Jan Henrik Holst
Jan Henrik Holst (* 1969) ist ein deutscher Sprachwissenschaftler und Autor. Er beschäftigt sich in seiner Forschung u. a. mit den atlantischen Sprachen, Armenisch, Tocharisch, Sanisch, Baskisch, Burushaski und den Eskimo-aleutischen Sprachen. Ein Schwerpunkt seiner Arbeit ist die Sprachklassifikation, d. h. die Untergruppierung von Sprachfamilien oder ihren Zweigen sowie das Aufstellen von Hypothesen über bisher unentdeckte oder unbewiesene Sprachverwandtschaften.
Leben
Jan Henrik Holst stammt aus Schleswig-Holstein.[1] Er schrieb 1993 an der Universität Hamburg seine Magisterarbeit mit dem Titel Typologie der Vokalharmonie in den Sprachen der Welt.[2] Seit 1996 ist er regelmäßig als Lehrbeauftragter an der Universität Hamburg tätig.[3] Im Jahr 1999 wurde Holst an der Universität Hamburg promoviert.[4] Seine Dissertation zur Grammatik des Lettischen erschien 2001 als Monographie. Er gibt selbst an, sich für „sämtliche Sprachen der Welt“ zu interessieren,[2] bezeichnet sich als hyperpolyglott und spricht nach eigenen Angaben mindestens 20 Sprachen.[1]
Holst gründete in den 1990er Jahren die Partei Die Guten, die jedoch vom Bundeswahlausschuss nicht zur Bundestagswahl 1998 zugelassen wurde.[5] 2018 und in einigen Folgejahren schrieb Holst in verschiedenen Online-Medien zu gesellschaftlichen Themen. In den Jahren 2018 und 2019 veröffentlichte er eine Reihe von Beiträgen in Tichys Einblick, die meisten davon aus Anlass aktueller politischer Ereignisse in Schweden, aber auch z. B. Kolumnen über die Rechtschreibreform.[6] Ab 2020 schrieb er gesellschaftskritische Kolumnen für Novo Argumente, z. B. über Maskenpflicht und Geschlechtsidentität.[7]
Werk und Rezeption
2005 verfasste Holst die Einführung in die eskimo-aleutischen Sprachen, in der er eine Verwandtschaft zwischen den Eskimo-aleutischen Sprachen und den Wakash-Sprachen postulierte. Das Buch wurde zweimal in Fachkreisen rezensiert und dabei einmal als „enttäuschend“,[8] einmal gar als „als Lehrbuch absolut desaströs“ bezeichnet. Dem Autor mangele es offenkundig an Fachwissen.[9] Seine Verwandtschaftstheorie wird in Fachkreisen aus methodischen Gründen abgewiesen[10] und in Standardwerken nicht akzeptiert.[11]
In seinem 2009 erschienenen Buch Armenische Studien beschäftigt er sich mit der Vorgeschichte des Armenischen. Trotz methodischer und stilistischer Schwächen im Umgang mit Kollegen stuft Armin Hetzer das Buch als „lesenswert“ ein.[12] Seine 2019 erschienene Abhandlung Forschungsfragen zur baskischen Sprache ist nach Peter Bakker zwar „kein Meisterwerk“, rege aber zum Nachdenken an und enthalte gute Ideen. Kritisiert wurde wie auch bei anderen seiner Werke vor allem das Auslassen von Standardwerken bei seiner Forschung.[13]
Eines von Holsts primären Forschungsthemen ist die Herkunft des Burushaski, einer isolierten Sprache, die im Karakorumgebirge im Norden Pakistans von etwa 100.000 Menschen gesprochen wird. Zahlreiche Versuche, eine Verwandtschaft mit anderen Sprachfamilien zu belegen, sind nicht anerkannt worden. Holst präsentierte 2017 erstmals in Buchform seine Theorie, dass das Burushaski mit den im Kaukasus gesprochenen Kartwelsprachen verwandt ist. Während sein 2014 erschienenes erstes Werk zur Sprache noch als signifikanter Beitrag bewertet wurde, wenn auch als methodisch problematisch und mit zahlreichen Unstimmigkeiten,[14] wurde seine im zweiten Buch veröffentlichte Verwandtschaftstheorie abgelehnt.[15][16]
Buchveröffentlichungen
- Lettische Grammatik. Buske, Hamburg 2001. 247 S.
