Jakobuskirche (Bernhausen)

Die evangelische Jakobuskirche steht in Bernhausen, einem Ortsteil der Großen Kreisstadt Filderstadt im Landkreis Esslingen in Baden-Württemberg. Das Bauwerk ist beim Landesamt für Denkmalpflege Baden-Württemberg als Baudenkmal eingetragen. Die Kirchengemeinde gehört zum Kirchenbezirk Bernhausen der Evangelischen Landeskirche in Württemberg.

Geschichte

Die spätgotische Saalkirche besteht aus einem eingezogenen, dreiseitig geschlossenen Chor im Osten aus dem Jahr 1475, der von Strebepfeilern gestützt wird, dem heutigen Langhaus von 1754 und einem Kirchturm im Westen. Sein unterer Teil ist noch romanisch, das verputzte Fachwerkgeschoss und der Achteck-Dachhelm wurde nach einem Blitzschlag 1680 auf Knaggen aufgesetzt. An der Turm-Nordseite befindet sich in ca. 8 m Höhe eine Türöffnung mit Austrittskonsolen, auf denen im Jahre 1930 ein Balkon angelegt wurde. Der Raum dahinter diente früher möglicherweise als Turmkapelle oder Schatzkammer.[1] Das oberste Geschoss des Kirchturms beherbergt die Turmuhr und den Glockenstuhl mit fünf Kirchenglocken.

Architektur

Der Innenraum des Langhauses ist mit einer Flachdecke überspannt, der des Chors mit einem Sterngewölbe. 1956 wurde unter Leitung des Architekten Hans Seytter ein südlicher Querarm und im Norden bei der Kanzel ein Anbau für das Orgelwerk errichtet.

Ausstattung

Die schlichte Renaissance-Kanzel (Konsole und Schalldeckel original, Kanzelkorb-Felder ersetzt) stammt von Mitte 16. Jahrhundert und hat einen Wandzugang aus der Sakristei.

Glasgemälde

1880 schuf der Ravensburger Glasmaler Eduard Hecht (1828–1895) zwei Farbfenster, ursprünglich für das Kirchenschiff (der Chor war damals mit Orgelempore und Gestühl belegt), jetzt im Turmeingang eingebaut. Dargestellt sind „Die Geburt Jesu“ (Lukas 2,1 - 20) und „Jesus der Kinderfreund“ (Matthäus 19,13 -15).

1960 schuf der Stuttgarter Glasmaler Adolf Valentin Saile nach dem Versetzen der Orgel aus dem Chor drei Farbverglasungen für die Maßwerkfenster. Sie zeigen das dreifache Wirken Gottes: in der Gemeinde des Alten Bundes (Altes Testament), in Jesus Christus (Ostern und Himmelfahrt) und dann in der Gemeinde des Neuen Bundes.

Die sechs Ölgemälde im südlichen Querschiff schuf 1959 Eberhard Frank aus Mühlacker – ein Zyklus zum Gleichnis in Matthäus 25, 31 – 46 (die Werke der Barmherzigkeit). Auf den ersten fünf Tafeln sind die von Jesus erwähnten sechs Nöte dargestellt, wobei die beiden Nöte des Hungers und des Durstes auf der zweiten Tafel zusammengefasst sind. Damit ist die letzte der 6 Tafeln frei, auf der der Künstler – zu den bisher dargestellten 6 äußeren Nöten – nun die innere Not der Verzweiflung hinzufügt.

Ulrich Henn gestaltete 1960 den Bronzedeckel des Taufsteins.

Die Orgel wurde 1958/59 von Orgelbau Friedrich Weigle gebaut, 2007 um-/teilneugebaut und bekam dabei einen neuen Prospekt. Sie verfügt seitdem über 22 Register auf zwei Manualen und Pedal.[2]

Literatur

  • Georg Dehio: Handbuch der deutschen Kunstdenkmäler, Baden-Württemberg I, Regierungsbezirke Stuttgart und Karlsruhe. Deutscher Kunstverlag, München 1993, S. 72.
  • Hansgeorg Kraft: Evangelische Kirchen Bernhausen – Architektur, Geschichte, Kunstwerke, Menschen; hg. Ev. Gesamtkirchengemeinde Bernhausen; Bernhausen 2000
Commons: Jakobuskirche – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. Ulrich Zimmermann: Die Predigtkirche und die Querkirche – Protestantischer Kirchenbau in Württemberg. Eine Studie zur Geschichte und Theologie des Kirchenraums und zur Entstehung zweier Kirchenbautypen; Neulingen 2023, S. 77, Fußnote 299 – ISBN 978-3-949763-29-8
  2. Information zur Orgel auf Organ index, abgerufen am 26. Januar 2024.

Koordinaten: 48° 40′ 48,9″ N, 9° 13′ 7″ O