Jeremy (Lied)

Jeremy
Pearl Jam
Veröffentlichung 27. August 1991 (Album)
17. August 1992
Länge 5:18 (Albumversion)
4:46 (Singleversion)
Genre(s) Grunge
Text Eddie Vedder
Musik Jeff Ament
Produktion Jeff Ament, Stone Gossard, Dave Krusen, Mike McCready, Rick Parashar, Eddie Vedder
Label Epic Records
Album Ten

Jeremy ist ein Lied der US-amerikanischen Grunge-Band Pearl Jam aus dem Jahr 1991, das im Folgejahr als dritte Single aus ihrem ersten Studioalbum Ten ausgekoppelt wurde. Das dazugehörige Musikvideo gewann vier MTV Video Music Awards.

Entstehung und Veröffentlichung

Das Lied wurde von den beiden Pearl-Jam-Mitgliedern Jeff Ament und Eddie Vedder geschrieben, wobei Ament für die Komposition und Vedder für den Text verantwortlich war.[1] Für Produktion zeichneten alle Pearl-Jam-Mitglieder, zusammen mit Rick Parashar, verantwortlich.[2] Parashar war zudem für Teile der Instrumentierung zuständig, er spielte bei dem Lied die Hammondorgel und steuerte die Perkussion bei. Darüber hinaus wurde Walter Gray am Cello engagiert. Tim Palmer mischte das Lied, während Bob Ludwig das Mastering übernahm.

Die Erstveröffentlichung von Jeremy erfolgte am 27. August 1991 bei Epic Records, als Teil von Pearl Jams Debütalbum Ten (Katalognummer: ZK 47857). Am 17. August des Folgejahres erschien das Lied als dritte Singleauskopplung aus dem Album. Diese erschien als CD-Maxi-Single mit einer Liveversion zu Footsteps vom Rockline am 11. Mai 1992 sowie dem Titel Yellow Ledbetter als B-Seiten (Katalognummer: 658180-2).[2]

Inhalt

Jeremy ist ein Grungetitel mit englischsprachigem Text, dessen Albumversion 5:18 Minuten umfasst, während die Singleversion 4:46 Minuten lang ist. Die Musik wurde in der Tonart D-Dur mit 109 Schlägen pro Minute komponiert.[3] Inhaltlich wurde es von zwei wahren Ereignissen inspiriert. Hauptsächlich bezieht sich das Lied auf den damals 15-jährigen Schüler Jeremy Wade Delle aus Richardson im US-Bundesstaat Texas, der sich am 8. Januar 1991 während einer Englischstunde vor den Augen seiner Klassenkameraden und seiner Lehrerin erschoss. Delle wurde von seinen Mitschülern als „sehr still“ und „traurig“ beschrieben. Nachdem er zu spät zum Unterricht erschienen war, musste er erst zum Rektorat gehen, um sich die Erlaubnis zu holen, am Unterricht teilnehmen zu dürfen. Bei seiner Rückkehr stellte er sich vor die Klasse und sagte zu seiner Lehrerin: „Ich habe bekommen, was ich wirklich wollte“. Daraufhin steckte er sich den Lauf eines Revolvers in den Mund und drückte ab, bevor irgendjemand reagieren konnte.[4][5] Sänger Eddie Vedder las einen Zeitungsartikel über den Vorfall.

„Das Lied kam von einem kleinen Absatz in einer Zeitung, was bedeutet, dass du dich selbst umbringst und ein großes Opfer gibst, um Rache zu nehmen. Am Ende bleibt von dir nur ein kleiner Absatz in einer Zeitung. Bewölkte 64 Grad Fahrenheit in einem Vorort. Dies ist der Anfang und das Ende vom Video. Es verändert nichts. Die Welt dreht sich und du bist gegangen. Die beste Rache ist es, weiter zu leben und dich zu beweisen. Sei stärker als diese Menschen. Und dann kannst du zurückkommen.“

Eddie Vedder[6]

Eddie Vedder erklärte in einem anderen Interview, dass er selbst während seiner Zeit an der High School in San Diego miterlebte, wie ein Schüler in einem Klassenzimmer um sich geschossen hat. Mit dem Schüler hatte Vedder ein paar Mal Streit gehabt. Die Hauptinspiration zu dem Lied käme jedoch von Jeremy Wade Delle.[5]

Musikvideo

Für das Lied existieren zwei Musikvideos. Die ursprüngliche Version entstand mit dem Fotografen Chris Cuffaro. Da die Plattenfirma von Pearl Jam zum damaligen Zeitpunkt nicht die Absicht hatte, Jeremy als Single zu veröffentlichten, konnte sich Cuffaro aussuchen, für welches Lied des Albums er ein Musikvideo drehen wollte. Epic Records stellte ihm jedoch kein Budget zur Verfügung, so dass Cuffaro das Video selbst finanzieren musste. Gedreht wurde das Video in einem Lagerhaus am Pico Boulevard in Los Angeles, wo die Band auf einer sich drehenden Bühne spielt. Jeremy wurde vom Schauspieler Eric Schubert gespielt. Das Video wurde von MTV und Epic Records abgelehnt.[5]

Später entschied sich Epic Records, das Lied doch als Single zu veröffentlichen. Es wurde ein zweites Video gedreht, bei dem Mark Pellington Regie führte. Die Szenen im Klassenzimmer wurden in der Bayonne High School in New Jersey gedreht. Von der Band ist Sänger Eddie Vedder mehrfach in Nahaufnahme zu sehen, während die anderen Bandmitglieder nur kurz erscheinen. Jeremy ist die einzige Person in dem Video, die sich bewegt, während alle anderen Personen wie eingefroren erscheinen. In dem Video wird gezeigt, wie Jeremy von seinen Klassenkameraden gehänselt wird. Jeremy schreit seine Eltern am Esstisch an und läuft später durch einen Wald, wo er seine Wut an Bäumen auslässt. In der finalen Szene geht Jeremy in seine Klasse und wirft seiner Lehrerin einen Apfel zu. Dann stellt er sich vor seine Mitschüler und erschießt sich. Am Ende sind seine blutverschmierten Klassenkameraden zu sehen.

