Jan Sladký Kozina
Jan Sladký Kozina (* 10. September 1652 in Újezd u Domažlic; † 28. November 1695 in Pilsen) war ein legendärer tschechischer Führer des Bauernaufstandes der Choden Ende des 17. Jahrhunderts.
Kozina symbolisierte den Widerstand des tschechischen Volkes während der so genannten „Zeit der Dunkelheit“, einer Epoche der Herrschaft und Unterdrückung durch die Katholische Kirche und die Deutschen.
Jan Sladký Kozinas Geburtsname lautete Rosocha, nach dem Hof Rosoch (U Rosochů) seines Großvaters, in dem er geboren wurde und aufwuchs. Die Namen Sladký und Kozina wurden ihm erst später zugesprochen. Als 25-Jähriger heiratete er am 9. Mai 1678 Dorota Pelnářová, übernahm den väterlichen Hof Kozinův grunt (U Kozinů) und gehörte zur mittleren Bauernschicht. Sie sollen nach historischen Aufzeichnungen als ruhiges, gottesfürchtiges und freundliches Ehepaar gelebt haben.
Er konnte weder lesen noch schreiben, machte sich aber einen Namen durch seine Reden, in denen er auf die ungerechte Behandlung aufmerksam machte und bald zum Sprecher der Bauern wurde. Er verteidigte die Rechte der Choden und verlangte Gerechtigkeit für das ländliche Volk. Es kam zu Auseinandersetzungen mit dem Grundherrn Wolf Maximilian Laminger von Albenreuth, genannt „Lomikar“.
Den letzten großen Aufstand der Choden in den Jahren 1692–1695 unter Führung Kozinas ließ Laminger mit Hilfe kaiserlicher Soldaten niederschlagen. Die Anführer der Choden wurden inhaftiert. Die königliche Kammer in Prag verurteilte sie zu je einem Jahr Zwangsarbeit, doch Laminger legte Widerspruch ein und setzte die Todesstrafe gegen sie durch. Kaiser Leopold I. milderte das zweite Urteil ab, so dass schließlich nur Jan Sladký Kozina am 28. November 1695 in Pilsen öffentlich gehängt wurde. Laminger starb ein Jahr später, am 2. November 1696, in seinem Schloss in Trhanov an einem Schlaganfall.
Nachleben
Der zeitliche Zusammenhang der beiden Todesfälle war offensichtlich Grundlage der bald einsetzenden Legendenbildung. Im Laufe des 18. Jahrhunderts entstand im Chodengebiet die Erzählung von einem Gottesgericht, dem Lomikar unterworfen worden sei.
In der verbreitetsten Version in der Geschichte von Alois Jirásek (ähnlich auch bei Božena Němcová) rief der Widerstandskämpfer Kozina am Galgen die Worte aus:
„Lomikare! Lomikare! Do roka budeme spolú stát před súdnú stolicí boží! Hin se hukáže, hdo z nás — Lamingen! Lamingen! Von heute über ein Jahr werden wir mitsammen vor dem Richterstuhle Gottes stehen, da wird's entschieden werden, wer —“
… worauf der Henker den Schemel umwirft. Am Jahrestag der Hinrichtung feiert Laminger in seinem Schloss ein Fest und bringt auf seinen ehemaligen Kontrahenten einen hämischen Trinkspruch aus, was dieser für ein schlechter Prophet gewesen sei. Daraufhin öffnet sich eine Tür in die stürmische Nacht, Kozinas Geist erscheint und „Lomikar“ fällt vor Schreck tot um.
In Újezd bei Domažlice wurde ein Gedenkraum eingerichtet (Kozinův statek 3).
Literatur
- Jaroslav Kramařík: Kozina a Lomikar v chodské lidové tradici. Academia Prag 1972, 195 S.
- Eduard Maur: Kozina a Lomikar. Slovo k historii 20, Melantrich, Prag 1989, 40 S.
- Alois Jirásek: Chodische Freiheitskämpfer, Greifenverlag zu Berlin & Rudolstadt, 2009, 336 Seiten (eine frühere Übersetzung des Romans erschien unter dem Titel Die Hundsköpfe im Greifenverlag zu Rudolstadt 1952, 397 Seiten).
Weblinks
- Literatur und andere Medien von und über Jan Sladký Kozina im Katalog der Nationalbibliothek der Tschechischen Republik