Jessie Saxby
Jessie Margaret Saxby, geborene Edmondston (* 30. Juni 1842 Halligarth, Unst, Shetlandinseln; † 27. Dezember 1940 ebenda) war eine schottisch-britische Schriftstellerin und Volkskundlerin. Sie engagierte sich auch für Politik und speziell das Frauenwahlrecht.[1][2]
Leben
Saxby wurde auf dem familieneigenen Gut Halligarth auf der Shetlandinsel Unst geboren. Saxbys Vater war Laurence Edmondston (1795–1879), ein Arzt und Naturforscher; ihre Mutter war Eliza Macbrair (1801–1869), eine Journalistin und Autorin aus einer Familie aus Glasgow.[1] Das Paar hatte zehn weitere Kinder, darunter der Botaniker Thomas Edmondston.[3]
Nach eigenen Angaben erhielt Saxby nur wenig formale Bildung.[1] Am 16. Dezember 1859 heiratete sie den Ornithologe und Arzt Henry Linckmyer Saxby (1836–1873), den aus London stammenden Assistenten ihres Vaters.[4] Das Paar hatte sechs Kinder, die einzige Tochter starb im Säuglingsalter. Thomas Edmondston Saxby (1869–1952), ebenfalls Ornithologe und Arzt, war einer ihrer Söhne.[1] Sie lebten auf Unst, und Henry Saxby wurde Partner in der Arztpraxis seines Schwiegervaters, bis er 1871 aus gesundheitlichen Gründen nach Edinburgh umziehen musste. Im folgenden Jahr, 1872, zog die Familie nach Inveraray, aber Henry Saxby starb am 4. September 1873 im Alter von nur 37 Jahren.[4]
Als Witwe mit einer Familie, die sie versorgen musste, war Saxby fortan auf die Einkünfte aus ihrer schriftstellerischen Tätigkeit angewiesen.[1] Sie kehrte für 17 Jahre nach Edinburgh zurück, bevor sie 1890 schließlich nach Unst zurückkehrte.[2] Saxbys literarisches Werk ist äußerst umfangreich. Das Shetland-Archiv umfasst unter der Kennung D. 11/135/2 fast 150 Titel, darunter 47 Bücher, von denen das 1868 veröffentlichte Lichens from the Old Rock, ein Gedichtband, das erste war.[1]
Saxby fühlte sich in ihren Schriften eindeutig zu den Ideologien des Britischen Empires und des Grenzlands hingezogen. Eine ihrer Spezialitäten waren Bücher für Jungen, wie The Lads of Lunda (1887) oder Liebesromane für Frauen. Dazu schrieb sie auch in der Zeitschrift Boy’’s Own Paper. Mit den beiden Schriftstellerinnen Annie Swan und Robina F. Hardy veröffentlichte sie eine Sammlung von Kindergedichten und Kurzgeschichten mit dem Titel Vita Vinctis, Life to Those That are Bound (1887). Sie interessierte sich auch sehr für die Folklore der Wikinger, der Shetlandinseln und die Naturwissenschaften. Die Romane Daala Mist: Stories of Shetland (1876) und Sallie’s Boy (1890) sind Beispiele für Saxbys Schriften über die Folklore der Shetlandinseln.[5]
Saxby schrieb zahlreiche Artikel, Gedichte und Kurzgeschichten für Zeitschriften. Saxby reiste viel und fühlte sich besonders zum Nordwesten Kanadas hingezogen. Zu ihren in Zeitschriften veröffentlichten Kanada-Texten gehören Heathens from Home (1892), ein Reisebericht über eine Reise nach Vancouver Island, Dominion Day (1891) über den kanadischen Nationalfeiertag, The Last of the Sea King (1891), eine Geschichte über den verstorbenen Kapitän Lindall der RMS Vancouver, und Pi-a-Pot’s Reserve (1891) über einen kanadischen Indianerhäuptling.[5]
Saxby war befreundet mit der Reiseschriftstellerin Isabella Bishop und Joseph Bell, der Arthur Conan Doyle als Inspiration für seine Figur Sherlock Holmes diente. Letzteren würdigte sie 1913 mit dem Buch Joseph Bell, an appreciation by an old friend.[5]
Saxbys Ansichten zum Frauenwahlrecht waren teilweise widersprüchlich; sie war Mitglied der Edinburgh Women’s Liberal Association, glaubte jedoch, dass in der Politik nur die Stimmen der Männer Gehör finden sollten.[5]
Saxby wurde 98 Jahre alt und nach ihrem Tod im Familiengrab auf Halligarth beigesetzt.[1] Das Gut in Unst wurde vom National Trust for Scotland erworben, auch der Shetland Amenity Trust verwahrt Archivbestände zu Saxby.[5]
Werke (Auswahl)
- Lichens from the old rock. William P. Nimmo, Edinburgh 1868 (archive.org).
