Jaroslav Haščák

Jaroslav Haščák (* 30. August 1969 in Ďurková, Tschechoslowakei) ist ein slowakischer Unternehmer und Mitbegründer von Penta Investments, einer großen Private-Equity-Gruppe in Mitteleuropa. Er gilt als einer der vermögendsten Personen in der Slowakei: Forbes beziffert sein Familienvermögen Ende 2025 auf rund 2,1 Milliarden US-Dollar.[1] Haščáks Karriere ist neben seiner bedeutenden unternehmerischen Erfolgen, jedoch auch von Kontroversen geprägt, vor allem rund um den sogenannte Gorilla-Affäre, die einen jahrelangen Rechtsstreit auslöste.

Frühes Leben

Haščák wurde 1969 in Ďurková in der sozialistischen Tschechoslowakei geboren. Nach dem Abitur studierte er Internationale Beziehungen in Moskau und China. Er absolvierte ein Studium am Moskauer Staatlichen Institut für Internationale Beziehungen (MGIMO), dort schloss er 1993 ab[2], und ein Auslandsstudium an der Peking-Universität in der Volksrepublik China. Bereits in den frühen 1990er Jahren betrieb er mit Kommilitone Marek Dospiva Im- und Exportgeschäfte: Während ihres Aufenthalts in Peking begannen sie, chinesische Textilwaren in die Tschechoslowakei einzuführen. Nach ihrer Rückkehr gründeten Haščák, Dospiva und weitere Studienkollegen 1993/94 die Finanzfirma „Penta Brokers“, aus der später die Penta Investments Gruppe hervorging. Der Name „Penta“ (griechisch für fünf) steht dabei für die fünf Gründungspartner, die alle gemeinsam in Moskau und der damaligen Tschechoslowakei studiert hatten.[3]

Karriere

Haščák war seit der Gründung in den 1990er Jahren einer der drei geschäftsführenden Partner und wesentlichen Entscheidungsträger von Penta Investments. Dem Unternehmen gelang es durch die Übernahme von ehemaligen Staatskonzernen zu wachsen und verlagerte 1999 den Hauptsitz der Unternehmensholding nach Zypern.[3] Bis Ende 2020 fungierte er als Managing Partner der Gruppe, verantwortete die Strategie und wesentliche Geschäftsbereiche. Unter seiner Führung expandierte Penta stark, insbesondere in den Bereichen Gesundheitswesen und Finanzen. So führte er das Unternehmen in den Gesundheitssektor (etwa Krankenhaus- und Apothekenketten) und initiierte zwischen 2010 und 2012 eine strategische Neuausrichtung von Private-Equity- zu langfristigen Beteiligungsinvestitionen, darunter die Bereitstellung von Wagniskapital für innovative Technologieunternehmen.[4] Zu Pentas Portfolio zählen bekannte Unternehmen wie die Drogeriekette Dr. Max, die Versicherung Dôvera oder die Wettfirma Fortuna.

Ende 2020 legte Haščák wegen der Untersuchungen im „Gorilla“-Fall seine operativen Funktionen nieder, blieb jedoch Miteigentümer.[5] Nach Klärung der Vorwürfe kehrte er im Herbst 2024 wieder in die Geschäftsführung von Penta zurück und übernahm erneut Sitz im Investmentkomitee und Vorstand der Gruppe.[4]

Politische Verbindungen

Durch seine unternehmerischen Tätigkeiten war Haščák vielfach in Kontakt mit Spitzenpolitikern der Slowakei und galt als äußerst einflussreiche Persönlichkeit.[2] 2011 geriet er in den Fokus der Öffentlichkeit, als geheime Abhörprotokolle des slowakischen Geimdienstes SIS („Gorilla“-Files) an die Öffentlichkeit gelangten, die Treffen zwischen Haščák und Regierungsvertretern aus den 2000er Jahren dokumentierten. Demnach traf sich Haščák laut abgehörten Gesprächen unter anderem mit dem damaligen Wirtschaftsminister Jirko Malchárek und der Nationalen Vermögensfonds-Vorsitzenden Anna Bubeníková, um korrupte Privatisierungsgeschäfte zu besprechen.[6] Im Gespräch mit Malchárek im Jahr 2006 sagte Haščák: „Die Demokratie ist ein Scheißsystem. Der Wähler weiß von nichts, der Wähler ist Scheiße.“[7] Auch ein Gespräch mit dem sozialdemokratischen Oppositionsführer Robert Fico tauchte in den Aufzeichnungen auf.[2] Haščák leugnete jedoch korrupte Geschäfte und gab an, die Aufnahmen seien aus dem Kontext gerissen.

Diese Enthüllungen erweckten den Eindruck, Penta unterhalte enge Verbindungen zu hohen Politikern, bzw. dass diese geradezu als seine "Puppen" fungieren würden.[6] Medien bezeichnen Haščák deshalb oft als slowakischen Oligarchen. Zudem wurde seine Gruppe von Geschäftspartnern kritisiert, weil sie im Gesundheitswesen umfassende Beteiligungen hält (Krankenhäuser, Versicherung Dôvera, Apotheke Dr. Max), was als Monopolbildung kritisiert wurde.[8]

