James Sheridan Knowles
James Sheridan Knowles (* 12. Mai 1784 in Cork, Irland; † 30. November 1862 in Torquay, Grafschaft Devon, England) war ein irischer Schauspieler und dramatischer Dichter.
Leben
Knowles war ein Sohn des Lexikografen James Knowles (1759 – 8. Februar 1840) und dessen erster Ehefrau Jane (geborene Peace, verwitwete Daunt; † 1800), die Tochter des Arztes Andrew Peace aus Cork, die aus der ersten Ehe eine Tochter hatte.[1] Knowles war das älteste Kind der beiden. Er hatte eine Schwester Charlotte. Seinen zweiten Vornamen hatte er nach Richard Brinsley Sheridan (1751–1816), dem Cousin seines Vaters, erhalten. Im Alter von sechs Jahren besuchte er zunächst die Schule seines Vaters in Cork. 1793 zog sie Familie nach London um, wo er begann eigene Verse zu dichten. Er schrieb bereits im Alter von zwölf Jahren sein erstes Theaterstück, das er mit seinen jugendlichen Freunden aufführte und verfasste anschließend auch ein Libretto zu einer Oper über die Geschichte des Chevalier de Grillon, das jedoch verloren ging. Mit 14 Jahren schrieb er das Gedicht The Welch Harper,[2] das er Miss. E. Steward gewidmet hatte und das von Theodore Smith 1796 zu einer Ballade vertont wurde und sich großer Beliebtheit erfreute.[3] Er freundete sich mit William Hazlitt an, der ihm mit Rat und Tat zur Seite stand und ihn Samuel Taylor Coleridge und Charles Lamb vorstellte. Mit 16 Jahren schrieb er eine Tragödie in fünf Akten mit dem Titel The Spanish Story.
Nach dem Tod seiner Mutter, von der er viel Unterstützung erhalten hatte, und der erneuten Heirat seines Vaters mit einer Miss Maxwell, verließ Knowles kurz darauf sein Elternhaus, da er sich nicht mit seiner Stiefmutter vertrug. Er lebte für einige Zeit, von seinen Freunden unterstützt, quasi von der Hand in den Mund. Er wurde Fähnrich in der Wiltshire-Armee und ging 1805 zur Tower Hamlets militia.
Anschließend begann er bei Robert Willan Medizin zu studieren, erwarb an der Universität Aberdeen seinen Doktortitel und wurde Impfarzt der nach Edward Jenner benannten Royal Jennerian Society. Nebenbei schrieb er kleinere Tragödien und veranstaltete private Theateraufführungen, so schrieb er unter anderem das Stück Hersilia, das nie zur Aufführung kam, oder The Gipsey, das in Waterford aufgeführt wurde. Knowles gab seinen Beruf als Mediziner auf und wandte sich der darstellenden Kunst auf der Provinzbühne zu.[4]
Bühnenkarriere
Sein erstes Engagement bekam Knowles vermutlich in Bath. Später spielte er mit mäßigem im Hamlet am Crow Street Theatre in Dublin. Während seiner Zeit bei einer Theatergruppe in Wexford lernte er Maria Charteris aus Edinburgh kennen, mit der er gemeinsam in Cherrys Theatergruppe in Waterford spielten. Dort lernte Knowles den Schauspieler Edmund Kean kennen, für den er 1810 das Stück Leo, or the Gipsy schrieb, das im Waterford Theatre aufgeführt wurde. Auch einen kleineren Gedichtband gab er um diese Zeit heraus. Nach einem Besuch in Swansea trat Knowles in Belfast auf. Dort verfasste er 1811 das Stück Brian Boroihme, or the Maid of Erin, das auf einem früheren Werk gleichen Namens basierte und das sich großer Beliebtheit erfreute.
Da diese Erfolge nicht ausreichten den Lebensunterhalt für seine kleine Familie zu bestreiten sah sich Knowles gezwungen, sich als Lehrer das nötige Geld dazuzuverdienen. Er eröffnete in Belfast eine eigene Schauspielschule und schrieb unter dem Titel The Elocutionist für seine Schüler eine Reihe von Texten zur Rezitation. Als ihm 1813 eine Stelle als erster Direktor für englische Fächer an der Royal Belfast Academical Institution angeboten wurde, lehnte er diese zugunsten seines Vaters ab, als dessen Assistent er stattdessen bis 1816 fungierte. Nach der Entlassung seines Vaters musste auch Knowles Belfast verlassen, und er zog nach Glasgow, wo er rund zwölf Jahre lang eine Schule leitete. Als Kean Glasgow besuchte, schlug er Knowles die Aufführung eines Stückes über Virginius vor und er begann sofort daran zu arbeiten, obwohl er selbst dreizehn Stunden am Tag unterrichtete. Das Drama war nach nur drei Monaten fertiggestellt, da Kean jedoch inzwischen ein anderes Engagement angenommen hatte, inszenierte Knowles sein Drama in Glasgow ohne ihn. Am 17. Mai 1820 wurde es mit William Charles Macready in der Hauptrolle, Charles Kemble als Icilius, Miss Foote als Virginia und Helena Faucit als Servia im Covent Garden aufgeführt.
