James Ramsay (Abolitionist)
James Ramsay (* 25. Juli 1733 in Fraserburgh; † 20. Juli 1789 in London) war ein schottischer Schiffsarzt, anglikanischer Priester und ein führender Abolitionist in Großbritannien.[1] Er spielte durch seine Berichte über die Sklaverei auf den Westindischen Inseln eine entscheidende Rolle in der frühen Phase der britischen Bewegung zur Abschaffung des Sklavenhandels.[2]
Leben
Frühes Leben und Dienst in der Marine
Ramsay wurde 1733 in Fraserburgh, Schottland als Sohn des Schiffszimmerers William Ramsay und dessen Frau Margaret Ogilvie geboren. Er ging bei einem örtlichen Chirurgen in die Lehre und studierte von 1750 bis 1755 am King’s College in Aberdeen, wo er 1753 seinen Master of Arts erhielt.[3] Anschließend setzte er seine chirurgische Ausbildung in London unter Dr. George Macaulay fort.[1]
Im Jahr 1757 trat Ramsay in die Royal Navy ein und diente als Schiffsarzt an Bord der HMS Arundel in Westindien unter dem Kommando von Sir Charles Middleton. Ein prägendes Ereignis fand im November 1759 statt, als die Arundel das britische Sklavenschiff Swift abfing. Als Ramsay an Bord ging, fand er über 100 versklavte Menschen in unmenschlichen, verdreckten Verhältnissen vor. Dieser Anblick hinterließ einen bleibenden Eindruck bei ihm. Während seiner Zeit auf See brach er sich bei einem Sturz den Oberschenkelknochen, was zu einer dauerhaften Gehbehinderung führte und seinen weiteren Dienst in der Marine beendete.[2]
Priesteramt und Zeit in Westindien
Im Juli 1761 verließ Ramsay die Marine, um in den geistlichen Dienst zu treten. Er wurde im November 1761 vom Bischof von London in die Anglikanische Kirche ordiniert.[2] Mit dem Ziel, unter den Sklaven in der Karibik zu wirken, reiste er auf die Insel St. Kitts (damals Saint Christopher). Dort wurde er 1762 Pfarrer von St. John’s, Capisterre und im darauffolgenden Jahr von Christ Church Nichola Town.
1763 heiratete er Rebecca Akers, die Tochter des Plantagenbesitzers Edmund Akers. Das Paar hatte einen Sohn, der jung an Pocken verstarb, und drei Töchter.[1]
Ramsay hieß sowohl schwarze als auch weiße Gemeindemitglieder in seiner Kirche willkommen und bemühte sich um die Missionierung der versklavten Bevölkerung zum Christentum.[2] Neben seiner seelsorgerischen Tätigkeit praktizierte er weiterhin Medizin und behandelte die Armen der Gemeinde kostenlos. Als Arzt auf mehreren Plantagen erhielt er direkten Einblick in die Arbeitsbedingungen der Sklaven und die Brutalität vieler Pflanzer.
