Jeremy C. Stein

Jeremy C. Stein (* 17. Oktober 1960 in Chicago) ist ein US-amerikanischer Wirtschaftswissenschaftler. Neben seiner akademischen Tätigkeit war er zwischen 2012 und 2014 Mitglied des Federal Reserve Board of Governors.

Werdegang, Forschung und Lehre

Stein studierte Wirtschaftswissenschaft an der Princeton University, sein Bachelorstudium schloss er 1983 mit summa cum laude ab. Anschließend wechselte er zum Ph.D.-Studium ans Massachusetts Institute of Technology, dort graduierte er 1986 beim späteren Wirtschaftsnobelpreisträger Oliver Hart. Nach kurzer Zeit bei Goldman Sachs kehrte er ab Juli 1987 als Assistant Professor für Finanzwesen an der Harvard Business School in den akademischen Betrieb zurück. 1990 ging er zurück ans MIT, um als Associate Professor an der MIT Sloan School of Management zu forschen und lehren. Im Juli 1994 wurde er dort zum ordentlichen Professor berufen. 2000 folgte er einem Ruf der Harvard University, an der er 2005 einem von Moise Safra, dem Mitbegründer der Banco Safra, finanzierten Lehrstuhl übernahm.

Nachdem Barack Obama Stein im Dezember 2011 für das Federal Reserve Board of Governors vorgeschlagen hatte, wurde er gemeinsam mit Jerome Powell im Mai 2012 vom Senat der Vereinigten Staaten gewählt.[1] Bereits als Student war er 1985 als Praktikant für das Federal Reserve Board tätig gewesen, zudem war er Gastscholar im Sommer 1990. Anfang April 2014 verkündete er seinen vorzeitigen Abschied, um nach Harvard zurückzukehren.[2][3] Ende Mai schied er aus dem Board aus, um ab Juni wieder den Moise-Y.-Safra-Lehrstuhl zu übernehmen. Zwischen 2018 und 2021 leitete er als Dekan die wirtschaftswissenschaftliche Fakultät.

Im Mittelpunkt der Arbeit Steins stehen insbesondere Fragestellungen zu Verhaltensökonomik mit Fokus auf das Finanzwesen und -entscheidungen („behavioral finance“), Corporate Finance, Markteffizienz, Geldpolitik und Finanzregulierung. Er gehört zu den meistzitierten Wirtschaftswissenschaftlern.[4] Zudem wurden er und seine Arbeiten mehrfach ausgezeichnet, unter anderem erhielt er den Fama-DFA-Preis.

Stein ist seit 1991 Research Associate am National Bureau of Economic Research. Er ist Mitglied der American Finance Association, deren Präsident er 2008 war. Im selben Jahr wurde er als Fellow in die American Academy of Arts and Sciences aufgenommen, sein 2013 ist er Fellow der Econometric Society.

Stein nahm verschiedene Rollen in der Herausgeberschaft wissenschaftlicher Periodika wahr, unter anderem war er Mitherausgeber des Journal of Economic Perspectives (2007–2009) und des Quarterly Journal of Economics (2011–2012). Zudem war er Associate Editor unter anderem beim Journal of Financial Economics, The Journal of Finance und vor und nach seiner Mitherausgeberschaft beim Quarterly Journal of Economics.

Steins Vater Elias Stein war ein belgisch-stämmiger Mathematiker, der sich mit Analysis beschäftigte und als führender Mathematiker auf dem Gebiet der Harmonischen Analysis galt. 1999 erhielt er den Wolf-Preis und 2002 die National Medal of Science.

Einzelnachweise

  1. reuters.com: „Senate votes put Fed board at full strength“ (abgerufen am 10. Oktober 2025)
  2. Schreiben vom 3. April 2014 an Barack Obama (abgerufen am 10. Oktober 2025)
  3. marketwatch.com: „Jeremy Stein to resign from Federal Reserve“ (abgerufen am 10. Oktober 2025)
  4. repec.org: „Top 10% Authors, as of August 2025“ (abgerufen am 10. Oktober 2025)