Knowles überarbeitete sein Stück Caius Gracchus und es wurde am 18. November 1823 im Covent Garden mit Macready als Hauptdarsteller uraufführte. Macready bat ihn ein Stück über Wilhelm Tell zu schreiben, das zwei Jahre später erfolgreich aufgeführt wurde. Doch Knowles verdiente mit seinen dramatischen Werken weiterhin nur wenig Geld. 1823 und 1824 besserte er sein Einkommen durch die Leitung der Literaturredaktion der „Free Press“ auf. Da auch seine Schule nicht florierte, begann er Vorlesungen über Rhetorik und Drama zu halten. 1830 verließ er Glasgow mit seiner Familie und ließ sich in der Nähe von Newhaven bei Edinburgh nieder. Dort verfasste er eine Komödie über Alfred den Großen. Sein Stück The Hunchback wurde vom Drury Lane Theatre zurückgewiesen, so dass sich Knowles an Charles Kemble, der es 1832 Covent Garden Theatre aufführen ließ, wobei Knowles selbst die Rolle des Master Walter übernahm. 1841 komponierte er das Libretto der Balladenoper Alexina, die nach seinem Tod überarbeitet und unter dem Titel True unto Death als Theaterstück aufgeführt wurde. Er verfasste zudem Kurzgeschichten für Zeitschriften und hielt öffentliche Vorträge. 1845 entsagte er der Bühne und wandte sich dem Romanfach zu.[4]
Letzte Jahre
Knowles verfügte inzwischen über ein komfortables Einkommen, das er jedoch zu einem großen Teil für großzügige Spenden und seine Bemühungen, die Schulden seines Vaters zu begleichen, verwendete. Ab 1848 erhielt er zudem eine Pension von 200 Pfund. Knowles war Gründungsmitglied des Komitees, das sich um den Kauf von William Shakespeares Geburtshaus in Stratford-upon-Avon bemühte. 1848 wurde ihm dem erfolgreichen Erwerb die Verwaltung des Gebäudes angeboten, ein Amt, das er jedoch nie bekleidete. Knowles wandte sich um 1844 einer extremen Form des Evangelikalismus zu und schloss sich und schloss sich 1852 der Baptistengemeinde an, für die er auch schriftstellerisch tätig war. Er hielt Predigten in Kapellen oder in der Exeter Hall und wandte sich energisch gegen den römischen Katholizismus und gegen Kardinal Nicholas Wiseman. Er verfasste dazu zwei kontroverse theologische Bücher und war ein überzeugter Anhänger der Wasserheilkunde. In seinen letzten Lebensjahren bereiste er weite Teile des Königreichs und kam 1862 noch einmal zu einem Festessen in seine Heimatstadt Cork.
Familie
Knowles war seit den 25. Oktober 1809 mit der Schauspielerin Maria (geborene Charteris; 1791–1841) verheiratete, mit der er mehrere Kinder hatte. Die zwei erstgeborenen Töchter seiner Eltern starben bald nach ihrer Geburt an einer Pockeninfektion.
- James Thomas Knowles (1806–1884), wurde Architekt[5]
- Richard Brinsley Knowles (17. Januar 1820 – 28. Januar 1882) ⚭ 25 Oktober 1845 mit Eliza Mary (geborene Crowley), die jüngste Tochter von Peter Crowley und dessen Frau Elizabeth sowie eine Schwester des Malers Nicholas Joseph Crowley (6. Dezember 1819 – 4. November 1857). Er gab einige Jahre nach dem Tod des Vaters die Schrift The Life of James Sheridan Knowles heraus.[6]
- James Knowles († 1832), gestorben an einem Fieber in Kalkutta.
- George Knowles († 1865)
Seit 1842 war er mit Emma Marian Maria (geborene Elphinstone), einer ehemaligen Schülerin, die in seinem Stück Maid of Mariendorpt die Rolle der Meeta gespielt hatte. Sein Grab befindet sich auf dem Friedhof Glasgow Necropolis in der Nähe der St Mungo’s Cathedral in Glasgow.
Schriften (Auswahl)
Knowles hat sich nach den älteren englischen Dramatikern, besonders nach Philip Massinger, gebildet. Er war als dramatischer Dichter bekannt.
Bühnenwerke
- Caius Gracchus. Tragödie in fünf Akten. Am 13. Februar 1815 im Belfast Theatre uraufgeführt.
- Virginias. Tragödie in fünf Akten. Am 17. Mai im Covent Garden Theatre und 29. Mai 1820 im Drury Lane Theatre aufgeführt.
- William Tell. In fünf Akten. 1825.
- The Beggar’s Daughter of Bethnal Green. Komödie. Am 28. Mai 1828 im Drury Lane Theatre uraufgeführt.
- Alfred the Great, or the Patriot King. Historisches Spiel in fünf Akten. Am 28. April 1831 im Drury Lane Theatre uraufgeführt.
