Jelena Abdulajewna Changa

Jelena Abdulajewna Changa (russisch Елена Абдулаевна Ханга; * 1962 in Moskau) ist eine russische Journalistin, Fernsehmoderatorin und Autorin.[1] Sie wurde in den Jahren 1997 bis 2000 als Gastgeberin des NTW-Talkformats Pro eto (Про это, „Darüber“) bekannt.[2] Ab 2001 moderierte sie zudem die werktägliche Gesprächssendung Prinzip domino (Принцип домино) auf NTW.[3]

Leben

Changa wurde 1962 in Moskau geboren und ist dort aufgewachsen.[1] Nach dem Schulbesuch schloss sie 1984 ein Journalistikstudium an der Lomonossow-Universität Moskau ab.[1] Von 1984 bis 1990 arbeitete sie als Korrespondentin der englischsprachigen Zeitung The Moscow News (Московские новости).[4] Im Jahr 1987 kam sie im Rahmen eines dreimonatigen Austauschprogramms der Moscow News mit dem US-Blatt The Christian Science Monitor erstmals in die Vereinigten Staaten.[5] Zeitgleich trat sie als Kommentatorin in der sowjetischen Fernsehsendung Wsgljad (Взгляд, „Der Blick“) in Erscheinung.[4] Ihre Familiengeschichte veröffentlichte sie gemeinsam mit der Journalistin Susan Jacoby im Memoir Soul to Soul (Hardcover 1992; Taschenbuch 1994) bei W. W. Norton.[6][7] Das Buch zeichnet unter anderem die Biografien ihrer Großeltern Oliver Golden (einem Afroamerikaner aus Mississippi) und Bertha Bialek (einer polnisch-jüdischen New Yorkerin) nach, die 1931 in die Sowjetunion übersiedelten, und verknüpft diese mit Changas eigener Lebensgeschichte.[6] Ihre Mutter war die Historikerin Lili (Lily) Golden, ihr Vater der Politiker Abdulla Kassim Hanga, der 1964 Premierminister Sansibars war.[5]

Wirken

In den späten 1990er-Jahren prägte Changa als Fernsehmoderatorin die postsowjetische Fernsehöffentlichkeit in Russland maßgeblich.[3] Ihr Talkformat Pro eto auf NTW lief von 1997 bis 2000 und war in Anlage und Dramaturgie an US-Talkshows wie jene von Phil Donahue und Oprah Winfrey orientiert.[2] Die Sendung griff Tabuthemen wie Sexualität, Homosexualität oder Prostitution auf und band ein Studiopublikum in die Debatten ein.[2] Ab 2001 moderierte Changa die werktägliche Publikums-Talkshow Prinzip domino (Принцип домино) auf NTW, die Alltagskonflikte und soziale Fragen aufgriff.[3] Rückblickend bezeichnete sie die 1990er-Jahre als Renaissance des russischen Fernsehens und kritisierte eine zunehmende Format-Gleichförmigkeit der Gegenwart.[3] Über ihre Bücher und öffentlichen Auftritte hinaus diskutiert Changa regelmäßig Themen wie Rassismus, Geschlechterrollen und die russisch-amerikanischen Beziehungen, die bereits in Soul to Soul ein Kernthema sind.[5][7]

Commons: Jelena Changa – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. a b c Yelena Khanga (1962-). In: BlackPast.org. 1. Juni 2010, abgerufen am 27. September 2025 (englisch).
  2. a b c Male Prostitution on "Pro eto". In: The Post-Soviet Public Sphere. Abgerufen am 27. September 2025 (englisch).
  3. a b c d «90-е были ренессансом». Елена Ханга — о кризисе ТВ и домашнем насилии. In: РБК Life. 28. März 2024, abgerufen am 27. September 2025 (russisch).
  4. a b Yelena Khanga. In: Institute of Politics, Harvard University. Abgerufen am 27. September 2025 (englisch).
  5. a b c Soul to Soul: Americans’ Discovery of Yelena Khanga and the Promise of Russian-American Relations. In: Journal of Russian American Studies. Abgerufen am 27. September 2025 (englisch).
  6. a b Soul to Soul: A Black Russian American Family, 1865–1992. In: Publishers Weekly. Abgerufen am 27. September 2025 (englisch).
  7. a b Soul to Soul. In: W. W. Norton & Company. Abgerufen am 27. September 2025 (englisch).