der neuhochdeutschen Sprache, vor allem in der Literatur. Außerdem veröffentlichte er über Dialektologie und Lexikographie. Seine kleine Geschichte der deutschen Sprache erschien in mehreren Auflagen bzw. Ausgaben.
Veröffentlichungen (Auswahl)
- Die Ausbildung einer ostmitteldeutschen Norm im Gebrauch lokaler Präpositionen 1200 bis 1550 (= Bausteine zur Sprachgeschichte des Neuhochdeutschen, Bd. 44). Akademie-Verlag, Berlin 1970 (= Habilitationsschrift Humboldt-Universität zu Berlin).
- Abriss der Geschichte der deutschen Sprache. Zum Verhältnis von Gesellschafts- und Sprachgeschichte (= Sammlung Akademie-Verlag, Bd. 20). Akademie-Verlag, Berlin 1976 (3. überarb. Aufl. 1984).
- (Hrsg.): Erbe, Vermächtnis und Verpflichtung. Zur sprachwissenschaftlichen Forschung in der Geschichte der AdW der DDR (= Reihe Sprache und Gesellschaft, Bd. 10). Akademie-Verlag, Berlin 1977.
- (Hrsg.): Zum Einfluss von Marx und Engels auf die deutsche Literatursprache. Studien zum Wortschatz der Arbeiterklasse im 19. Jahrhundert (= Beiträge zur Sprachgeschichte des Neuhochdeutschen, Bd. 59). Akademie-Verlag, Berlin 1978.
- (Hrsg., mit Gerhard Kettmann): Zur Literatursprache im Zeitalter der frühbürgerlichen Revolution. Untersuchungen zu ihrer Verwendung in der Agitationsliteratur (= Beitgräge zur Sprachgeschichte des Neuhochdeutschen, Bd. 58). Akademie-Verlag, Berlin 1978.
- (Hrsg.): Auswirkungen der industriellen Revolution auf die deutsche Sprachentwicklung im 19. Jahrhundert (= Beiträge zur Sprachgeschichte des Neuhochdeutschen, Bd. 60). Akademie-Verlag, Berlin 1981.
- Martin Luther und die deutsche Bibel (= Schriften der Wartburg-Stiftung Eisenach, Bd. 3). Eisenach 1983.
- (Mithrsg.): Die Lexikographie von heute und das Wörterbuch von morgen (= Linguistische Studien, Reihe A, Bd. 109). Akademie der Wissenschaften der DDR, Berlin 1983.
- (Hrsg., mit Hartmut Schmidt): Berlinisch. Geschichtliche Einführung in die Sprache einer Stadt. Akademie-Verlag, Berlin 1986, ISBN 3-05-000157-7 (2. bearb. Aufl. 1992).
- (Hrsg.): Zum Sprachwandel in der deutschen Literatursprache des 16. Jahrhunderts. Studien, Analysen, Probleme (= Bausteine zur Sprachgeschichte des Neuhochdeutschen, Bd. 63). Akademie-Verlag, Berlin 1987, ISBN 3-05-000401-0.
- (Hrsg., mit Roswitha Peilicke): Thomas Müntzers deutsches Sprachschaffen (= Linguistische Studien, Reihe A, Bd. 207). Akad. der Wiss. der DDR, Zentralinst. für Sprachwiss., Berlin 1990.
- Kurze Geschichte der deutschen Sprache. Volk und Wissen Verlag, Berlin 1991, ISBN 978-3-06-101719-4.
- (Hrsg.): Aspekte des Sprachwandels in der deutschen Literatursprache 1570–1730 (= Bausteine zur Sprachgeschichte des Neuhochdeutschen, Bd. 63). Akademie-Verlag, Berlin 1992, ISBN 3-05-001772-4.
Einzelnachweise
- ↑ Hartmut Schmidt: Prof. Dr. Joachim Schildt (Nachruf). In: IDS Mannheim / Über uns / Personal (abgerufen am 18. Oktober 2025).
- ↑ Schildt, Joachim. In: Wilfried Kürschner (Hrsg.): Linguisten-Handbuch. Bd. 2. Narr, Tübingen 1994, S. 821f., ISBN 3-8233-5000-5 (mit biografischen Daten, Publikationsliste u. Foto).