Jan Hendrik Scholte
Jan Hendrik Scholte (* 27. Juni 1874 in Vlagtwedde; † 23. November 1959 in Amsterdam) war ein niederländischer Germanist, Literaturwissenschaftler und Hochschullehrer an der Universität Amsterdam.[1]
Leben und Wirken
Nach dem Schulbesuch in Ulrum ließ sich Jan Hendrik Scholte zunächst zum Volksschullehrer ausbilden. 1899 legte er dann die Staatsprüfung für das Lehramt an höheren Schulen ab. Bis 1902 unterrichtete er als Deutschlehrer am Gymnasium in Gouda und bis 1909 in Groningen, wo er außerdem als Dozent am Lehrerseminar tätig war. Bis 1912 folgte eine gleiche Tätigkeit in Amsterdam. Nebenher studierte er (als Gasthörer) Germanistik an der Universität Groningen. Im Jahre 1912 erhielt er eine ordentliche Professur für deutsche Sprach- und Literaturwissenschaft an der Universität Amsterdam. Diese Professur hatte er bis zu seinem Eintritt in den Ruhestand 1947 inne. Außerdem war er dort Direktor des Germanistischen -Seminars.
Die Universität Greifswald verlieh Jan Hendrik Scholte 1924 die Ehrendoktorwürde. 1926 wurde ihm der Orden vom Niederländischen Löwen (Ritter) verliehen. 1948 wurde er zum Mitglied der American Academy of Arts and Sciences gewählt.[2]
Jan Hendrik Scholte trat vor allem als Herausgeber und Forscher von bzw. über Hans Jakob Christoffel von Grimmelshausen hervor.
Veröffentlichungen (Auswahl)
- Probleme der Grimmelshausenforschung. Bd. 1. Wolters, Groningen 1912.
- Zonagri Discurs von Waarsagern. Ein Beitrag zu unserer Kenntnis von Grimmelshausens Arbeitsweise in seinem ewigwährenden Calender mit besonderer Berücksichtigung des Eingangs des Abentheuerlichen Simplicissimus. Müller, Amsterdam 1921 (Nachdruck: Sändig, Wiesbaden 1968).
- (Hrsg.): Grimmelshausens Courasche. Abdruck der ältesten Originalausgabe (1670) mit den Lesarten der beiden anderen zu Lebzeiten des Verfassers erschienenen Drucke. Niemeyer, Halle/S. 1923.
- (Hrsg.): Grimmelshausens Springinsfeld. Abdruck der ältesten Orinalausgabe (1670) mit den Lesarten der anderen zu Lebzeiten des Verfassers erschienen Ausgaben. Niemeyer, Halle/S. 1928.
- (Hrsg.): Grimmelshausens Wunderbarliches Vogelnest. Abdruck der ältesten Originalausgabe (1672), mit den Lesarten der anderen zur Zeit des Verfassers erschienenen Ausgaben. Niemeyer, Halle/S. 1931.
- Goethe und Holland. In: Jahrbuch der Goethe-Gesellschaft, Bd. 18 (1932), S. 94–113.
- (Hrsg.): Grimmelshausens Simplicissimus Teutsch. Abdruck der editio princeps (1669) mit der stark mundartlich gefärbten, nicht von einem berufsmäßigen Korrektor überarbeiteten Originalsprache des Verfassers. Niemeyer, Halle/S. 1938 (2. Aufl. 1949).
- (Hrsg.): Continuatio des abentheuerlichen Simplicissimi oder der Schluß desselben. Niemeyer, Halle/S. 1939.
- Die deutsche Robinsonade aus dem Jahre 1669. In: Neophilologus, Bd. 27 (1942), S. 115–132.
- (Hrsg.): Grimmelshausens Simpliciana in Auswahl. Weitere Continuationen des abentheurlichen Simplicissimi – Rathstübel Plutonis, Bart-Kriege, Teutscher Michel. Niemeyer, Halle/S. 1943.
- Grimmelshausens Barbarossa. In: Zeitschrift für deutsches Altertum und deutsche Literatur, Bd. 80 (1943), H. 1/2, S. 103–116.
- Der Simplicissimus und sein Dichter. Gesammelte Aufsätze. Niemeyer, Tübingen 1950.
- Grimm und Grimmelshausen. In: Elisabeth Karg-Gasterstädt (Hrsg.): Fragen und Forschungen im Bereich und Umkreis der germanischen Philologie. Festgabe für Theodor Frings zum 70. Geburtstag, 23. Juli 1956. Akademie-Verlag, Berlin 1956, S. 142–155.
Einzelnachweise
- ↑ Guillaume van Gemert: Scholte, Jan Hendrik. In: Christoph König (Hrsg.): Internationales Germanistenlexikon 1800-1850. Bd. 3. De Gruyter, Berlin 2003, S. 1647–1649, ISBN 3-11-015485-4 (mit allen biografischen Daten u. weiteren Literaturangaben).
- ↑ Book of Members 1780–present, Chapter S. (PDF; 1,5 MB) In: amacad.org. American Academy of Arts and Sciences, abgerufen am 22. November 2025 (englisch).