Die Selbstmordszene des Videos sorgte für eine Kontroverse. In der Originalversion ist zu sehen, wie Jeremy die Pistole in seinem Mund steckt. Diese Version wollte MTV jedoch nicht zeigen. Stattdessen wurde die Waffe ausgeblendet und eine Nahaufnahme vom Jeremys Gesicht gezeigt. Dies führte jedoch zu der Missinterpretation, dass Jeremy seine Mitschüler erschossen habe statt sich selbst.[7] Jeremy wurde vom damals 12-jährigen Trevor Wilson gespielt, der im Jahre 2016 während eines Urlaubs in Puerto Rico ertrank.[8]

Rezeption

Rezensionen

Chris True vom Onlinemagazin Allmusic schrieb, dass Jeremy die Band „vom Seattle-Sound in den Rock-Adel gebracht hat“. Das Lied wäre „wahrscheinlich das ernsteste Werk der Band und eine ihrer erfolgreichsten Singles“. Theresa Locker vom Onlinemagazin laut.de bezeichnete Jeremy als einen der Smashhits der 90er Jahre.[9] Björn Springorum vom Onlinemagazin The Circle beschrieb Jeremy als „aufrüttelnde, fast schon impressionistische Charakterstudie der amerikanischen Jugend“.[10]

Bestenlisten und Preise

Jeremy wurde bei den Grammy Awards 1993 in den Kategorien Best Hard Rock Performance und Best Rock Song nominiert. Bei den MTV Video Music Awards 1993 wurde das Video in den Kategorien Video des Jahres, Bestes Video einer Band, Bestes Metal/Hard Rock Video und Beste Regie ausgezeichnet.[11]

Das britische Magazin Kerrang führte Jeremy auf Platz vier der Liste der „20 besten Pearl-Jam-Titel“.[12]

Kommerzieller Erfolg

Chartplatzierungen

ChartsChart­plat­zie­rungenHöchst­platzie­rungWo­chen
 Deutschland (GfK)[13]93 (1 Wo.)1
 Vereinigte Staaten (Billboard)[14]79 (9 Wo.)9
 Vereinigtes Königreich (OCC)[15]15 (4 Wo.)4

Auszeichnungen für Musikverkäufe

Land/Region Aus­zeich­nung­en für Mu­sik­ver­käu­fe
(Land/Region, Aus­zeich­nung, Ver­käu­fe)
Ver­käu­fe
 Australien (ARIA) Gold35.000
 Brasilien (PMB) Gold30.000
 Neuseeland (RMNZ) 3× Platin30.000
 Vereinigte Staaten (RIAA) Gold500.000
 Vereinigtes Königreich (BPI) Silber200.000
Insgesamt 1× Silber
3× Gold
3× Platin
795.000

Hauptartikel: Pearl Jam/Auszeichnungen für Musikverkäufe

Einzelnachweise

  1. Repertoiresuche. In: online.gema.de. GEMA, abgerufen am 12. Oktober 2025.
  2. a b Pearl Jam – Jeremy. In: austriancharts.at. Hung Medien, abgerufen am 12. Oktober 2025.
  3. Pearl Jam – Jeremy. In: Tunebat.com. Abgerufen am 12. Oktober 2025 (englisch).
  4. Bobbi Miller & Annette Nevins: Richardson teen-ager kills himself in front of classmates. The Dallas Morning News, abgerufen am 12. Oktober 2025 (englisch).
  5. a b c Christof Leim: Zeitsprung: Am 8.1.1991 tötet sich ein Teenager selbst. Pearl Jam schreiben den Song „Jeremy“ darüber. The Circle, abgerufen am 12. Oktober 2025.
  6. Rockline Interview 10/18/93. KISW-FM, abgerufen am 12. Oktober 2025 (englisch).
  7. Eric Weisbard: Ten past ten. Spin, abgerufen am 12. Oktober 2025 (englisch).
  8. Gil Kaufman: Pearl Jam’s Jeremy: The untold storm of video star Trevor Wilson’s fascinating life & tragic death. Billboard, abgerufen am 12. Oktober 2025 (englisch).
  9. Theresa Locker: Pearl Jam – Ten. laut.de, abgerufen am 11. Oktober 2025.
  10. Björn Springorum: 1991 läuten Pearl Jam mit „Ten“ das Grunge-Superwahljahr ein. The Circle, abgerufen am 11. Oktober 2025.
  11. 1993 MTV Video Music Awards. Rock on the Net, abgerufen am 12. Oktober 2025 (englisch).
  12. Sam Law: The 20 greatest Pearl Jam songs – ranked. Kerrang, abgerufen am 11. Oktober 2025 (englisch).
  13. Pearl Jam – Jeremy. In: offiziellecharts.de. GfK Entertainment, abgerufen am 12. Oktober 2025.
  14. Pearl Jam. In: billboard.com. Billboard, abgerufen am 12. Oktober 2025 (englisch).
  15. Pearl Jam – Jeremy. In: officialcharts.com. Official Charts Company, abgerufen am 12. Oktober 2025 (englisch).