- The Hunchback. Am 5. April 1832 im Covent Garden Theatre uraufgeführt.
- The Wife, a Tale of Mantua. In fünf Akten. 1833 (archive.org).
- The Love chase. 1837/1838.
- The Maid of Mariendorpt. 1838.
- John of Procida, or the Bridals of Messina. Tragödie in fünf Akten. 1840.
- The Rose of Arragon. 1842.
- The dramatic works of James Sheridan Knowles. 3 Bände, Edwar Moxon, London 1841–1843, Band 1 (archive.org),
Poesie
- Leo, or the Gipsy. Auch Theaterstück. 1810.
- Brian Boroihme, or the Maid of Erin. Drama in drei Akten. 1811.
- Fugitive Pieces. Eine Sammlung von Gedichten.
- The Senate; or Social Villagers of Kentish Town, a Canto. 1817.
Theologische Werke
- The Rock of Rome or, The Arch Heresy. London 1849 (archive.org).
- The Idol Demolished by Its Own Priest. 1852[7]
- The Gospel Attributed to Matthew in the Record of the Whole Original Apostlehood. 1855.
Romane
- George Lovell. 3 Bände, Edvard Moxon, London 1852, Band 1 (archive.org), Band 2 (archive.org).
- Henry Fortescue. 3 Bände.
Andere Schriften
- The elocutionist: a collection of pieces in prose and verse, … adapted to display the art of reading … preceded by an introduction, in which an attempt is made to simplify Walkers̓ system.
- A Treatise on the Climate of Madeira.
- Old Adventures.
- Tales and Novelettes.
- Lectures on dramatic Literature etc. F. Harvey, London 1875 (archive.org)
- Sheridan Knowles’s Conception and Mr. Irving’s Performance of Shakespeare’s Macbeth.
Literatur
- James Sheridan Knowles. In: Sydney Gazette and New South Wales Advertiser. New South Wales 7. Mai 1833, S. 3 (englisch, gov.au).
- Richard Brinsley Knowles: The Life of James Sheridan Knowles. Privatly printed for James McHenry, London 1872 (babel.hathitrust.org).
- Ludwig Hasberg: James Sheridan Knowles‘ Leben und Werke. J. L. T. d. Velde Veldmann, Lingen 1883 (Textarchiv – Internet Archive).
- Knowles (spr. nohls), James Sheridan, engl. Schauspieler und dramatischer Dichter. In: Meyers Konversations-Lexikon. 4. Auflage. Band 9, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig/Wien 1885–1892, S. 889.
- Thomas Bailey Saunders: Knowles, James Sheridan. In: Sidney Lee (Hrsg.): Dictionary of National Biography. Band 31: Kennett – Lambart. MacMillan & Co., Smith, Elder & Co., New York City / London 1892, S. 297–300 (englisch, Volltext [Wikisource]).
- Knowles, James Sheridan. In: Encyclopædia Britannica. 11. Auflage. Band 15: Italy – Kyshtym. London 1911, S. 877 (englisch, Volltext [Wikisource]).
- Sinéad Sturgeon, Frances Clarke: Knowles, James Sheridan. In: Dictionary of Irish Biography. Royal Irish Academy, 2009, doi:10.3318/dib.004602.v1 (dib.ie).
Weblinks
- Literatur von und über James Sheridan Knowles im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek
- Literatur von James Sheridan Knowles im Katalog der Staatsbibliothek zu Berlin
Einzelnachweise
- ↑ Thomas Bailey Saunders: Knowles, James (1759–1840). In: Sidney Lee (Hrsg.): Dictionary of National Biography. Band 31: Kennett – Lambart. MacMillan & Co., Smith, Elder & Co., New York City / London 1892, S. 297 (englisch, Volltext [Wikisource]).
- ↑ The Welsh Harper. In: The Goldfinch, a Collection of favorite Scots and English Songs. H. Crawford, 1817 S. 13–14 (englisch, Volltext [Wikisource]).
- ↑ Richard Brinsley Knowles: List of works written and edited by James Sheridan Knowles. In: The Life of James Sheridan Knowles. Privatly printed for James McHenry, London 1872, S. V (babel.hathitrust.org).
- ↑ a b Thomas Bailey Saunders: Knowles, James Sheridan. In: Sidney Lee (Hrsg.): Dictionary of National Biography. Band 31: Kennett – Lambart. MacMillan & Co., Smith, Elder & Co., New York City / London 1892, S. 297–300 (englisch, Volltext [Wikisource]).
- ↑ Sir James Thomas Knowlesde findagrave.com.
- ↑ George Clement Boase: Knowles, Richard Brinsley. In: Sidney Lee (Hrsg.): Dictionary of National Biography. Band 31: Kennett – Lambart. MacMillan & Co., Smith, Elder & Co., New York City / London 1892, S. 302–303 (englisch, Volltext [Wikisource]).
- ↑ John William Cousin: Knowles, James Sheridan. In: A Short Biographical Dictionary of English Literature. London 1910, S. 224 (englisch, Volltext [Wikisource]).