Jeannette Jara
Jeannette Alejandra Jara Román (* 23. April 1974 in Conchalí, Santiago de Chile) ist eine chilenische Politikerin (Partido Comunista de Chile). Von 2022 bis 2025 arbeitete sie als Arbeits- und Sozialministerin im Kabinett von Gabriel Boric.
Bei der Präsidentschaftswahl 2025 war sie die Kandidatin des Regierungsbündnisses (Unidad por Chile), verlor jedoch in der Stichwahl.
Leben
Jara wurde in der Gemeinde Conchalí in der chilenischen Hauptstadtmetropole Santiago geboren.[1] Sie ist das älteste von fünf Geschwistern. Nach ihrem Schulabschluss studierte sie in Santiago de Chile zunächst an der Päpstlichen Katholischen Universität Jura und wechselte nach einem Jahr an die Universidad de Chile, wo sie Öffentliche Verwaltung studierte.[2] Nach ihrem Studienabschluss im Jahre 1997 arbeitete sie zunächst für die Gemeinde Lampa, ehe sie ab 1999 als Steuerprüferin für die landesweite Finanzverwaltung Servicio de Impuestos Internos zu arbeiten begann. Sie war aktives Mitglied der Beamtengewerkschaft. Außerdem erhielt sie 2014 einen Abschluss in Jura von der privaten Universidad Central de Chile.[3]
Jara heiratete zum ersten Mal im Alter von 19 Jahren, allerdings verstarb ihr Ehemann nur zwei Jahre später. 2013 heiratete Jara ein zweites Mal, wurde Mutter eines Sohnes, ist aber seit 2021 geschieden.[4]
Karriere als Politikerin
Frühe Karriere
Jara trat bereits im Jahre 1989 in die Jugendorganisation der Kommunistischen Partei Chiles ein. Zwischen 1997 und 1998 war sie Präsidentin der Federación de Estudiantes de la Universidad de Santiago de Chile, der Verfassten Studierendenschaft der Universidad de Santiago de Chile.[1] 1999 trat sie schließlich auch der Kommunistischen Partei bei. 2014 wurde sie zunächst Stabschefin bei der Untersekretärin für Soziales, Julia Urquieta, und anschließend beim Minister für soziale Entwicklung, Marcos Barrazza.[3] Im November 2016 ersetzte Jara schließlich Urquieta und trat somit das Amt als Untersekretärin für Soziales im Arbeits- und Sozialministerium an.[1] Es war ihre erste offizielle Position unter Präsidentin Michelle Bachelet. Sie behielt das Amt bis zum regulären Ende der Amtszeit im März 2018.
Nach ihrem Ausscheiden aus der Regierung war sie zunächst an verschiedenen Universitäten als Dozentin tätig.[3] Im Mai 2021 trat sie für die Kommunistische Partei bei der Bürgermeisterwahl in Conchalí an. Dabei erhielt sie 18,8 % der Stimmen und wurde Zweitplatzierte hinter René de la Vega Fuentes, der zum Bürgermeister gewählt wurde.[5] Anschließend arbeitete sie von Juli 2021 bis März 2022 für Bürgermeisterin Irací Hassler in Santiago.[4]
Arbeits- und Sozialministerin unter Präsident Boric
Im Januar 2022 gab der kurz zuvor gewählte Präsident Gabriel Boric bekannt, dass Jara in seinem Kabinett das Amt der Arbeits- und Sozialministerin übernehmen werde. Somit wurde sie die erste kommunistische Arbeits- und Sozialministerin Chiles seit der Regierung Allendes.[4] Sie trat ihr Amt am 11. März 2022 gemeinsam mit dem restlichen Kabinett an.[6] Als Ministerin erarbeitete sie unter anderem ein Gesetz, das die 40-Stunden-Woche in Chile festschrieb. Außerdem war sie Teil der Ausarbeitung einer umfassenden Rentenreform.[2] Im April 2025 trat sie von ihrem Amt zurück, um an den anstehenden Präsidentschaftswahlen 2025 teilnehmen zu können.[7]
Präsidentschaftskandidatin 2025
Nachdem sie von ihrem Amt als Ministerin zurückgetreten war, wurde Jara von der Kommunistischen Partei Chiles als Kandidatin für das Amt der Staatspräsidentin Chiles nominiert.[8] In der Folge erhielt sie auch die Unterstützung der Partei Acción Humanista.[9] Bei den Vorwahlen der Regierungskoalition Unidad por Chile setzte sie sich schließlich gegen die frühere Innenministerin unter Präsident Boric, Carolina Tohá, sowie Gonzalo Winter vom Frente Amplio und Jaime Mulet von der Federación Regionalista Verde Social durch. Nachdem Umfragen eher Tohá in einem Dreikampf zwischen ihr, Jara und Winter um die Nominierung vorne gesehen hatte, erhielt Jara bei den Vorwahlen am 29. Juni 2025 über 60 % der Stimmen und wurde somit deutlich zur Kandidatin des gesamten Regierungsbündnisses gewählt.[10][11] Im ersten Wahlgang am 16. November 2025 erhielt sie mit knapp 27 % die meisten Stimmen vor José Antonio Kast (24 %). Bei der Stichwahl am 14. Dezember war sie schließlich Kast mit 41,8 % gegen 58,2 % unterlegen.[12]
Weblinks
Einzelnachweise
- ↑ a b c Jeannette Jara Román, nueva Subsecretaria de Previsión Social. Abgerufen am 30. Juni 2025 (spanisch).
- ↑ a b El Dínamo: Quién es Jeannette Jara, la ganadora de las Primarias Presidenciales 2025. Abgerufen am 30. Juni 2025 (spanisch).
- ↑ a b c Curriculum Vitae de Jannette Jara Román. In: Offizielle Website des Arbeitsministeriums Chiles. 2020, abgerufen am 30. Juni 2025 (spanisch).
- ↑ a b c Manuel Izquierdo: El intenso trayecto político de Jeannette Jara (y los desconocidos pasajes de su historia). In: Ex-Ante. 30. Juni 2025, abgerufen am 30. Juni 2025.
- ↑ Partido Comunista proclama a Jeannette Jara como su candidata presidencial. 6. April 2025, abgerufen am 30. Juni 2025.
- ↑ Jeannette Jara asumió como ministra del Trabajo y Previsión Social | SENCE. Abgerufen am 30. Juni 2025.
- ↑ Jeannette Jara renuncia al ministerio del Trabajo para asumir candidatura presidencial. In: Diario y Radio Universidad Chile. Archiviert vom am 7. April 2025; abgerufen am 30. Juni 2025 (europäisches Spanisch).
- ↑ Mario Vergara: Jeannette Jara es proclamada por el comité central del PC como su abanderada para la carrera presidencial. 5. April 2025, abgerufen am 30. Juni 2025 (spanisch).
- ↑ Cristóbal Álvarez,Diana Copa: Acción Humanista oficializa su respaldo a la candidatura presidencial de Jeannette Jara: “Representa lo mejor de las esperanzas de Chile”. 14. April 2025, abgerufen am 30. Juni 2025 (spanisch).
- ↑ Eine Kommunistin soll den Rechtsruck in Chile stoppen: Wer ist Jeannette Jara? 30. Juni 2025, abgerufen am 30. Juni 2025.
- ↑ Jaime Bordel Gil: Jeannette Jara: la primera comunista que liderará la izquierda chilena. In: El Salto. Abgerufen am 30. Juni 2025 (local).
- ↑ DecideChile 2025 - La elección como nunca la habías vivido. Abgerufen am 15. Dezember 2025 (spanisch).