Jeziernik (Ostaszewo)
| Jeziernik | ||
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| Basisdaten | ||
| Staat: | Polen
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| Woiwodschaft: | Pommern | |
| Powiat: | Nowodworski | |
| Geographische Lage: | 54° 12′ N, 18° 59′ O | |
| Einwohner: | ||
Jeziernik (deutsch Schönsee) ist ein Dorf in der Gmina Ostaszewo im Powiat Nowodworski der polnischen Woiwodschaft Pommern.
Geographische Lage
Das Kirchdorf liegt im Żuławy Malborskie (Großes Marienburger Werder), rechts der Weichsel, etwa 24 Kilometer südöstlich der Innenstadt Danzigs, acht Kilometer nordnordwestlich der Stadt Nowy Staw (Neuteich) und zwei Kilometer östlich des Dorfs Ostaszewo (Schöneberg).
Geschichte
Schönsee war eine von einer ganzen Reihe von Ortschaften, die vom Deutschen Orden nach seiner Ankunft im Danziger Raum (1311) vor Mitte des 14. Jahrhunderts im Weichsel-Delta gegründet worden waren, und erhielt seine Handfeste im Jahr 1334.[1] Um 1818 gab es in Schönsee eine katholische Filialkirche, deren Mutterkirche im Nachbarort Schöneberg war, drei Wasserabmahl-Windmühlen (mit Windkraft betriebene Wasserschöpfwerke), eine Wasserabmahl-Rossmühle (Wasserschöpfwerk mit Pferdeantrieb), eine Grützrossmühle (von einem Pferd angetriebene Mühle zur Herstellung von grobkörnigem Mehl oder sogenanntem Grützmehl), eine Hakenbude (Krämer- oder Verkaufsbude), einen Krug (Gastwirtschaft), zwei Schänken, eine Schmiede und zehn Handwerksbetriebe.[2]
Am 1. Juni 1882 wurde in Schönsee eine neue Postagentur eröffnet, die für die Ortschaften Schöneberger Fähre, Schönsee und Fünfhuben zuständig war.[3]
Im Jahr 1910 hatte Schönsee eine katholische Kirche, eine Käsefabrik, mehrere Molkereien und eine Haltestelle an der Kleinbahn-Strecke Tiegenhof – Groß Lichtenau (– Neuteich) – Ließau.[4] Am 1. Dezember 1913 wurden auf der 1129,2 Hektar großen Gemarkungsfläche der Landgemeinde Schönsee 89 viehhaltende Haushaltungen gezählt, die zusammen 294 Pferde, 666 Stück Rindvieh, vier Schafe, 521 Stück Borstenvieh und 86 Ziegen hielten. An Federvieh wurden gezählt 36 Gänse, zwanzig Enten, 1496 Hühner und acht Truthühner. Die Bienenzüchter in Schönsee, die meist in einem Bienenzuchtverein organisiert waren,[5] betrieben 109 Bienenstöcke. An Obstbäumen waren vorhanden 1167 Apfelbäume, 208 Birnbäume, 549 Pflaumen- und Zwetschgenbäume, 217 Kirschbäume, ein Aprikosenbaum, ein Pfirsichbaum und elf Walnussbäume.[6]
Im Jahr 1919 gehörte Schönsee zum Kreis Marienburg (Westpreußen) im Regierungsbezirk Danzig in der Provinz Westpreußen des Deutschen Reichs.
Nach dem Ersten Weltkrieg fiel Schönsee durch den Versailler Vertrag an die Freien Stadt Danzig. Nach dem Überfall auf Polen wurde es wieder deutsch verwaltet.[7][8] Bis 1945 bildete Schönsee eine Landgemeinde im Kreis Marienburg (Westpreußen) im Regierungsbezirk Danzig im Reichsgau Danzig-Westpreußen des Deutschen Reichs. Als Folge des Zweiten Weltkriegs wurde das Dorf 1945 Teil Polens.
