Jane Taylour
Jane Elizabeth Taylour (* 23. Juni 1827 in Stranraer, Dumfries and Galloway; † 25. Februar 1905 in Saffron Walden, Essex) war eine schottisch-britische Frauenrechtlerin sowie eine der ersten Frauen, die zum Thema Frauenwahlrecht öffentliche Vorträge hielt. Sie reiste durch Schottland und Nordengland, sprach auf Veranstaltungen und warb Frauen für die Mitgliedschaft in der National Society for Women’s Suffrage, einer der ersten Organisationen für das Frauenwahlrecht, die später in der National Union of Women’s Suffrage Societies aufging.[1][2][3][4]
Leben
Taylour wurde als Tochter von Maria Angus und Nathaniel Taylor geboren. Sie lebte in Balfour, Aberdeenshire. Im Jahr 1861 zog sie nach Saffron Walden, Essex, wo sie im Zensus von 1901 als Mitbewohnerin einer Rachel P. Robson verzeichnet wurde. Ihr Einkommen stammte vermutlich aus dem Nachlass ihrer Eltern in Jamaika, der auch Sklaven umfasste.[5] Dieses Einkommen ermöglichte es ihr, die Kosten für ihre ausgedehnten Reisen im Auftrag der National Society for Women’s Suffrage (NSWS) selbst zu tragen.[6]
Im Jahr 1869 bat Clementia Taylor Taylour, eine Vortragsreise zu übernehmen, und ab 1870 hielt sie als ehrenamtliche Sekretärin des Galloway-Zweigs der NSWS öffentliche Vorträge in ganz Schottland und Nordostengland, um für die Gleichberechtigung und das Frauenwahlrecht zu werben.[4][6]
Innerhalb eines Jahres sprach Taylour in ehrenamtlicher Funktion auf 41 öffentlichen Versammlungen, wie Priscilla Bright McLaren auf einer Londoner Frauenwahlrechtskonferenz berichtete. Diese Versammlungen wurden von örtlichen Magistraten, County Sheriffs, Geistlichen oder einflussreichen Männern geleitet und führten zu Petitionen an das Parlament für das Frauenwahlrecht. In Kirkwall war ihr Vortrag so überzeugend, dass die Überzeugung des Vorsitzenden der Versammlung, Provost Bain, das Parlament werde die Interessen der Frauen auch ohne deren Wahlrecht wahren, nach seinen Worten „erheblich erschüttert“ wurden und er „Taktik, Beredsamkeit und die außergewöhnlich klare Art, in der sie die Ansprüche ihres Geschlechts vorgetragen hat“ hervorhob.[6]
Taylour reichte eine Petition zur Unterstützung von Jacob Brights Gesetzesentwurf ein, der die Wahlrechtsbeschränkungen für Frauen aufheben sollte. Die Clementia Taylor beschrieb sie als „die energische kleine Frau aus Stranraer“.[4] Nach einem Vortrag in Wigtown wurde sie zudem charakterisiert mit den Worten: „Ihre Ausdrucksweise ist rein und elegant, ihre Stimme klar und angenehm, und ihr Auftreten anziehend und graziös.“[6]
Taylour war nicht der Ansicht, dass Frauen bestrebt seien sollten, mit Männern zu konkurrieren, aber Frauen würden in der aktuellen Rechtslage von „bösen und gewissenlosen Männern“ ausgenutzt, etwa durch den Verlust ihrer Rechte bei der Eheschließung.
