Jesse B. Foerster
Jesse B. Foerster (* 22. August 1970 in Frankfurt am Main) ist ein deutsch-amerikanisch-japanischer Musikproduzent, Labelgründer, DJ und Fotokünstler. Bekannt wurde er in den 1990er Jahren als Gründer des Labels Overdose, das mit internationalen Clubveröffentlichungen Chartplatzierungen erreichte.[1] Seit den 2000er Jahren widmet er sich verstärkt Fotografie, Kunst und Werbung. Er ist ein Enkel von Willy Rudolf Foerster, einem deutschen Unternehmer in Japan, der während der Zeit des Nationalsozialismus verfolgten Juden zur Flucht verhalf.[2]
Leben
Foerster wurde 1970 in Frankfurt am Main geboren und wuchs in einer Künstlerfamilie mit amerikanisch-japanischen und deutschen Wurzeln auf. Ende der 1970er Jahre zog er mit seiner Familie nach Miami; längere Aufenthalte mit seiner Mutter im New Yorker Künstlerviertel SoHo brachten ihn früh in Kontakt mit der noch jungen Hip-Hop- und Breakdance-Bewegung.[1] 1982 begann er auf den Straßen New Yorks mit Breakdance und zählte durch seine Reisen zwischen den USA und Deutschland schon bald zu den Pionieren dieser Szene in Europa.[1]
Seinen ersten Auftritt als DJ hatte er 1985 auf einem Schulcampus. Ab 1986 legte er regelmäßig in GI-Clubs der US-Armee, in wechselnden Nachtclubs und auf europäischen Hip-Hop-Jams auf.[1] Dort entwickelte er den Ruf, neue Musiktitel frühzeitig zu entdecken, für Plattenfirmen wie CBS oder BMG zu testen und beim Publikum zu platzieren.[1]
Ab 1987 war Foerster nach seiner endgültigen Rückkehr nach Deutschland fester Bestandteil der Frankfurter Musik- und Clubszene, die maßgeblich von der amerikanischen GI-Kultur beeinflusst war. Er trat weiterhin als Breakdancer in europäischen Metropolen auf. 1986/87 gründete er in Frankfurt die Breakdance-Crew Jesses Move, die er bis Anfang der 1990er Jahre leitete. Nach seiner Zeit übernahm DJ Double D die Gruppe, die noch viele Jahre auf Hip-Hop-Jams in Deutschland aktiv blieb. Anschließend sammelte er erste Erfahrungen als Produzent und Bandmanager seiner Gruppe Next Generation, die mehrere Platten veröffentlichte.[1]
Musikproduktion und Labelarbeit
1993 gründete Foerster gemeinsam mit Bernd Breiter das Label Overdose, das sich dank internationaler Kontakte rasch weltweit etablierte.[1] In den folgenden Jahren entstanden weitere Labels wie Massive, Made in Frankfurt und Pulse. 1996 wurden die Aktivitäten gebündelt, sodass bis zu sieben Labels parallel betrieben wurden und jährlich bis zu 60 Veröffentlichungen erschienen. Overdose wurde Teil von Intercord und später von EMI Music Deutschland. 2001 wurde das Label von den Deutschen Dance Charts (DDC) in Hamburg als zweitbestes deutsches Dance-Label ausgezeichnet.[1]
Mit Künstlern wie DJ Scot Project, DJ Sakin & Friends oder dem mit Schulfreunden gegründeten Projekt Hypetraxx erreichte Foerster internationale Chartplatzierungen in Europa sowie in weltweiten Clubcharts.[3] Zahlreiche Veröffentlichungen erhielten Gold- und Platin-Auszeichnungen in Deutschland, England, Dänemark und weiteren europäischen Ländern.[1] Darüber hinaus arbeitete er mit Künstlern wie Afrika Islam, Nina Hagen, Vanessa-Mae, Tyree Cooper, H.P. Baxxter oder Sabrina Setlur zusammen und veröffentlichte Produktionen und Remixe mit Malcolm McLaren, Turbo B. (Snap!) und Magic Affair. Unter Pseudonymen wie Major North oder Ugly Kid Jay brachte Foerster auch Solo-Produktionen heraus; mit Major North – Annihilate erreichte er die Top 20 der US Billboard Club Charts sowie diverse europäische Clubcharts.[3]
Übergang zu Fotografie und Kunst
Mit dem Strukturwandel der Musikindustrie zu Beginn der 2000er Jahre verlagerte Foerster seinen Schwerpunkt auf Fotografie, Werbung und Medienberatung. 2004 gründete er das Unternehmen 7Lux Media und arbeitete in den Folgejahren für Verlage, Medienhäuser und Industrieunternehmen.[1] Aufbauend auf Erfahrungen aus Musikvideos, Fotografie und der Gestaltung hunderter Plattencover widmete er sich in den letzten Jahren zunehmend der künstlerischen Fotografie und der Erschaffung von Bildserien, die er zur Veröffentlichung vorbereitet.[4]
Weblinks
- Offizielle Website
- Musikwoche-Profil
- Discogs-Profil
- IMDb-Profil
- Podcast: Drei Leben mit Jesse Boris Foerster
Einzelnachweise
- ↑ a b c d e f g h i j Musikwoche – Personendatenbank Jesse B. Foerster. Abgerufen am 20. Oktober 2025.
- ↑ Freie Presse – „Das Gedenken an den ›Oskar Schindler von Reichenbach‹ bekommt Namen und Gesicht“, 13. Februar 2024. Abgerufen am 20. Oktober 2025.
- ↑ a b Jesse B. Foerster auf Discogs. Abgerufen am 20. Oktober 2025.
- ↑ JesseFoerster.com – Bio. Abgerufen am 20. Oktober 2025.