- Geordie Roye, or, A waif from the Greyfriars Wynd. John S. Marr & Sons, Glasgow 1879 (ufl.edu).
- Breakers Ahead; or, Uncle Jack's stories of great shipwrecks of recent times: 1869 to 1880. Nelson & Sons, London 1882 (archive.org).
- Snow dreams, or, Funny fancies for little folks. Johnstone, Hunter & Co., Edinburgh 1882 (ufl.edu).
- Mit Rev. Biot Edmondston: The Home of a Naturalist. Nisbet & Co., London 1888 (archive.org – Einige der Artikel in diesem Buch wurden zuvor in Zeitschriften wie Chamber’s Journal und The Leisure Hour veröffentlicht. Die Texte, die abwechselnd von Jessie Saxby und ihrem Bruder verfasst wurden, sind zum Teil Erinnerungen an ihre Kindheit auf Unst und an ihren Vater und Großvater. Laut einer bibliografischen Untersuchung aus dem Jahr 1979 ist das Buch „eines der besten älteren Werke über Shetland“.[6]).
- West-Nor'West. Nisbet & Co., London 1890 (archive.org).
- Viking-Boys. Nisbet & Co., Londo 1892 (gutenberg.org).
- Birds of omen in Shetland (Inaugural address to the Viking club, London, October 13, 1892). Privater Druck, London 1892 (hathitrust.org – MIt volkskundlichen Anmerkungen zu Raben und Eulen von William Alexander Clouston).
- Shetland traditional lore. Grant & Murray, Edinburgh 1932.
Einzelnachweise
- ↑ a b c d e f g Brian Smith: Saxby, Jessie Margaret Edmondston (1842–1940). In: H. C. G. Matthew und Brian Harrison (Hrsg.): Oxford Dictionary of National Biography. Oxford 23. September 2004, doi:10.1093/ref:odnb/55498.
- ↑ a b Elizabeth Ewan, Sue Innes, Siân Reynolds und Rose Pipes (Hrsg.): The Biographical Dictionary of Scottish Women: From the Earliest Times to 2004. Edinburgh University Press, Edinburgh 2007, ISBN 978-0-7486-2660-1, S. 313.
- ↑ D. E. Allen: Edmondston, Thomas (1825–1846). In: H. C. G. Matthew und Brian Harrison (Hrsg.): Oxford Dictionary of National Biography. Oxford 23. September 2004, doi:10.1093/ref:odnb/8495.
- ↑ a b B. B. Woodward und Patrick Wallis: Saxby, Henry Linckmyer (1836–1873). In: H. C. G. Matthew und Brian Harrison (Hrsg.): Oxford Dictionary of National Biography. Oxford 23. September 2004, doi:10.1093/ref:odnb/24757.
- ↑ a b c d e Lois Burke: Jessie Saxby. Scottish Women Writers on the Web, abgerufen am 9. Dezember 2025.
- ↑ Robert J. Theodoratus: The Shetland Islands: A Bibliographic Survey of Printed Material on Ethnography, Folk Life, Folklore and Local History. In: Cross-Cultural Research. Band 14, Nr. 3, 1. August 1979, S. 159–187, doi:10.1177/106939717901400301.