Jens-Peter Bonde
Jens-Peter Bonde (* 27. März 1948 in Aabenraa; † 4. April 2021 in Frederiksværk[1]) war ein dänischer Politiker der EU-skeptischen Folkebevægelsen mod EU bzw. Junibevægelsen. Er war von 1979 bis 2008 Mitglied des Europäischen Parlaments und dort mehrmals Vorsitzender euroskeptischer Fraktionen.
Leben und Wirken
Bonde studierte von 1966 bis 1974 Politologie an der Universität Aarhus. Er begann seine politische Tätigkeit 1966 in der sozialliberalen Partei Det Radikale Venstre (RV), deren Jugendorganisation Radikal Ungdom er 1971–72 vorstand. Im Vorfeld der Volksabstimmung über den Beitritt Dänemarks zur Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft (EWG), bei der RV für ein „ja“ eintrat, verließ er die Partei und gehörte zu den Mitbegründern der Folkebevægelsen mod dansk medlemskab af EF („Volksbewegung gegen die Mitgliedschaft Dänemarks in der EG“), die sich später in Folkebevægelsen mod EU („Volksbewegung gegen die EU“) umbenannte. Seit 1975 war er außerdem Mitglied der Kommunistischen Partei Dänemarks (DKP).
Bei der ersten direkten Europawahl 1979 wurde die Volksbewegung zweitstärkste Kraft und Bonde zog als einer von vier Abgeordneten in das Europäische Parlament ein, dem er während der folgenden sechs Wahlperioden bis zu seiner Mandatsniederlegung 2008 angehörte. Da die Volksbewegung gegen die EG zu keiner der europäischen Parteienfamilien gehörte, saß Bonde in der Fraktion für die technische Koordinierung und Verteidigung der unabhängigen Gruppen und Abgeordneten (1979–1984), dann in der Regenbogen-Fraktion (1984–1994).
Bei der Folketingswahl 1990 kandidierte er für die linksradikale Enhedslisten. Im Jahr 1992 verließ er Folkebevægelsen und DKP und hob die Junibevægelsen mit aus der Taufe, eine ebenfalls EU-kritische Bewegung, deren Name sich von der dänischen Volksabstimmung zum Vertrag von Maastricht im Juni 1992 ableitete. Gemeinsam mit der anderen Abgeordneten der Junibewegung, Ulla Sandbæk, sowie den beiden verbliebenen Abgeordneten der Folkebevægelsen mod EU saß Bonde in der Legislaturperiode 1994–1999 in der Fraktion Europa der Nationen.
Im Europäischen Parlament hatte Bonde folgende Leitungsfunktionen inne:
- 1992–1994 Vorsitzender der Delegation für Beziehungen der EU zu Island
- Vize-Vorsitzender (1994–1997) und Vorsitzender (1997–1999) der Fraktion der Unabhängigen für das Europa der Nationen (I-EDN)
- 1999–2004 Vorsitzender der Fraktion für ein Europa der Demokratien und der Unterschiede
- 2004–2008 Ko-Vorsitzender (gemeinsam mit Nigel Farage) der Fraktion Unabhängigkeit und Demokratie (Ind/Dem)
Im Jahr 2008 zog er sich nach 29 Jahren im Europaparlament aus der aktiven Politik zurück. Hanne Dahl rückte für ihn nach.
Bonde war ein prominenter Kritiker der Politik europäischer Institutionen. Er trat regelmäßig in den Medien auf, um Entscheidungen der EU zu kommentieren. Bonde veröffentlichte zahlreiche Bücher über die EU, unter anderem allgemeinverständliche Behandlungen zu den EU-Verträgen. Vor der EU-Erweiterung 2004 arbeitete er an Übersetzungen der EU-Verträge in die Sprachen der neu hinzukommenden Mitgliedsstaaten.
Weblinks
- Jens-Peter Bonde in der Abgeordnetendatenbank des Europäischen Parlaments
- VoteWatch.eu: Abstimmungsverhalten von Jens-Peter Bonde im Europäischen Parlament (auf Englisch)
Einzelnachweise
- ↑ EU-modstanderen Jens-Peter Bonde er død. In: politiken.dk. 5. April 2021, abgerufen am 5. April 2021 (dänisch).