Jani Silva

Jani Silva ist eine kolumbianische Umwelt- und Friedensaktivistin aus dem Departamento de Putumayo und Präsidentin der Asociación de Desarrollo Integral Sostenible Perla Amazónica (ADISPA), welche die Zona de Reserva Campesina „La Perla Amazónica“ vertritt.[1] Aufgrund ihres Einsatzes steht sie seit Jahren unter massiven Drohungen und wird durch die staatliche Unidad Nacional de Protección (UNP) geschützt.[1] Für ihr jahrzehntelanges Wirken wurde sie mit dem Hessischen Friedenspreis 2024 ausgezeichnet, der am 16. September 2025 im Hessischen Landtag verliehen wurde.[2]

Leben

Silva wuchs im kolumbianischen Amazonas auf und zog als Zwölfjährige mit ihrer Mutter von Leticia in den Bezirk Puerto Asís (Putumayo).[3] Seit den späten 1990er-Jahren organisierte sie sich mit ihrer Gemeinde, die im Jahr 2000 die Zona de Reserva Campesina „La Perla Amazónica“ konsolidierte.[4] Die Schutzzone wurde durch die Resolution 0069 vom 18. Dezember 2000 offiziell anerkannt.[5] Später übernahm Silva die Präsidentschaft von ADISPA, jener Organisation, welche die Reserve verwaltet.[1] Aufgrund anhaltender Morddrohungen musste sie im Oktober 2020 ihre Farm verlassen und zeitweise ins Exil gehen.[3] Besuche in die ländliche Zone unternimmt sie seither in Begleitung von Personenschützern oder der Peace Brigades International (PBI).[3] Im Jahr 2023 wurde sie auf Vorschlag von Amnesty International für den Friedensnobelpreis nominiert.[2]

Wirken

ADISPA vertritt in der Schutzzone rund 800 Familien aus 23 Ortschaften des Municipio Puerto Asís.[5] Die ZRC „Perla Amazónica“ umfasst an der Grenze zu Ecuador etwa 22.000 Hektar Regenwald.[5] Silva und ADISPA fördern als Alternativen zur Extraktivwirtschaft ökologische Landwirtschaft, Bienenzucht, Kakaoanbau und groß angelegte Wiederaufforstung.[3][5] Überdies arbeitet ADISPA in Projekten zur Wiederherstellung des Amazonas-Ökosystems mit internationalen Partnern wie dem Entwicklungsprogramm der Vereinten Nationen (UNDP) zusammen.[4] Öffentlich kritisierte Silva die Umweltauswirkungen von Ölprojekten – unter anderem Amerisur/GeoPark im Block Platanillo –, die Verschmutzungen und Eingriffe in Gewässer verursacht hätten.[1][6] Zivilgesellschaftliche Organisationen dokumentierten wiederholt Drohungen bewaffneter Gruppen gegen sie und andere Gegner dieser Ölprojekte; das Business & Human Rights Resource Centre veröffentlichte hierzu 2021 auch eine Firmenantwort von GeoPark.[7] PBI begleitet Silva seit Jahren und verweist auf das extrem gefährliche Umfeld für die Umweltbewegung in Kolumbien sowie auf ihren Einsatz für Alternativen zu illegalen Ökonomien wie die Koka-Substitution.[8] Amnesty International startete 2021 eine weltweite Solidaritätsaktion („Letter from the World“) für ihren Schutz und hob dabei ihren Einsatz für Wiederaufforstung und die Umsetzung des Friedensabkommens von 2016 hervor.[9] Die Auszeichnung mit dem Hessischen Friedenspreis würdigt ihren jahrzehntelangen Einsatz für Menschenrechte, bäuerliche Rechte und den Schutz des Amazonas in einem von Gewalt und Drogenökonomie geprägten Kontext.[2][3]

Einzelnachweise

  1. a b c d Colombia: Amenazas contra defensora de la Amazonía. In: amnesty.org. Amnesty International, 18. September 2024, abgerufen am 17. September 2025 (spanisch).
  2. a b c Hessischer Friedenspreis 2024 geht an kolumbianische Aktivistin Jani Silva. In: hessischer-landtag.de. 16. Juli 2025, abgerufen am 17. September 2025.
  3. a b c d e Knut Henkel: Hessischer Friedenspreis: Kolumbianische Wächterin Jani Silva erhält Auszeichnung. In: taz.de. 17. September 2025, abgerufen am 17. September 2025.
  4. a b Silvia Corredor Rodríguez: Jani Silva, la lideresa ambiental colombiana nominada al premio Nobel de Paz. In: elespectador.com. 9. März 2023, abgerufen am 17. September 2025 (spanisch).
  5. a b c d Campesinos protegen el territorio con la Zona de Reserva Campesina de La Perla Amazónica. In: radionacional.co. Radio Nacional de Colombia, 6. Dezember 2024, abgerufen am 17. September 2025 (spanisch).
  6. Diana Salinas: Colombia: Jani guards the waters from the dangers of oil. In: ojo-publico.com. 16. September 2020, abgerufen am 17. September 2025 (englisch).
  7. Colombia: Legal initiative and NGOs denounce death threats against Jani Silva, environmental and human rights defender critical of GeoPark oil Project. In: business-humanrights.org. 20. Mai 2021, abgerufen am 17. September 2025 (englisch).
  8. Yadira Sánchez-Esparza: Jani Silva: The Guardian of Colombia’s Amazonian Heart, Body, and Soul. In: peacebrigades.org. 10. Dezember 2024, abgerufen am 17. September 2025 (englisch).
  9. Colombia: Amnesty International publishes a ‘letter from the world’ demanding protection for defender Jani Silva. In: amnesty.org. Amnesty International, 22. April 2021, abgerufen am 17. September 2025 (englisch).