Er kritisierte die grausamen Bestrafungen und setzte sich für eine Verbesserung der Lebensbedingungen ein. Dies führte zu starken Anfeindungen durch die Pflanzer, die seine Einmischung ablehnten.[3] Erschöpft von den Konflikten verließ Ramsay 1777 St. Kitts und kehrte nach Großbritannien zurück.[3]
Rückkehr nach England
In England lebte er zunächst bei Sir Charles Middleton in Teston, Kent. Middleton und dessen Frau, Lady Middleton, engagierten sich zunehmend gegen den Sklavenhandel.[2] Im April 1778 trat Ramsay kurzzeitig erneut als Kaplan in den Dienst der Marine in Westindien, bis er 1781 auf Vorschlag Middletons endgültig zurückkehrte.[2] Middleton verschaffte ihm die wertvolle Pfarrerei von Teston und Nettlestead in Kent.[2]
Wirken als Abolitionist
Ramsay wurde ein zentrales Mitglied der sogenannten „Testonites“, einer einflussreichen Gruppe von Abolitionisten, die sich auf dem Anwesen der Middletons in Barham Court in Teston trafen.[4] Ermutigt durch die Middletons, verfasste Ramsay sein wichtigstes Werk, An Essay on the Treatment and Conversion of African Slaves in the British Sugar Colonies, das 1784 veröffentlicht wurde.[5]
Es war das erste Mal, dass die britische Öffentlichkeit eine Schrift gegen Sklaverei eines etablierten anglikanischen Autors las, der das Leid der Sklaven auf den Plantagen als Augenzeuge miterlebt hatte.[3] Die Veröffentlichung brachte die Debatte über den Sklavenhandel in die breite Öffentlichkeit und führte zu heftigen Gegenreaktionen der Plantagenbesitzer und der Zucker-Lobby in England, die Ramsays Ruf und Charakter in einer Reihe von Pamphleten angriffen.[2]
Als 1787 die Society for Effecting the Abolition of Slavery (deutsch: Gesellschaft zur Abschaffung der Sklaverei) unter anderem von Granville Sharp und Thomas Clarkson gegründet wurde und durch den Abgeordneten William Wilberforce an politischem Einfluss gewann, unterstützte Ramsay die Debatten mit Belegen.[6]
Tod und Nachleben
James Ramsay starb 1789, noch bevor die Früchte seiner Arbeit sichtbar wurden, und wurde in Teston beigesetzt. Sein früher Tod wurde von Zeitgenossen teilweise dem Stress durch die verleumderischen Angriffe seiner Gegner zugeschrieben.[1]
James Watt argumentierte, dass die Abschaffung des britischen Sklavenhandels im Jahr 1807 wahrscheinlich mehr Ramsays persönlicher Integrität, seinen ethischen Argumenten und konstruktiven Vorschlägen zu verdanken war als jedem anderen Einfluss.[2]
Werke (Auswahl)
- An Essay on the Treatment and Conversion of African Slaves in the British Sugar Colonies (1784)
- An Inquiry Into the Effects of Putting a Stop to the African Slave Trade: And of Granting Liberty to the Slaves in the British Sugar Colonies (1784)
Literatur
- J. R. MacDonald: James Ramsay. In: Dictionary of National Biography. Oxford: University Press, 1896.
- Folarin Shyllon: James Ramsay: the unknown abolitionist. Canongate, Edinburgh 1977.
- Brycchan Carey: British Abolitionism and the Rhetoric of Sensibility: Writing, Sentiment, and Slavery, 1760–1807. Palgrave Macmillan, Basingstoke 2005, 109–124.
- Adam Hochschild: Bury the Chains: The British Struggle to Abolish Slavery. Pan Macmillan, Basingstoke 2005.
- James Watt: Ramsay, James In: Oxford Dictionary of National Biography. Oxford: University Press, 2004.
Einzelnachweise
- ↑ a b c d Pownoll William Phipps: Life of Colonel Pownoll Phipps, with family records. London, R. Bentley, 1894 (archive.org [abgerufen am 4. Januar 2026]).
- ↑ a b c d e f g h i John Simkin: James Ramsay. In: spartacus educational. September 1997, abgerufen am 4. Januar 2026.
- ↑ a b c d James Ramsay: biography and further reading. In: brycchancarey.com. Brycchan Carey, 2001, abgerufen am 4. Januar 2026.
- ↑ Teston - the hotbed of abolitionism. 27. März 2007, abgerufen am 4. Januar 2026 (englisch).
- ↑ James Ramsay, Samuel Beach: An essay on the treatment and conversion of African slaves in the British sugar colonies. Dublin : Printed for T. Walker ...[et al.], 1784 (archive.org [abgerufen am 4. Januar 2026]).
- ↑ Equiano's World. Abgerufen am 4. Januar 2026.