Jamaikavireo
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Jamaikavireo | ||||||||||||
| Systematik | ||||||||||||
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| Wissenschaftlicher Name | ||||||||||||
| Vireo modestus | ||||||||||||
| Sclater, 1861 |
Der Jamaikavireo (Vireo modestus) ist eine Vogelart aus der Familie der Vireos (Vireonidae).[1][2]
Der Vogel ist endemisch in Jamaika.
Der Lebensraum umfasst tropische oder subtropische feuchte und trockene Tieflandwälder, Bergwald und stark geschädigte ehemalige Wälder, auch Dickichte und Hecken, aber nicht Mangroven, Sümpfe und bewirtschaftete Waldflächen.[3]
Der Artzusatz kommt von lateinisch modestus ‚einfach, unauffällig‘.[4]
Merkmale
Die Art ist 12–13 cm groß und wiegt etwa 9 g. Dieser mittelgroße, eher stämmige Vireo ist insgesamt matt gefiedert mit auffallenden Flügelbinden. Der Kopf ist olivgrün mit gelbem Überaugenstreif und Streifen über den Zügeln. Die Flügel sind dunkelgrau, die großen und mittleren Deckflügel bilden mit ihren breiten weißlichen Spitzen zwei deutliche Flügelbinden, die Federn der Hand- und Armschwingen haben grünliche Ränder außen und weißliche Ränder innen. Die Flugfedern sind dunkelgrau mit blass olivgrünen
Mantel und Schwanz sind grünlich, der Bürzel ist etwas heller. Kinn und Kehle sind weißlich, die Brust olivgrün bis blass gelblich grau, die Unterseite mitsamt den Flanken ist weißlich bis gelbgrau. Die Unterflügeldecken sind weißlich bis gelb, die Schulterfedern sind gelblich. Die Geschlechter unterscheiden sich nicht. Die Iris sieht grau aus, zeigt unter der Lupe eine weiße Grundfarbe mit zarter schwarzer Netzstruktur. Der Schnabel ist grau mit blassem bis rosafarbenem Unterschnabel, an der Spitze dunkler, er kann auch bräunlich sein. Die Beine sind graublau mit gelborangen Zehenpolstern. Jungvögel sind am Kopf grauer, an der Oberseite bräunlicher olivfarben, das Gelb der Unterseite ist bräunlicher und beschränkt sich auf ein schmales mittiges Band. Die Iris ist dunkel.
Der Vogel unterscheidet sich vom gleichfalls endemischen Bergvireo (Vireo osburni) durch das hellere Auge, den kleinen und blassen Schnabel sowie die blassen Flügelbinden. Der Weißaugenvireo (Vireo griseus) ist ein seltener Wintergast und hat heller gelbe Zügel, graue Ohrdecken und grauen Nacken und ist an der Unterseite heller weiß mit gelblichen Flanken. Der Bergvireo (Vireo osburni) ist größer und hat keine Flügelbinden. Auch der Bartvireo (Vireo altiloquus) ist größer, ohne Flügelbinden, aber mit deutlichem Überaugenstreif und dunklem Kehlstreifen. Der Rotaugenvireo (Vireo olivaceus) schließlich ist gleichfalls größer und ihm fehlen Flügelbinden.[3][5]
Geografische Variation
Die Art ist monotypisch.[1][3][6][7]
Stimme
Der Jamaikavireo gilt als ruffreudig und kann das ganze Jahr über gehört werden. Die Lautäußerungen werden als wie bei vielen anderen Vireos als kurze, wiederholte Phrasen beschrieben bestehend aus mehreren Lauten mit Pausen. Gern wird eine Phrase mehrere Minuten vorgetragen, dann kommt eine andere Phrase dran wie „sewi-sewi“ oder „twee-weet-weet-wuu“. Es kommen langsamere Lautäußerungen, aber auch schnellere bis zu Trillern vor. Aufgrund der Rufe wird der Vogel vor Ort als „Sewy-sewy“ bezeichnet.[3]
Lebensweise
Die Art ist ein Standvogel, eher versteckt lebend in dichtem Bewuchs in unterschiedlichen Ebenen. Der Vogel hüpft von Zweig zu Zweig in dichter Vegetation, aber auch in den Wipfeln niedriger Wälder. Gelegentlich hängt er bei der Nahrungssuche mit dem Kopf nach unten an Zweigen oder Blättern. Die Nahrung besteht aus Insekten und Blättern sowie zu einem geringeren Teil aus Früchten. Die Brutzeit liegt zwischen April und Juni. Das Nest ist eine offene Schale aus Bromelienstielen, Farnblätter oder Moosen und Flechten, am Rand in eine Astgabel eingehängt. Das Gelege besteht aus 2 bis 3 weißen Eiern mit dunkelbraunen Flecken am runden Ende.[3]
Gefährdungssituation
Der Bestand gilt als nicht gefährdet (Least Concern).[8]
Literatur
- P. L. Sclater: Vireo modestus. In: Proceedings of the Zoological Society of London, Band 28, Nummer 3, S. 462, 1861, Biodiversity Library
- Allan Keith, Janis I.VE Raffaele, James W. Wiley, Orlando H. Garrido: Birds of the West Indies, Tafel 76. VIREOS (With Wing Bars). In: Princeton University Press eBooks., 2. Auflage, 2020, S. 170–205 doi:10.1515/9780691199931-011.
Weblinks
- xeno-canto: Tonaufnahmen – Jamaikavireo (Vireo modestus)
- Jamaikavireo (Vireo modestus) auf eBird.org
- BirdLife International: Species Factsheet – Jamaican-vireo (Vireo-modestus)
- Jamaikavireo auf oiseaux.net (französisch)
- Macaulay Library
- Vireo modestus im Integrated Taxonomic Information System (ITIS). Abgerufen am 12. Januar 2026.
- Jamaikavireo auf Briefmarken
Einzelnachweise
- ↑ a b Jamaikavireo, in Avibase – Die Weltvogel-Datenbank. Abgerufen am 12. Januar 2026.
- ↑ P. H. Barthel, C. Barthel, E. Bezzel, P. Eckhoff, R. van den Elzen, Ch. Hinkelmann & F. D. Steinheimer: Die Vögel der Erde - Arten, Unterarten, Verbreitung und deutsche Namen, 3. ergänzte Auflage, 2022, PDF
- ↑ a b c d e D. S. Murray und D. L. Slager: Jamaican Vireo (Vireo modestus), version 1.0. In: T. S. Schulenberg (Herausgeber): Birds of the World. 2020, Cornell Lab of Ornithology, Ithaca, NY, USA. Vireo modestus
- ↑ J. A. Jobling: A Dictionary of Scientific Bird Names. Oxford University Press. 1991. ISBN 0-19-854634-3.
- ↑ C. B. Cory: The Birds of the West Indies, including the Bahama Islands, the Greater and the Lesser Antilles, excepting the Islands of Tobago and Trinidad. In: The Auk, Band 3, Nummer 2, A886, S. 187, [1]
- ↑ IOC World Bird List Shrikes, vireos, shrike-babblers
- ↑ AviList Core Team. 2025. AviList: The Global Avian Checklist, v2025. AviList.v2025
- ↑ Vireo modestus in der Roten Liste gefährdeter Arten der IUCN 2018. Eingestellt von: BirdLife International, 2018. Abgerufen am 12. Januar 2026.