Jean-Baptiste Pouplin

Jean-Baptiste Pouplin (* 10. Oktober 1767 in Gisors; † 10. April 1828 in Lüttich)[1] war ein belgischer Lehrer französischer Herkunft.[2] Er ist der Gründer einer der ersten Gehörlosenschulen in Europa, die 1819 in Lüttich gegründet wurde.

Leben

Jean-Baptiste Pouplin wurde 1797 in Givet als Lehrer eingestellt und kam zwei Jahre später nach Lüttich. 1819 nahm er zwei gehörlose Kinder eines ehemaligen Offiziers des Kaiserreichs, Auguste und Eugénie Frenay, in seine Obhut.[3] Die Neuigkeit sprach sich so schnell herum, dass am Ende des Jahres 19 Kinder Pouplins Schule in der rue Souverain-Pont besuchten.[3]

Nachdem er eine Tabelle mit Fingeralphabet entdeckt hatte, begann er dieses seinen Schülern beizubringen. Als Autodidakt studierte er die Werke von Abbé Sicard und gelangte zu der Überzeugung, dass ein angepasster Unterricht Menschen mit Behinderung aus ihrer Isolation befreien könnte. Er scheute keine Mühen, sein Institut aufzubauen und so viele Studenten wie möglich aufzunehmen.[3] Im März 1820 appellierte er an die Öffentlichkeit, Spenden zu sammeln und einen philanthropischen Verein zu gründen. Der Aufruf wurde erhört und im August 1820 wurde eine Satzung beschlossen.[3] Zu den Mitgliedern gehörte auch Georges Nagelmackers. 1822 wurde Joseph Henrion, ein gebürtiger gehörloser Vervierser und Schüler von Sicard, als Lehrer eingestellt und die Schule bekam ein Internat.[3] 1823 wurde die école de Pouplin (Pouplins Schule) zum Institut des sourds-muets (Institut für Gehörlose) und zog 2 Jahre später in die Rue des Clarisses um.

Er starb 1828 und sein Sohn Clément-Joseph Pouplin folgte ihm im Mai als Lehrer. Im Juni 1829 besuchte Wilhelm I. das Institut und verlieh ihm den Titel royal.[3] Erst 1837 gründete Clément Pouplin dann eine Abteilung für blinde Jugendliche und Einrichtung erhielt den Namen Institut Royal des Sourds-Muets et Aveugles. Diesen Titel behielt es bis 1968, als es unter dem heutigen Namen Institut Royal pour Handicapés de l'Ouïe et de la Vue (I.R.H.O.V.) in das städtische Bildungssystem von Lüttich integriert wurde. Im folgenden Jahr zog das Institut in die Rue Agimont um. 1843 wurde die Vermittlung der Gebärdensprache zugunsten des Lippenablesens abgeschafft.

Gehörlosenschule

Das Hauptgebäude in der Rue Monulphe, das ehemalige Internat, stammt aus dem Jahr 1875 und ist ein Werk des Architekten Emile Demany.[4] Es hatte einen Flügel für Mädchen, einen für Jungen und in der Mitte die Wohnung des Direktors. Zu den Verwaltern gehörte Ulysse Capitaine.

Am Vorabend des Ersten Weltkriegs beherbergte das Institut nicht weniger als 97 hörgeschädigte und 86 sehbehinderte Kinder. Als es 1968 in das städtische Bildungssystem von Lüttich integriert wurde, beherbergte das Institut noch 160 Internatsschüler (110 gehörlose/50 sehbehinderte), aber als 1973 ein Schulbusdienst eingeführt wurde (Provinz Lüttich, Teil der Provinz Namur, und einmal pro Woche die Provinz Luxemburg), ging die Zahl der Internatsschüler rapide zurück (20). Das Internat ist seit 2003 geschlossen. Für die weiterführende Schule wurden 1982 neue Gebäude errichtet; sie beherbergte Werkstätten, Sportanlagen (Turnhalle, Schwimmbad), Klassenräume und Verwaltungsräume. Seit Ende der 1980er Jahre beschränkte sich die Betreuung nicht mehr nur auf Hör- und Sehbehinderte, sondern wird auch auf andere Behinderungen ausgeweitet.

Das Institut befindet sich in der Rue Monulphe, hinter der Abtei Saint-Laurent von Lüttich. Etwas weiter unten ist die Rue Pouplin nach Jean-Baptiste Pouplin benannt. Die Soundstation von Lüttich befand sich dort im ehemaligen Bahnhof Jonfosse.

Literatur

  • Ulysse Capitaine: J. B. et C. J. Pouplin. Liège 1867, S. 19 (französisch).
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Einzelnachweise

  1. Charles Louis Carton: Le sourd-muet et l'aveugle. Bruges 1857, S. 159–160 (französisch, google.be).
  2. Deaf History - Europe - 1767 - 1828: Jean-Baptiste Pouplin (BE). Abgerufen am 6. Oktober 2025.
  3. a b c d e f Achille Guillaume Durup de Baleine: Institut royal des sourds-muets et des aveugles Liège. Hrsg.: H. Dessain. Liège 1859, OCLC 457457226, S. 1–3 (französisch).
  4. Ruwet Robert, Cariaux Albert: Liège éternelle. 2008, S. 71 (französisch).