„We do not want to usurp anything, or do anything unseemly or out of order, but to do our proper part in helping on the world's reform – helping with a woman's power, in a woman's way, with all that is wise, elevating, humane and holy.“
„Wir wollen nichts an uns reißen oder etwas Ungehöriges oder Unordentliches tun, sondern unseren angemessenen Teil dazu beitragen, die Welt zu reformieren – mit der Kraft einer Frau, auf die Weise einer Frau, mit allem, was weise, erhebend, menschlich und heilig ist.“
Bis 1873 hatte sie über 150 Vorträge in Schottland gehalten. Sie wurde auf einigen ihrer Vortragsreisen von den Mitstreiterinnen Mary Burton und Agnes McLaren begleitet.[1] Infolge der Kampagnen wurden Frauenwahlrechtskomitees in den Highlands- und Moray-Städten Tain, Dingwall, Forres, Elgin, Banff, Invergordon, Nairn und Dunkeld gegründet.[4]
Die Vorträge erhielten breite mediale Aufmerksamkeit und ihre Reden wurden oft in der örtlichen Presse wie dem The Orkney Herald oder The Shetland Times vollständig abgedruckt.[4][7]
Taylour war von 1870 bis 1872 die erste ehrenamtliche Sekretärin des Galloway-Zweigs der NSWS. Sie war gemeinsam mit Agnes McLaren von 1873 bis 1876 Sekretärin der Edinburgh National Society for Women’s Suffrage, einer der ersten drei Wahlrechtsgesellschaften, die in Großbritannien gegründet wurden, und Mitglied des Exekutivkomitees des zentralen Ausschusses der nationalen Gesellschaft.[1] Im Jahr 1901 war sie Vizepräsidentin der National Union of Women’s Suffrage Societies (NUWSS).[4]
In Saffron Walden war sie 1895 Sekretärin des örtlichen Zweigs der British Women’s Temperance Association und spielte eine einflussreiche Rolle bei der Ernennung von Frauen in das örtliche Board of Guardians im Rahmen der Armengesetzgebung.[1]
Taylour starb am 1905 in Saffron Walden und wurde auf dem Begräbnisplatz der Society of Friends beigesetzt.[1]
Zum hundertjährigen Jubiläum des Wahlrechts für zumindest einen Teil der Frauen, dem Representation of the People Act 1918, wurde Taylour von der Glasgow Women’s Library mit einem animierten Video über ihre Wirkung als eine der ersten Frauen, die öffentliche Vorträge hielten, vorgestellt.[8] Sie wurde auch auf der Website der Universität Edinburgh im Rahmen von Celebrating 100 years of votes for women aufgenommen.[9] Im Jahr 2021 war Jane Taylour Teil eines Spielkartensets mit dem Titel Scotland's Suffragette Trumps, das als Teil eines Bildungspakets an 100 schottische Schulen verteilt wurde.[10]
Weblinks
Einzelnachweise
- ↑ a b c d e Elizabeth Ewan, Sue Innes, Siân Reynolds und Rose Pipes (Hrsg.): The Biographical Dictionary of Scottish Women: From the Earliest Times to 2004. Edinburgh University Press, Edinburgh 2007, ISBN 978-0-7486-2660-1, S. 351.
- ↑ Leah Leneman: A guid cause: the women’s suffrage movement in Scotland. Aberdeen University Press, Aberdeen 1991, ISBN 978-0-08-041201-6, S. 19.
- ↑ Elizabeth Crawford: The Women's Suffrage Movement in Britain and Ireland: A Regional Survey. Routledge, London 2013, ISBN 978-1-136-01062-0, S. 249 (google.de).
- ↑ a b c d e f Elizabeth Crawford: The Women's Suffrage Movement: A Reference Guide 1866–1928. Routledge, London 2003, ISBN 0-7484-0379-5, S. 187, 397, 474.
- ↑ Nathaniel Taylor. In: Legacies of British Slavery database. University College London, abgerufen am 10. Dezember 2025.
- ↑ a b c d e Leah Leneman: The Scottish Suffragettes. National Museums of Scotland, Edinburgh 2000, ISBN 978-1-901663-40-2, S. 24–25.
- ↑ Marsali Taylor: Fighting for the right. The Shetland Times, 9. Januar 2009, archiviert vom am 24. September 2021; abgerufen am 10. Dezember 2025.
- ↑ Jane Taylour. Glasgow Women’s Library, 25. März 2019, abgerufen am 10. Dezember 2025.
- ↑ Celebrating 100 years of votes for women. In: Information Services. Universität Edinburgh, Juni 2018, archiviert vom am 14. Juni 2021; abgerufen am 10. Dezember 2025.
- ↑ Protests & Suffragettes. Protests & Suffragettes, abgerufen am 3. Juni 2025.