Jimmy Mirikitani
Jimmy Tsutomu Mirikitani (* 15. Juni 1920 in Sacramento, Kalifornien; † 21. Oktober 2012 in New York City) war ein US-amerikanischer Maler japanischer Herkunft.[1] Er erlangte vor allem durch den Dokumentarfilm The Cats of Mirikitani (2006) größere Bekanntheit.[2] Mirikitani arbeitete als Maler, Zeichner und Collagekünstler. Sein Werk und seine Biografie sind eng mit der Geschichte der Internierung japanischstämmiger US-Bürger während des Zweiten Weltkriegs verknüpft.
Leben
Jimmy Mirikitani wurde in Sacramento geboren und in Hiroshima, Japan, aufgezogen. Mit achtzehn Jahren kehrte er in die Vereinigten Staaten zurück, um eine künstlerische Laufbahn zu verfolgen und dem zunehmenden Militarismus in Japan zu entgehen. Zum Zeitpunkt des Ausbruchs des Zweiten Weltkriegs lebte er im Haushalt seiner Schwester Kazuko in Seattle. Nach dem Erlass von Executive Order 9066 wurden beide in unterschiedliche Internierungslager gebracht: Seine Schwester kam nach Minidoka in Idaho, er selbst nach Tule Lake im Norden Kaliforniens. Dort fertigte er Zeichnungen und Gemälde des Lageralltags an, die das Gelände als trostlosen Gefängnisraum darstellen. Während der Einführung des „Loyalty Questionnaire“[3] wurde Tule Lake zu einem Lager für als „illoyal“ eingestufte Personen geschickt. Tausende Insassen, darunter auch Mirikitani, verzichteten unter Protest oder unter Druck auf ihre US-Staatsbürgerschaft. Nach Kriegsende verblieb er zunächst weiterhin in Haft, erst in Tule Lake und anschließend im Internierungslager des Justizministeriums in Crystal City, Texas. Der Anwalt Wayne Collins setzte sich über Jahrzehnte für die Wiederherstellung der US-Staatsbürgerschaft ein. Im Jahr 1946 wurde Mirikitani nach Seabrook Farms in der Nähe von Bridgeton, New Jersey, verlegt. Dort wurde er gemeinsam mit weiteren japanischstämmigen Amerikanern in einem System „entspannter Internierung“ unter harten Arbeitsbedingungen in einem Tiefkühlkostbetrieb eingesetzt. 1947 erreichte Collins ihre Freilassung, doch die vollständige Wiederherstellung der Staatsbürgerschaft dauerte weitere zehn Jahre.[1]
Anfang der 1950er Jahre zog Mirikitani nach New York City, um seine künstlerische Tätigkeit wieder aufzunehmen. Nachdem er eine Zeit lang in der Bibliothek der Columbia University übernachtet hatte, wurde er an die New York Buddhist Church vermittelt, die ihm dort einen Platz zum Schlafen bot. Dort erhielt er Unterkunft und Verpflegung sowie eine Ausbildung zum Koch. Anschließend arbeitete er saisonal an verschiedenen Orten an der US-Ostküste. Während einer dieser Anstellungen lernte er auf Long Island Jackson Pollock kennen. Seine US-Staatsbürgerschaft wurde 1959 wiederhergestellt, doch aufgrund seiner häufigen Wohnortwechsel erreichte ihn die entsprechende Mitteilung nicht. In den späten 1980er Jahren verlor Mirikitani nach dem Tod seines Arbeitgebers seine Stelle als Hauskoch und damit auch seine Unterkunft. Binnen kurzer Zeit wurde er obdachlos und lebte im Washington Square Park in New York, wo er seine Kunstwerke verkaufte. In dieser Zeit hatte er kaum Kontakt zu staatlichen Stellen und wusste daher nicht, dass er bereits seit 1959 wieder die US-Staatsbürgerschaft besaß.[1]
Im Jahr 2001 traf Mirikitani in der Lower East Side von Manhattan die Filmemacherin Linda Hattendorf. Sie sah ihn regelmäßig beim Zeichnen auf der Straße und begann, seine Lebensumstände zu dokumentieren. Im Zuge der Arbeiten zu ihrem später preisgekrönten Film The Cats of Mirikitani nahm Hattendorf ihn zeitweise in ihrer Wohnung auf und unterstützte ihn bei der Beantragung von Sozial- und Wohnungsleistungen. 2002 zog Mirikitani in eine betreute Senioreneinrichtung der Village Care of New York. Im selben Jahr wurde er erstmals seit sechzig Jahren wieder mit seiner Schwester zusammengeführt. Mirikitani erlangte nach der Veröffentlichung des Dokumentarfilms öffentliche Aufmerksamkeit.[1]
Seine erste Einzelausstellung wurde 2006 im Wing Luke Asian Museum in Seattle präsentiert und anschließend an weitere Institutionen in den USA weitergereicht, darunter das Bainbridge Island Museum of Art, das Asian/Pacific/American Institute der New York University, die University of North Texas, das Nikkei Legacy Center in Portland und die East Meadow Public Library. Im Jahr 2010 wurden Arbeiten von Mirikitani im Rahmen der Ausstellung The Art of Gaman: Arts and Crafts from the Japanese American Internment Camps 1942–1946 in der Renwick Gallery des Smithsonian American Art Museums in Washington, D.C., gezeigt.[4][1]
Jimmy Mirikitani starb am 21. Oktober 2012 im Alter von 92 Jahren in New York City.
Weblinks
Einzelnachweise
- ↑ a b c d e Patricia Wakida: Jimmy Mirikitani. Abgerufen am 14. November 2025.
- ↑ The Cats Of Mirikitani | Home. Abgerufen am 14. November 2025.
- ↑ Loyalty questionnaire | Densho Encyclopedia. Archiviert vom am 19. September 2025; abgerufen am 14. November 2025 (englisch).
- ↑ The Art of Gaman: Arts and Crafts from the Japanese American Internment Camps, 1942-1946 | Smithsonian American Art Museum. Abgerufen am 14. November 2025 (englisch).