Jehuda Leib Maimon
Jehuda Leib Maimon (hebräisch יְהוּדָה לַייב מַימוֹן, auch Jehuda Leib HaKohen Maimon als Jehuda Leib Fischmann, geboren am 11. Dezember 1875 in Mărculești, Bessarabien, Kaiserreich Russland; gestorben am 10. Juli 1962 in Tel Aviv, Israel)[1] war ein israelischer orthodoxer Rabbiner, Politiker und Anführer der Bewegung des religiösen Zionismus im Russischen Reich, den USA und Palästina.[2]
Leben
Maimon studierte in einer Reihe von Jeschiwot in Litauen und erhielt seine Ordination als Rabbiner (Semicha) durch Rabbi Jechiel Michel Epstein, Autor des Aroch HaSchulchan (hebräisch עָרוֹךְ שֻׁלְחָן). Von 1900 bis 1905 wirkte er als Maggid in seinem Heimatort Mărculești in Bessarabien, damals Teil des Russischen Reichs. Nach einer Begegnung mit Rabbi Jizchak Jakob Reines gehörte er 1902 zu den Gründern der religiös-zionistischen Misrachi-Bewegung. Wegen zionistischer Tätigkeiten wurde Maimon im zaristischen Russland mehrmals inhaftiert. Er war Delegierter des neunten Kongresses der Zionistischen Weltorganisation im Jahre 1909 und besuchte jeden Kongress bis zur israelischen Unabhängigkeitserklärung 1948.[3]
Im Jahre 1913 machte er eine Alija nach Palästina, damals noch vom Osmanischen Reich beherrscht, wurde aber zu Beginn des Ersten Weltkriegs verhaftet und ausgewiesen. Maimon wanderte in die USA ein, wo er die Misrachi-Bewegung organisierte. Im Jahr 1919 kehrte er nach Palästina zurück, das nun als Völkerbundsmandat unter britischer Verwaltung stand. Er wurde dort Leiter des HaMisrachi, und zusammen mit Abraham Isaak Kook half er, 1921 das Oberrabbinat Israels (HaRabanut haReschit leJisra'el, hebräisch הרַבָּנוּת הרֵאשִׁית ליִשְׂרָאֵל) zu gründen.
Maimon wurde 1935 in den Vorstand der Jewish Agency gewählt. 1937 gründete er Mossad HaRaw Kook (hebräisch מוֹסָד הרַב קוק; Rabbi Kook Institut),[4] eine religiöse Forschungseinrichtung und bemerkenswertes Verlagshaus, das zu Ehren des Abraham Isaak Kook benannt wurde. Er sprach sich für das Recht jedes Juden aus, zur Selbstverteidigung und Verteidigung jüdischer Interessen in Eretz Israel Waffen zu tragen. Maimon zeigte Verständnis für militante revisionistisch-zionistische Gruppen wie Irgun Zwai Leumi (Etzel) und Lechi, die – entgegen der offiziellen Politik der Jischuv-Führung – mit Gewalt gegen die britische Mandatsverwaltung sowie gegen arabische Palästinenser und für einen unbegrenzten Zuzug von Juden nach Palästina kämpften. Er kritisierte, als die Hagana (größte zionistische paramilitärische Organisation und Vorläuferin der Israelischen Verteidigungsstreitkräfte) 1944–45 versuchte, Etzel zu entwaffnen.[5] Mit anderen Führungskräften der Jewish Agency wurde Maimon 1946 von der britischen Mandatsmacht im Tegart-Fort Latrun inhaftiert.[3]
Er half 1948, die Israelische Unabhängigkeitserklärung zu entwerfen und war einer der Unterzeichner. In der anschließend gebildeten provisorischen Regierung,[6] war er ab dem 14. Mai 1948 Religionsminister und Minister für Kriegsopfer. Als einer der Anführer der Vereinigten Religiösen Front ging Maimon nach der ersten Knessetwahl 1949 eine Koalition mit der säkularen, linkszionistischen Arbeiterpartei Mapai unter David Ben-Gurion ein. Im ersten[7] und zweiten Regierungskabinett[8] Ben-Gurions behielt er seinen Posten als Religions- und Veteranenminister bis zum 8. Oktober 1951. Mit seinem Vorschlag, einen Sanhedrin (Hohen Rat) als höchster religiöser Instanz der Juden in Israel einzurichten, konnte er sich auch in religiösen Kreisen nicht durchsetzen.[5]
Nach seinem Rückzug aus der Politik war Maimon mit jüdischen Publikationen beschäftigt und wurde 1958 mit dem Israel-Preis in Rabbinischer Literatur ausgezeichnet.[9]
Literatur
- Maimon, Yehuda Leib, in: Yaacov Shimoni: Biographical dictionary of the Middle East. New York: Facts on File, 1991, S. 152f.
Weblinks
- Yehuda Leib Maimon auf der Webseite der Knesset (englisch)
Einzelnachweise
- ↑ John F. Oppenheimer (Red.) u. a.: Lexikon des Judentums. 2. Auflage. Bertelsmann Lexikon Verlag, Gütersloh u. a. 1971, ISBN 3-570-05964-2, Sp. 457.
- ↑ Yehuda Leib Maimon auf der Webseite der Knesset, abgerufen am 30. Januar 2025 (englisch)
- ↑ a b Yehuda Leib Maimon: Public Activities auf der Webseite der Knesset, abgerufen am 30. Januar 2025 (englisch)
- ↑ About ( vom 21. Dezember 2012 im Internet Archive) Mossad HaRav Kook
- ↑ a b Judah Leib (Fishman) Maimon, in: Jewish Virtual Library, American-Israeli Cooperative Enterprise.
- ↑ Provisional Government. In: Governments of Israel. Knesset, abgerufen am 3. Februar 2014 (englisch).
- ↑ Government 1. In: Governments of Israel. Knesset, abgerufen am 3. Februar 2014 (englisch).
- ↑ Government 2. In: Governments of Israel. Knesset, abgerufen am 3. Februar 2014 (englisch).
- ↑ Israel Prize recipients in 1958 (in Hebrew). Israel Prize Official Site, abgerufen am 22. September 2013 (englisch).