Kontroversen

Haščák stand mehrfach im Zentrum großer Ermittlungen wegen Korruptionsvorwürfen und wurde er mit Bestechungs- und Geldwäschevorwürfen in Verbindung gebracht. Im Dezember 2020 wurde er bei einer Polizeiaktion festgenommen und von der Sonderstaatsanwaltschaft wegen Geldwäsche und anderer Delikte im Zusammenhang mit dem Gorilla-Skandal angeklagt, weshalb er als seine Position als Geschäftsführer von Penta niederlegte. Im Januar 2021 ordnete der Oberste Gerichtshof Haščáks Freilassung an, da keine ausreichenden Haftgründe vorlägen. Die Generalstaatsanwaltschaft stellte im August 2021 die Ermittlungen gegen ihn ein, da keine belastbaren Beweise gefunden wurde. Haščák begrüßte diese Entscheidung als Bestätigung seiner Unschuld. Der slowakische Staat entschuldigte sich 2022 öffentlich für seine vorherige Inhaftierung.[9][10]

Im Dezember 2022 erhob die Kriminalpolizei erneut Anklage gegen Haščák und mehrere andere Personen wegen Bildung einer kriminellen Vereinigung und Geldwäsche in der Gorilla-Affäre[9], der Fall wurde jedoch im Januar 2024 wegen illegalem Vorgehen der Ermittler eingestellt.[11] 2025 urteilte der Oberste Gerichtshof des Landes, dass der slowakische Geheimdienst alle Aufzeichnungen von Haščáks Gesprächen aus den 2000er Jahren vernichten müsse.[12]

Ein weiterer umstrittener Kontakt war der zum Unternehmer Marian Kočner, der später wegen der Ermordung des Journalisten Ján Kuciak angeklagt wurde. Kočner war mehrfach Kunde von Penta (hatte große Summen investiert und war Klient einer Penta-Bank). Haščák gab an, Kočner habe ihn 2018 kontaktiert mit dem Wunsch, die Penta-Medienberichterstattung zugunsten von Kočner zu beeinflussen, was Haščák jedoch zurückgewiesen habe. Er betonte, er habe keine Kenntnis von Kočners Mordplänen gehabt habe und dass eine Drohbotschaft von Kočner sich nicht auf den ermordeten Kuciak bezog, sondern auf einen Geheimdienstermittler der „Gorilla“-Affäre.[13]

Privatleben

Haščák ist mit Valéria Haščáková verheiratet, die als Juristin für Wirtschaftsrecht tätig ist. Das Paar hat zwei Söhne. Im Jahr 2021 übertrug Haščák seinen Anteil an der Penta-Gruppe auf einen Familien-Trust namens „T69“. Begünstigte dieses Trusts sind seine Ehefrau Valéria und die beiden minderjährigen Söhne. Valéria Haščáková fungiert als Verwalterin und Begünstigte dieses Fonds.[14][15]

Als Privatperson hält Haščák sich weitgehend aus der Öffentlichkeit zurück. Er ist dafür bekannt, fließend Englisch, Russisch und Chinesisch zu sprechen (aufgrund seiner Studienzeit). Öffentlich bekannt ist auch eine größere Spende Haščáks an seine Moskauer Alma Mater: 2013 überwies er einen hohen Betrag an das Förderwerk seines ehemaligen MGIMO-Studiengangs.[2]

Einzelnachweise

  1. Jaroslav Hascak & family. Abgerufen am 25. Oktober 2025 (englisch).
  2. a b c d VSquare: Bribery, secret tapes, and the arrest of a powerful Slovak tycoon. In: VSquare.org. 3. Dezember 2020, abgerufen am 25. Oktober 2025 (amerikanisches Englisch).
  3. a b Penta Story - Penta Investments. Archiviert vom Original am 13. April 2019; abgerufen am 25. Oktober 2025.
  4. a b Peter Blasbalg: Jaroslav Haščák returns to Penta's top management. In: Penta Investments. 27. September 2024, abgerufen am 25. Oktober 2025 (amerikanisches Englisch).
  5. Slovak court keeps billionaire in custody over graft case Reuters
  6. a b A Gorilla Tearing Down the System Respekt
  7. Petit Press a.s: Jaroslav Haščák : „ Demokracia je na hovno systém " - Jarmila Durániková - (blog.sme.sk). Abgerufen am 25. Oktober 2025 (slowakisch).
  8. Penta in Slovakia: From Real Estate to Private Clinics | corpwatch. Abgerufen am 25. Oktober 2025.
  9. a b Petit Press a.s: Haščák and other people from the Gorilla case charged with serious crime - The Slovak Spectator. Abgerufen am 25. Oktober 2025 (englisch).
  10. Petit Press a.s: Žilinka zrušil stíhanie Haščáka v kauze Gorila. Abgerufen am 25. Oktober 2025 (slowakisch).
  11. Petit Press a.s: Zrušili obvinenie Haščáka a ďalších v kauze Gorila. Advokát argumentuje protiprávnym konaním vyšetrovateľky. Abgerufen am 25. Oktober 2025 (slowakisch).
  12. After years of litigation, Haščák has lived to see the end. The Constitutional Court has ruled that the SIS must finally destroy the Gorilla recordings TA3
  13. Haščák soudu řekl, že nevěděl o vraždě Kuciaka. Zveřejněná zpráva o odstranění s ní prý nesouvisela. Abgerufen am 25. Oktober 2025 (tschechisch).
  14. Valeria Haščáková - Rebríček: Top ženy slovenského biznisu 2025. In: Forbes. 3. Oktober 2025, abgerufen am 25. Oktober 2025 (slowakisch).
  15. HNonline.sk - Zmeny v Pente. Haščák previedol majetok na manželku s deťmi, z vedenia odchádza ďalší človek. 15. Juni 2021, abgerufen am 25. Oktober 2025 (sk-sk).