Von 1975 bis 1998 gehörte die Gmina Ostaszewo zur Woiwodschaft Elbląg, seither zur Woiwodschaft Pommern.
Demographie
| Jahr | Einwohner | Anmerkungen |
|---|---|---|
| 1783 | – | königliches Dorf, mit 70 Feuerstellen (Haushaltungen), nebst einer Filialkirche des Kirchspiels Schöneberg, zum Amt Thiegenhoff gehörig[9] |
| 1818 | 536 | mit Fünfhuben, kölmisches Dorf mit 70 Feuerstellen (Haushaltungen) und einer katholischen Filialkirche der Mutterkirche zu Schöneberg, zum Amt Tiegenhoff gehörig, davon 172 Lutheraner, 206 Katholiken und 158 Mennoniten[2][10] |
| 1852 | 661 | Dorf[11] |
| 1864 | 636 | am 3. Dezember, Gemeindebezirk[12] |
| 1867 | 632 | am 3. Dezember, Landgemeinde[13] |
| 1871 | 617 | am 1. Dezember, Landgemeinde, davon 237 Evangelische, 243 Katholiken und 137 sonstige Christen[13] |
| 1885 | 589 | am 1. Dezember, Landgemeinde, darunter 235 Evangelische, 234 Katholiken und 120 sonstige Christen[14] |
| 1905 | 518 | am 1. Dezember, Landgemeinde, davon 239 Evangelische (mit deutscher Muttersprache), 159 Katholiken (mit deutscher Muttersprache) und 55 sonstige Christen (mit deutscher Muttersprache)[15] |
| 1910 | 500 | am 1. Dezember, Landgemeinde, sämtliche mit deutscher Muttersprache (233 Evangelische, 146 Katholiken und 121 sonstige Christen), folglich niemand mit kaschubischer oder polnischer Muttersprache.[16] |
Kirche
Evangelisches Kirchspiel bis 1945
Die evangelischen Dorfbewohner gehörten zum Kirchspiel des Nachbardorfs Schöneberg.[17][18]
Katholisches Kirchspiel bis 1945
Die Katholiken in Schönsee verfügen über eine eigene Dorfkirche, die eine Filiale der Deutschordenskirche im Nachbarort Schöneberg war. Letztere Kirche wurde kurz vor Kriegsende durch Brand zerstört.
Literatur
- Schönsee, Dorf, im Großen Marienburger Werder, Kreis Marienburg i. Westpr., Provinz Westpreußen. In: Meyers Gazetteer, mit Eintrag aus Meyers Orts- und Verkehrslexikon, Ausgabe 1912, sowie einer historischen Landkarte der Umgebung von Schönsee (meyersgaz.org)
Weblinks
Einzelnachweise
- ↑ Alfred Jentzsch: Die geologische Erforschung des nordddeutschen Flachlandes, insbesondere Ost-und Westpreussens in den Jahren 1878−1880, in: Schriften der Physikalisch-ökonomischen Gesellschaft zu Königsberg, 21. Jahrgang (1880), Königsberg 1881, S. 131–208, insbesondere S. 157 (Google Books).
- ↑ a b Danziger Regierungs-Departement, Verzeichniß der in den einzelnen Kreisen befindlichen Ortschaften, veröffentlicht ca. 1820 (enthält statistische Angaben von 1818), S. 44–45, Ziffer 130 (Google Books).
- ↑ Amtsblatt der Königlichen Regierung zu Danzig, No. 21, Danzig, 27. Mai 1882, S. 131, Bekanntmachung 252 (Google Books).
- ↑ Schönsee, Dorf, im Großen Marienburger Werder, Kreis Marienburg i. Westpr., Provinz Westpreußen. In: Meyers Gazetteer, mit Eintrag aus Meyers Orts- und Verkehrslexikon, Ausgabe 1912, sowie einer historischen Landkarte der Umgebung von Schönsee (meyersgaz.org)
- ↑ Otto Grams: Wie ist in Westpreußen die bienenwirtschaftliche Vereinsthätigkeit weiter anzuregen und fruchtbarer zu gestalten?, in: Leipziger Bienen-Zeitung, 14. Jahrgang, Heft 7, Leipzig 1899, S. 105–106 (Google Books).