- Einführung in die eskimo-aleutischen Sprachen. Buske, Hamburg 2005. 280 S.
- Reconstructing the mutation system of Atlantic. Ars Una, Neuried 2008. 108 S.
- Armenische Studien. Harrassowitz Verlag, Wiesbaden 2009. 320 S.
- Advances in Burushaski linguistics. Narr, Tübingen 2014. 180 S.
- Sanische historische Lautlehre. Shaker Verlag, Aachen 2014. 206 S.
- Die Herkunft des Buruschaski. Shaker Verlag, Aachen 2017. 420 S.
- Forschungsfragen zur baskischen Sprache. Shaker Verlag, Düren 2019. 240 S.
- Das Rekonstruieren von Sprachen. Shaker Verlag, Düren 2023. 312 S.
- Proposals for the diachronic interpretation of Tocharian. Shaker Verlag, Düren 2025. 282 S.
Weblinks
Einzelnachweise
- ↑ a b Some information in English. janhenrikholst.de.
- ↑ a b Sprachwissenschaftliche Tätigkeit. janhenrikholst.de.
- ↑ Meine Lehrveranstaltungen an der Universität Hamburg. janhenrikholst.de.
- ↑ Eine Übersicht über die eskimo-aleutischen Sprachen (Jan Henrik Holst / Universität Hamburg). Universität Innsbruck (27. Juni 2024).
- ↑ Eva Wolfangel: Na gut. TAZ (16. September 1998).
- ↑ Jan Henrik Holst. Tichys Einblick.
- ↑ Jan Henrik Holst. Novo Argumente.
- ↑ Elke Nowak: Rezension zu: Einführung in die eskimo-aleutischen Sprachen. In: Études/Inuit/Studies. Band 30, Nr. 2, 2006, S. 222–225, JSTOR:42870219.
- ↑ José Andrés Alonso de la Fuente: Rezension zu: Einführung in die eskimo-aleutischen Sprachen. In: Revista Española de Antropología Americana. Band 39, Nr. 1, 2009, S. 248–254 (Online).
- ↑ José Andrés Alonso de la Fuente: Etymological Notes on Aleut (III). With Methodological Notes on (Eskimo-Aleut) Historical Linguistics. In: Anuario Del Seminario De Filología Vasca "Julio De Urquijo". Band 45, Nr. 2, 2011, S. 235–259, doi:10.1387/asju.12573.
- ↑ Lyle Campbell: The Indigenous Languages of the Americas. History and Classification. Oxford University Press, 2024, S. 35.
- ↑ Armin Hetzer: Rezension zu: Armenische Studien. In: Zeitschrift für Balkanologie. Band 47, Nr. 1, 2011, S. 133–140 (Online).
- ↑ Peter Bakker: Review zu: Forschungsfragen zur baskischen Sprache. In: Fontes Linguae Vasconum. Band 129, 2020, S. 295–300 (Online [PDF]).
- ↑ Sadaf Munshi: Rezension zu: Advances in Burushaski Linguistics. In: Journal of South Asian Languages and Linguistics. Band 2, Nr. 2, 2015, S. 251–261, doi:10.1515/jsall-2015-0014.
- ↑ Ilija Čašule: Burushaski and Unique Slavic Isoglosses. In: Himalayan Linguistics. Band 16, Nr. 2, 2017, S. 1–25, doi:10.5070/H916235459: „His earlier book (Holst 2014) is a significant contribution to the morphonology of Burushaski and is useful for the internal reconstruction, but at first sight, his hypothesis of the correlation of Burushaski with the Kartvelian languages is problematic and underdeveloped.“
- ↑ Jan Henrik Holst: On some recent claims on Burushaski. In: Himalayan Linguistics. Band 20, Nr. 1, 2021, S. 65–79, doi:10.5070/H920152717.