Jin Aizong
Jin Aizong (chinesisch 金哀宗; persönlicher Name Ningjiasu, sinisiert Wanyan Shouxu; * 25. September 1198; † 9. Februar 1234 in Caizhou (im heutigen Kreis Runan, Henan)) war von 1224 bis 1234 der neunte und vorletzte Kaiser der über einen Teil Nord-Chinas regierenden Jin-Dynastie. Sein Reich wurde während seiner Herrschaft ab 1230 von den Mongolen unter Ögedei Khan endgültig erobert.
Leben
Ningjiasu war der dritte Sohn von Kaiser Xuanzong. Seine Mutter war Xuanzongs Konkubine, Frau Wang, die posthum den ehrenvollen Namen Kaiserin Minghui erhielt. Nach der Thronbesteigung seines Vaters (1213) erhielt Ningjiasu den Titel Prinz von Sui. Xuanzongs ältester Sohn und Kronprinz, Wanyan Shouzhong, und dessen Sohn starben frühzeitig, sodass Xuanzong 1216 Ningjiasu, der damals sein ältester lebender Sohn war, zum Thronfolger ernannte. Ningjiasu wählte sich den sinisierten Namen Shouxu. Alis Xuanzong im Januar 1224 starb, bestieg Ningjiasu den Thron und wurde posthum unter dem Tempelnamen Kaiser Aizong bekannt. Seine Gemahlin, Frau Tushan, avancierte zur Kaiserin.
Das Reich der Jin-Dynastie war seit 1211 Feldzügen der Mongolen unter Dschingis Khan ausgesetzt gewesen. Es hatte bei Aizongs Regierungsantritt sein gesamtes Territorium nördlich des Gelben Flusses verloren. Aizong schloss 1224 Frieden mit der südlichen Song-Dynastie und verzichtete formell auf den Anspruch, von den Song jährliche Zahlungen zu erhalten. Im nächsten Jahr kam auch ein Friedensvertrag mit der Westlichen Xia-Dynastie zustande, die demzufolge keine Vasallen der Jin mehr waren.[1] Aizong führte auch Reformen in der Verwaltung durch, entließ korrupte und inkompetente Beamte und förderte Heerführer, die sich der mongolischen Invasion energisch widersetzt hatten. 1227 wurde die Westliche Xia-Dynastie von den Mongolen endgültig besiegt und ausgelöscht. Als Dschingis Khan im gleichen Jahr starb, versuchte Aizong die Mongolen mit einer Gesandtschaft zu beschwichtigen, die ihnen ihr Beileid aussprach; die Mongolen lehnten es jedoch ab, die Gesandten zu empfangen.[2] 1230 gelang den Jin ein Sieg über die Mongolen am Tongguan-Pass.[3]
Ögedei Khan unternahm nun persönlich gemeinsam mit seinem jüngeren Bruder Tolui Khan 1230/31 aus zwei unterschiedlichen Richtungen einen weiteren Einfall in Aizongs Reich. Die vereinigte Armee überquerte unter der Führung des äußerst fähigen mongolischen Feldherrn Sube'etai am 28. Januar 1232 den Gelben Fluss und erreichte am 6. Februar 1232 die Hauptstadt der Jin, Bianjing (das heutige Kaifeng). Die Belagerung der Stadt begann am 8. April 1232. Bis zum Sommer 1232 gab es Friedensgespräche, die abgebrochen wurden, nachdem zwei Offiziere der Jin den mongolischen Gesandten Tang Qing am 24. Juli 1232 in seiner Herberge zusammen mit 30 weiteren Personen ermordet hatten. Bianjing wurde im Sommer 1232 von einer Epidemie heimgesucht, und seine Einwohner litten zusätzlich aufgrund mangelnder Nahrungsmittelvorräte unter einer Hungersnot. Ein Han-Chinese hielt die Ereignisse als Augenzeuge in seinen Memoiren fest, wodurch die Belagerung gut dokumentiert ist. Im Verlauf der Kämpfe um die Stadt kam es zum Einsatz von Waffen, die auf Schießpulver beruhten.[2]
Im Winter 1232/33 beschloss Kaiser Aizong, die Hauptstadt Bianjing zu verlassen, solange er dazu noch die Möglichkeit hatte. In Begleitung zahlreicher loyaler Jurchen und chinesischer Beamter begab er sich in die Provinz Henan, wo er die Stadt Guide (heute Shangqiu) am 26. Februar 1233 erreichte. Auf seinem weiteren Weg kam er am 3. August 1233 in Caizhou im heutigen Kreis Runan an. Bianjing wurde inzwischen weiter verteidigt, bis der Feldherr Cui Li am 29. Mai 1233 ihre Übergabe an die Mongolen beschloss, um Plünderungen und Massaker bei einer Erstürmung der Stadt zu verhindern. Wegen seiner verzweifelten Lage schickte Aizong Gesandte zu den Song, um sie um die Lieferung von Getreide zu ersuchen. Auch warnte er die Song, dass sie im Fall des endgültigen Siegs der Mongolen über Jin-Dynastie das nächste Opfer wären. Die Song blieben aber bei ihrem Bündnis mit dem Mongolen, von dem sie sich die Rückgewinnung einiger früher an die Jin verlorener Territorien erhofften. Truppen der Song und Mongolen griffen ab Dezember 1233 Caizhou an. Nach einem erfolglosen Fluchtversuch dankte Aizong am 9. Februar 1234 zugunsten eines entfernten Verwandten ab, der den posthumen Titel Kaiser Modi erhielt. Danach verübte Aizong Selbstmord, doch Soldaten der Mongolen und Song erstürmten noch am gleichen Tag Caizhou, wobei Modi in den Straßenkämpfen ums Leben kam.[4] Mit einer Regierungsdauer von weniger als einem Tag war Modi der am kürzesten regierende Monarch in der chinesischen Geschichte. Mit ihm erlosch die Herrschaft der Jin-Dynastie.
Literatur
- Herbert Franke: The Chin Dynasty, in: Denis C. Twitchett, John King Fairbank, Herbert Franke (Hrsg.): The Cambridge History of China, Bd. 6: Alien Regimes and Border States, 907–1368. Cambridge University Press, 1994, ISBN 978-0-521-24331-5, S. 215–320.
Anmerkungen
- ↑ Herbert Franke, in: The Cambridge History of China, Bd. 6, 1994, S. 261.
- ↑ a b Herbert Franke, in: The Cambridge History of China, Bd. 6, 1994, S. 262–263.
- ↑ Jacques Gernet: Die chinesische Welt. Suhrkamp, Frank-furt am Main 1988 (französische Originalausgabe Paris 1972), ISBN 3-518-38005-2, S. 612.
- ↑ Herbert Franke, in: The Cambridge History of China, Bd. 6, 1994, S. 264.