- ↑ Königlich Preußisches Statistisches Landesamt: Gemeindelexikon über den Viehstand und den Obstbau für den Preußischen Staat. Heft 2: Provinz Westpreußen. Berlin 1915, 1. Regierungsbezirk Danzig. 3. Kreis Marienburg in Westpreußen. S. 10–11, Ziffer 101 (Google Books).
- ↑ Michael Rademacher: Landkreis Marienburg in Westpreußen (poln. Malbork). Online-Material zur Dissertation, Osnabrück 2006. In: eirenicon.com.
- ↑ Amtsbezirk Schöneberg (Territorial.de)
- ↑ Johann Friedrich Goldbeck: Volständige Topographie des Königreichs Preussen. Zweiter Theil welcher die Topographie von West-Preussen enthält. Anhang (mit neu beginnender Seitenzählung): Volständige Topographie vom West-Preußischen Cammer-Departement, Marienwerder 1789, S. 203 (Google Books).
- ↑ Alexander August Mützell und Leopold Krug: Neues topographisch-statistisch-geographisches Wörterbuch des preußischen Staats, Band 4: P–S, Halle 1823, S. 266, Ziffer 2619 (Google Books).
- ↑ Kraatz (Hrsg.): Topographisch-statistisches Handbuch des Preußischen Staats, enthaltend die sämmtlichen Städte, Flecken, Dörfer … mit Angabe des Gerichts erster Instanz … Unter Benutzung der Akten des Königlichen Justiz-Ministeriums. Deckersche Geheime Ober-Hofbuchdruckerei, Berlin 1856, S. 558 (Google Books).
- ↑ Preußisches Finanzministerium: Ergebnisse der Grund- und Gebäudesteuerveranlagung im Regierungsbezirk Danzig. Danzig 1867, 6. Kreis Marienburg, S. 18–25, Ziffer 125 (Google Books).
- ↑ a b Königliches Statistisches Bureau: Die Gemeinden und Gutsbezirke der Provinz Preussen und ihre Bevölkerung. Nach den Urmaterialien der allgemeinen Volkszählung vom 1. December 1871 bearbeitet und zusammengestellt. Berlin 1874, S. 348–349, Ziffer 115 (Google Books).
- ↑ Königliches statistisches Bureau: Gemeindelexikon für das Königreich Preußen. Auf Grund der Volkszählung vom 1. Dezember 1885. Band II: Provinz Westpreußen, Berlin 1887, S. 14–15, Ziffer 116 (Google Books).
- ↑ Königliches Statistisches Landesamt (Hrsg.): Gemeindelexikon für das Königreich Preußen – Auf Grund der Materialien der Volkszählung vom 1. Dezember 1905 und anderer amtlicher Quellen, Heft II: Provinz Westpreußen, Berlin 1908, S. 80–81, Ziffer 104 (Google Books).
- ↑ Königlich Preußisches Statistisches Landesamt: Gemeindelexikon der Regierungsbezirke Allenstein, Danzig, Marienwerder, Posen, Bromberg und Oppeln. Auf Grund der Volkszählung vom 1. Dezember 1910 und anderer amtlicher Quellen. Berlin 1912, Heft II: Regierungsbezirk Danzig. 9. Kreis Marienburg i. Westpr., S. 36–37, Ziffer 102 (Google Books).
- ↑ Pfarr-Almanach der Provinz Westpreußen (Bureau des Königlichen Konsistoriums der Provinz Westpreußen, Hrsg.), Danzig 1897, S. 33, § 8 (Google Books).
- ↑ Agathon Harnoch: Chronik und Statistik der evangelischen Kirchen in den Provinzen Ost- und Westpreußen, Neidenburg 1890, S. 439 (Google Books).