Jean Binta Breeze

Jean „Binta“ Breeze MBE (* 11. März 1956 im Hanover Parish ; † 4. August 2021 in Sandy Bay) war eine jamaikanische Dub-Poetin, Erzählerin und Performerin, die als erste Frau gilt, die Dub Poetry schrieb und auf der Bühne vortrug.[1][2] Ihre Auftritte verbanden Reggae-Rhythmen mit Spoken Word; ihre Präsenz brachte ihr den Ruf eines „one-woman festival“ ein.[1] 2012 wurde sie für Verdienste um die Literatur als Member of the Order of the British Empire (MBE) ausgezeichnet.[1]

Leben

Breeze wurde als Jean Lumsden in Patty Hill im Parish Hanover (Jamaika) geboren und wuchs zeitweise bei ihrer Großmutter und Großtante auf.[1] Nach dem Besuch der Rusea’s High School in Lucea heiratete sie 1974 den Lehrer Brian Breese, dessen Namen sie später zu „Breeze“ abwandelte.[1] 1978 zog sie nach Kingston und studierte an der Jamaican School of Drama, wo sie die Dub-Poeten Mikey Smith, Oku Onuora und Mutabaruka kennenlernte.[1][2] Später lebte sie mehrere Jahre in einer Rastafari-Gemeinschaft in den Clarendon Hills, schloss sich dem Sistren Theatre Collective an und nahm den zusätzlichen Namen „Binta“ an.[1] Im Jahr 1985 kam sie auf Einladung von Linton Kwesi Johnson ins Vereinigte Königreich, um beim International Book Fair of Radical Black and Third World Books aufzutreten; anschließend unterrichtete sie u. a. in London.[1] Seit den 2010er-Jahren lebte sie teils in Leicester und teils im heimatlichen Sandy Bay.[1] Breeze starb am 4. August 2021 im Alter von 65 Jahren zu Hause in Sandy Bay, Hanover, nach einer längeren Erkrankung an COPD.[1][3]

Wirken

Ihr Debütband Answers erschien in Jamaika; es folgten u. a. Riddym Ravings and Other Poems (1988), The Fifth Figure (2006), die Auswahl Third World Girl (2011) und The Verandah Poems (2016).[1][4] Das Langgedicht Riddym Ravings verarbeitete Erfahrungen mit Schizophrenie; das Stück Aid Travels With a Bomb erreichte als Song Platz 2 der New Yorker Reggae-Charts.[1] Neben Gedichten schrieb und inszenierte sie Theater- und Filmtexte (u. a. Hallelujah Anyhow, 1991) und veröffentlichte mehrere Alben, darunter Tracks (1991) und Eena Me Corner (2010) mit der Dennis-Bovell-Dub-Band.[1] Ihre Gedichte Moonwise, Rising und Dreamer wurden im Londoner Programm Poems on the Underground gezeigt; Dreamer wurde 2024 erneut in einer Sommerauswahl vorgestellt.[1][5] Breeze gilt als prägende Vertreterin der Dub-Poetry-Szene, die weibliche Blickwinkel ins Zentrum stellte und jamaikanisches Patois in die Performance-Poetry einbrachte.[1] Sie war seit 2011 Honorary Creative Writing Fellow an der University of Leicester und wurde 2017 mit der Ehrendoktorwürde (D.Litt.) der Universität ausgezeichnet.[6] Für ihr Werk erhielt sie zahlreiche Auszeichnungen, darunter 2012 das MBE, 2018 einen Lifetime Achievement Award des Jamaican Poetry Festival sowie eine Silver Musgrave Medal des Institute of Jamaica.[1][7] Ihre Bücher erschienen u. a. bei Bloodaxe Books; zudem gibt es einen Archivbestand zu Breeze im Bloodaxe Books Archive der Newcastle University Special Collections.[4][8] Ihr Einfluss wurde in zahlreichen Würdigungen hervorgehoben, darunter Essays und Erinnerungen im britischen Literaturumfeld.[9]

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Einzelnachweise

  1. a b c d e f g h i j k l m n o p Jean ‘Binta’ Breeze obituary. In: The Guardian. 11. August 2021, abgerufen am 26. September 2025 (englisch).
  2. a b Jean Binta Breeze. In: Poetry Archive. 10. Oktober 2022, abgerufen am 26. September 2025 (englisch).
  3. Farewell, Sister Jean. In: Jamaica Observer. 8. August 2021, abgerufen am 26. September 2025 (englisch).
  4. a b Jean 'Binta' Breeze. In: Bloodaxe Books. Abgerufen am 26. September 2025 (englisch).
  5. Poems on the Underground August 2024. In: Poems on the Underground. August 2024, abgerufen am 26. September 2025 (englisch).
  6. Distinguished literary figures from Leicester to be honoured. In: University of Leicester. 16. Januar 2017, abgerufen am 26. September 2025 (englisch).
  7. Story of the Song | 'Ryddim Ravings' comes complete in the night. In: Jamaica Gleaner. 5. Oktober 2018, abgerufen am 26. September 2025 (englisch).
  8. Jean 'Binta' Breeze – Newcastle University Special Collections and Archives. In: Newcastle University. Abgerufen am 26. September 2025 (englisch).
  9. Jean 'Binta' Breeze (1956–2021). In: WritersMosaic. 18. August 2021, abgerufen am 26. September 2025 (englisch).