Jan Linsen

Jan Linsen, genannt Hermafrodito, (* um 1602/03 wahrscheinlich in Hoorn; † 26. Mai 1635 in Hoorn) war ein holländischer Landschaftsmaler, der von einem Spielpartner beim Kartenspiel erstochen wurde.

Leben

Linsen begab sich nach Rom, wo er ein Mitbegründer und Mitglied der Künstlervereinigung Schilderbent oder Bentvueghels wurde, zu der auch Bartholomeus Breenbergh und anderen niederländische und flämische Maler gehörten. Er trug dort den Bentnamen „Hermaphrodit“. Linsen spezialisierte sich auf Genre- und Historienmalerei mit italienisch anmutenden Landschaftsmotiven. Sein glatter, idealisierender Figurenstil ist mit dem des Utrechter Historienmalers Cornelis van Poelenburgh verwandt, der sich ebenfalls um diese Zeit in Rom aufhielt. Dort weilte er bis 1626 und wurde während einer Seereise von Piraten (Mauren) gefangen genommen. Er wurde an der Küste ausgesetzt und entkleidet zurückgelassen. Nach seiner Flucht stellte er dieses Ereignis in einem Gemälde dar. Laut Johannes Bronkhorst befand sich das Bild bei Adrian Beverwijck in Hoorn, so teilte er es am 18. Mai 1718 dem niederländischen Kunstschriftsteller Arnold Houbraken mit.[1] Eines seiner Werke, ein Porträt mit der Signatur Joan Linsen, alias Hermafrodito, befand sich unter den Bentbildern in Rotterdam.[2] Linsen ließ sich in Hoorn nieder und als er eines Tages gegen seinen Freund beim Glücksspiel gewann, war dieser über seinen Verlust derart erbost, dass er angedroht haben soll, Linsen mit dem Messer abzustechen. Linsen hielt dies für einen Scherz und begann zu lachen, was den anderen noch mehr in Rage versetzte, so dass er tatsächlich sein Messer zückte und unter dem Tisch auf ihn einstach.[3]

Werke (Auswahl)

  • Gefangennahme durch Maurische Piraten
  • Procris and Cephalus 1626, Öl auf Leinwand, 40,3 × 52,7 cm (Städelsches Kunstinstitut, Frankfurt)[4]
  • Italienische Landschaft mit Ruinen und Ziegen. 1634 (Schloss Charlottenburg, Berlin)
  • Pallas Athene unter den Musen. (Kunsthalle, Bremen)
  • Eliëzer und Rebekka am Brunnen. 1629 (Westfries Museum Hoorn, Inv. Nr. A 197,[5] das Bild wurde mit mehreren anderen Bildern in der Nacht von 9. zum 10. Januar 2005 gestohlen[6] und im Jahr 2024 wiedergefunden[7])
  • Landschaft mit Orpheus. 1620 (Musée National du Louvre, Paris)[8]

Literatur

Commons: Jan Linsen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. Cornelis Hofstede de Groot: Arnold Houbraken und seine „Groote schouburgh“ (= Quellenstudien zur Holländischen Kunstgeschichte). Martinus Nijhoff, Haag 1893, S. 142 (Textarchiv – Internet Archive).
  2. Alfred von Wurzbach: Linsen. Jan Linsen, gen. Hermafrodito, Maler aus Hoorn. In: Niederländisches Künstler-Lexikon; auf Grund archivalischer Forschungen bearbeitet. Halm und Goldmann, Wien / Leipzig 1906, S. 56 (Textarchiv – Internet Archive).
  3. Linsen (Jan van) of van Linzen. In: Karel Johan Reinier van Harderwijk, Gilles Dionysius Jacobus Schotel (Hrsg.): Biographisch woordenboek der Nederlanden. Teil 11: L – Lyssius. J. J. van Brederode, Haarlem 1865, S. 496 (niederländisch, digitale-sammlungen.dedbnl.org).
  4. David de Witt: The Bader Collection: European Paintings. Agnes Etherington Art Centre, Kingston, Ont. 2014, S. 47 (Textarchiv – Internet Archive).
  5. Christopher Wright: Paintings in Dutch museums : an index of oil paintings in public collections in the Netherlands by artists born before 1870. Sotheby Parke Bernet, London / Totowa, N.J. 1980, ISBN 0-85667-077-4, S. 242 (englisch, Textarchiv – Internet Archive – Leseprobe).
  6. Dennis Driessen: Major Burglary in Westfries Museum, Hoorn. In: codart.nl. 2005, abgerufen am 28. November 2025 (englisch).
  7. Gestolen schilderij van Westfries Museum teruggevonden in Polen. In: westfriesmuseum.nl. 2024, abgerufen am 28. November 2025 (niederländisch).
  8. The Louvre. 2011, S. 321 (Textarchiv – Internet Archive – Bild 4 Jan Linsen, 1602–1635 Orpheus Playing the Violin at the Entrance to the Underworld, 1620).