Jakobuskirche (Haslach)
Die denkmalgeschützte evangelische Jakobuskirche steht in Haslach, einem Stadtteil von Herrenberg im Landkreis Böblingen in Baden-Württemberg. Die Kirche gehört zur Evangelischen Landeskirche in Württemberg.
Geschichte und Ausstattung
Haslachs Pfarrort war ursprünglich wohl Gültstein. Ab dem Ende des 9. Jahrhunderts war die Mutterkirche für die Haslacher dann allerdings die Kapelle in Mühlhausen, wo noch bis 1858 Begräbnisse stattfanden. Im Lagerbuch der Herrenberger Stiftskirche wird eine Kapelle in Haslach 1470 erstmals urkundlich erwähnt. Das Patrozinium des Heiligen Jakobus lässt jedoch zweifellos auf einen Zusammenhang mit dem Jakobsweg nach Santiago de Compostela schließen.[1]
Seit der Reformation wurde Haslach als Filialkirche von den Pfarrern der Herrenberger Stiftskirche mitbetreut. Auf der Ortsansicht von Andreas Kieser aus dem Jahre 1683 ist eine kleine Kirche mit Dachreiter, gotischen Fenstern und einem deutlich abgesetzten Ostchor zu erkennen.[1]
1790–92 wurde der Vorgängerbau abgerissen und die heutige Jakobuskirche nach Plänen von Johann Adam Groß dem Jüngeren als schlichter Saalbau mit Walmdach und Westturm errichtet.
1965 und 1997 fanden Renovierungen statt. 1977 wurde der Turm teilweise abgerissen und neu errichtet.
1965 wurde über dem Altar ein Buntglasfenster von Valentin Saile eingebaut, das die Berufung der Jünger Jakobus und Johannes darstellt (Matthäus 4,18-22 ).
1968 errichtete die Orgelbaufirma Rensch als opus 52 eine neue Orgel mit 12 Registern auf 2 Manualen und Pedal.[2][3]
Haslacher Altar
1493 wurde ein spätgotischer Flügelaltar für die Heslacher Jakobuskirche erschaffen. Der Altar wird der Ulmer Schule zugerechnet, heute wird die Werkstatt Nikolaus Weckmanns favorisiert.[4] In der 1792 neu erbauten Kirche fand der spätgotische Altar aus katholischen Zeiten keine Verwendung mehr und wurde auf der Kirchenbühne abgestellt.[5] In der Überzeugung, „daß dieses Kunstwerk in Stuttgart mehr geschätzt und anerkannt werde“, überließ der Stiftungsrat den „alten großen Altarschrank“ im Jahre 1852 dem kunstsinnigen Topographen Eduard Paulus, der ihn gegen ein scharlachrotes Kanzeltuch mit goldenen Borten eintauschte.[4] Später gelangte der Altar an die Königliche Altertümersammlung, aus der das Württembergische Landesmuseum hervorging, wo er sich heute noch befindet.
Der Altarschrein enthält drei geschnitzte Figuren, im Zentrum steht die Muttergottes als Himmelskönigin, thronend auf der Mondsichel, das Kind im Arm. Zu ihrer Rechten steht der Heilige Jakobus mit Buch, Pilgerstab, -mantel und -flasche. Zu ihrer Linken steht der Heilige Nikolaus im Bischofsornat und mit drei goldenen Kugeln. Auf dem Sockel befinden sich der Anfang des Ave Maria, die Namen beider Heiliger sowie die Jahreszahl 1493 aufgemalt.
In geöffnetem Festtagszustand zeigt der rechte Flügel Johannes den Täufer mit dem Lamm Gottes und Maria Magdalena mit einem Salbgefäß; der linke Flügel zeigt eine Märtyrerin mit einem Schwert und Antonius den Eremiten mit Schwein, Glöckchen, Kreuz und Buch. Im geschlossenen Zustand, auf der Alltagsfront, ist die Verkündigung Mariä abgebildet. Die Rückseite des Schreins trägt ein Gemälde des Jüngsten Gerichts. Dieser Tatsache ist zu entnehmen, dass der Altar frei aufgestellt war.[4]
Literatur
- Ev. Kirchengemeinde Haslach (Hrsg.): 200 Jahre Jakobuskirche Haslach. Herrenberg 1992.
- Ev. Kreisbildungswerk und Kath. Bildungswerk Kreis Böblingen, Red. Fritz Heimberger (Hrsg.): Kirchen im Landkreis Böblingen. Verlag Schnell & Steiner, München/Zürich 1990.
- Roman Janssen: Der Haslacher Altar von 1493 – Ausdruck einer Jakobus-Wallfahrt nach Santiago de Compostela. In: Leben mit Vergangenheit. Nr. 5. 2006, 2006, ISSN 1616-9514, S. 279–292.
Weblinks
Einzelnachweise
- ↑ a b Redaktion: Jakobuskirche Haslach. In: Zeitreise BB. 25. April 2018, abgerufen am 10. Januar 2026.
- ↑ Orgelbau Rensch | Orgel Haslach. Abgerufen am 10. Januar 2026.
- ↑ Haslach (bei Herrenberg), Deutschland (Baden-Württemberg) - Evangelische Jakobuskirche. Abgerufen am 10. Januar 2026.
- ↑ a b c Redaktion: Haslacher Altar. In: Zeitreise BB. 25. April 2018, abgerufen am 10. Januar 2026.
- ↑ Ortschronik - Ortsjubiläum Haslach - 1250 Jahre. Abgerufen am 10. Januar 2026.
Koordinaten: 48° 34′ 59,1″ N, 8° 50′ 24,3″ O