Jens Als-Nielsen
Jens Aage Als-Nielsen (* 21. Januar 1937 in Silkeborg) ist ein dänischer Physiker, emeritierter Professor der Universität Kopenhagen und Pionier der Verwendung von Neutronen- und Röntgenstrahlung, insbesondere Synchrotronstrahlung, für Strukturuntersuchungen an kondensierter Materie.
Leben
Jens Als-Nielsen kam am 21. Januar 1937 in Silkeborg als Sohn des Arztes Aage Als-Nielsen († 1979) und dessen Frau Doris, geborene Manniche († 1985), zur Welt. 1955 begann er sein Hochschulstudium, das er 1961 als Bauingenieur abschloss. 1969 wurde er zum Dr. phil. promoviert[1] mit einer Arbeit zu Präzisionsmessungen von Phasenübergängen in Legierungen.[2]
Von 1961 bis 1995 war Als-Nielsen am Forschungszentrum Risø tätig.[2] Dort wurde er 1970 Leiter der Abteilung Festkörperphysik; von 1983 bis 1993 war er Leiter der Abteilung Physik. Von 1993 bis 1995 war er an die neu errichtete europäische Synchrotronstrahlungsquelle ESRF im französischen Grenoble entsandt. Von 1995 bis 2007 war er Professor für Experimentalphysik am Niels-Bohr-Institut der Universität Kopenhagen.[1]
Forschungsaufenthalte und Gastprofessuren führten ihn in die USA an das Brookhaven National Laboratory (1969–1970), an das Massachusetts Institute of Technology (MIT, 1976–1977) die University of California, Los Angeles (1980) und die University of California, Santa Barbara (2002).[1]
1961 heiratete Als-Nielsen die Pianistin Janne Savery (* 1938; † 1986), Tochter des Musikpädagogen Carl Maria Savery. 1990 heiratete er in zweiter Ehe Lone Dietrich.[1] Er ist Vater des Musikers Uffe Savery und der Schauspielerin Maria Savery.
Wirken
Als-Nielsen gilt als Pionier der Verwendung von Neutronen- und Röntgenstrahlung, insbesondere Synchrotronstrahlung, für Strukturuntersuchungen an Festkörpern.[2] Bereits in den frühen 1980er Jahren betrieb er an dem unmittelbar zuvor eröffneten Hamburger Synchrotronstrahlungslabor (HASYLAB) am Speicherring DORIS des Deutschen Elektronen-Synchrotrons (DESY) in Hamburg ein in Risø entwickeltes Röntgendiffraktometer zur Untersuchung flüssiger Oberflächen. In Hamburg führte er mit dem Gerät unter anderem Experimente in Kollaboration mit dem Physiker Peter Pershan von der Harvard University, dem deutschen Physikochemiker Helmuth Möhwald sowie den israelischen Chemikern Leslie Leiserowitz und Meir Lahav vom Weizmann-Institut durch.[3]
Er gehörte zu den Initiatoren des Baus der europäischen Synchrotronstrahlungsquelle ESRF in Grenoble.[2]
Im Lauf seiner Karriere war Als-Nielsen in zahlreichen Gremien und Verbänden tätig, so im Nordic Solid State Physics Committee (Nordischen Festkörperphysik-Komitee) von 1965 bis 1970, im dänischen Nationalen Komitee für Kristallographie (1966–1971), Vorsitzender der Festkörpergesellschaft (1972–1976), Sekretär des Nationalen Komitees der Internationalen Union für Reine und Angewandte Physik (1976–1983), Mitglied des Beschleunigerausschusses (1978–1983, 1990–1993), und des Synchrotronstrahlungs-Komitees der European Science Foundation (ab 1978). 1981 bis 1983 war er Präsident der Dänischen Physikalischen Gesellschaft, 1981–1989 Mitglied des Erweiterten Wissenschaftlichen Rates von DESY, 1988–1992 Vorsitzender des Wissenschaftlichen Beirats der ESRF. 1990–1995 und 2007–2009 gehörte er dem Begutachtungsgremium für Strahlzeitanträge an der Synchrotronstrahlungsquelle APS am Argonne National Laboratory an, von 1997 bis 2004 dem Science Policy Committee der Forschungsanlage Stanford Linear Accelerator Center (SLAC) an der Stanford University.[1]
Von 1979 bis 1983 gehörte er dem Editorial Board der Fachzeitschrift Journal of Physics F an.[1] Gemeinsam mit dem Physiker Des McMorrow vom University College London ist Als-Nielsen Autor des Lehrbuchs Elements of Modern X-ray Physics, das 2001 in erster[4] und 2011 in zweiter Auflage erschien.
Ehrungen und Auszeichnungen
Als-Nielsen ist seit 1981 Mitglied der Königlich Dänischen Akademie der Wissenschaften und seit 1983 der Akademiet for de Tekniske Videnskaber. 1985 erhielt er den Hewlett-Packard-Europhysics-Preis.[5] Seit 1996 ist er Mitglied der Norwegischen Akademie der Wissenschaften.[6] 2011 wurde er mit dem Ehrenpreis der Velux Fonden ausgezeichnet.[2]
Veröffentlichungen
- Jens Als-Nielsen, Des McMorrow: Elements of Modern X-Ray Physics. 2. Auflage. John Wiley & Sons, Chichester 2011, ISBN 978-0-470-97395-0 (englisch, 448 S.).
Einzelnachweise
- ↑ a b c d e f Jens Als-Nielsen. In: Kraks Blå Bog (online). Abgerufen am 11. Oktober 2025 (dänisch).
- ↑ a b c d e Jørgen Kjems: Jens Aage Als-Nielsen. In: Den Store Danske Encyklopædi (online). 1. Oktober 2024, abgerufen am 14. Oktober 2025 (dänisch).
- ↑ Jens Als-Nielsen: 2021 Wolf Prize and Synchrotron X-Ray Radiation – How it Started. In: Israel Journal of Chemistry. 7. September 2021, doi:10.1002/ijch.202100041 (englisch).
- ↑ A. Michette: Elements of Modern X-ray Physics. By J. Als-Nielsen and D. McMorrow. In: Contemporary Physics. Band 43, Nr. 4, 2002, S. 314–315, doi:10.1080/00107510210139532 (englisch, Buchrezension).
- ↑ EPS 1985 Hewlett-Packard Europhysics Prize. In: Europhysics News. Band 16, Nr. 4, 1985, S. 11 (europhysicsnews.org [PDF]).
- ↑ Utenlandske medlemmer. Norwegische Akademie der Wissenschaften, archiviert vom (nicht mehr online verfügbar) am 15. Juli 2007; abgerufen am 14. Oktober 2025 (norwegisch).