Jakob Steinmüller
Johann Jakob Steinmüller (* 5. November 1718 in Glarus; † 19. Oktober 1761 ebenda) war ein Schweizer Offizier in fremden Diensten.
Leben
Herkunft und Familie
Steinmüller entstammte einer reformierten Pastorenfamilie pfälzischen Ursprungs, die sich seit 1635 in Glarus niedergelassen hatte. Sein Urgrossvater Gideon kam als Schulmeister in den Hauptflecken; mehrere seiner Nachkommen betätigten sich als Geistliche, Lehrer, Bibliothekar und Arzt. Ein Bruder Steinmüllers, Johann Rudolf († 1782), wurde als Schlosser in den Hexenprozess der Anna Göldi verwickelt und nahm sich, vor dem zu erwartenden Todesurteil, nach Folterungen im Gefängnis das Leben.
Seine Eltern waren der Hintersasse und Hutmacher Gideon (1693–1771) und dessen Ehefrau Ursula (geb. Heer). Am 1. Februar 1760 heiratete Jakob Steinmüller Barbara (1733–1769), Tochter des Arztes und Chor- und Augenscheinrichters Johann Peter Tschudi. Als einziger seiner Familie schlug Jakob die militärische Laufbahn ein.
Frühe Militärdienste und Werdegang
Steinmüller verspürte bereits in früher Jugend eine starke Neigung zum Kriegsdienst. 1737 trat er in das Schweizerregiment des Glarner Obersten Jacobus Brändli in Frankreich ein. Nach dessen vorzeitiger Auflösung wechselte er zum Regiment des Bündner Obersten Rudolf Anton von Salis in Holland. Sein grosses Interesse an fernen Ländern und Ostindien bewog ihn 1741, sich in Rotterdam zur Niederländisch-Ostindischen Kompanie anzumelden. Am 23. September 1741 schiffte er sich ein; nach sechsmonatiger Fahrt erreichte er am 7. April 1742 das Kap der Guten Hoffnung.
Karriere in Ostindien
Aufgrund seiner stattlichen Erscheinung wurde Steinmüller der Leibwache des Gouverneurs zugeteilt und zum Korporal befördert. Als sich Machtkämpfe auf Java zwischen dem von der Kompanie unterstützten Herrscher und dessen Brüdern abzeichneten, meldete er sich freiwillig und erreichte Batavia nach viermonatiger Fahrt. Dort begann seine eigentliche militärische Karriere.
Auf Java geriet Steinmüller in die komplexen militärischen Auseinandersetzungen, welche die javanischen Fürstentümer zerrissen. Der regionale Machtkampf, in welchen die Niederländisch-Ostindische Kompanie zur Sicherung ihrer wirtschaftlichen Position intervenierte, bot Soldaten wie Steinmüller Aufstiegschancen. Die europäischen Kommandanten, die über lokale Truppen sowie europäische Söldner geboten, waren oft zahlen- und technologiemäßig unterlegen, konnten dies aber durch Disziplin und organisatorisches Geschick kompensieren.
In den kriegerischen Auseinandersetzungen zwischen der holländischen Armee und den rebellischen Fürstentümern zeichnete sich Steinmüller durch Mut und militärisches Geschick aus. Seine Beförderungen erfolgten in rascher Folge: 1746 zum Wachtmeister, 1748 zum Aidemajor mit Offiziersrang, 1750 zum Kornet, 1751 zum Leutnant der Kavallerie mit Kapitänsrang und schließlich zum Rittmeister, Major und Feldobersten.
Als Kommandant der örtlichen holländischen Armee an der javanischen Nordostküste, insbesondere in der Region um Samarang, die aus Europäern und eingeborenen Soldaten bestand, konzentrierte Steinmüller seine Anstrengungen auf Nordostjava. Es gelang ihm, die Truppen zu einer disziplinierten Streitmacht zu formen und Kriegsoperationen erfolgreich zu führen. Am 2. März 1757 unterwarf sich der rebellische Prinzenführer Ha-Manko Nagarra bedingungslos, womit das Kriegsziel erreicht war.
Verwaltungstätigkeit und Rückkehr in die Schweiz
Nach Friedensherstellung wurde Steinmüller zum Präsidenten des Justizrates und zum Direktor der Spitäler in der Provinz Samarang ernannt. Er hatte sich neben der holländischen Sprache auch die einheimischen Dialekte angeeignet und sich mit den Rechten und Gebräuchen der javanischen Bevölkerung vertraut gemacht. Nach 18 Jahren Abwesenheit verspürte er jedoch zunehmend den Wunsch, seine Heimat wiederzusehen.
Trotz verlockender Angebote der Ostindischen Kompanie—darunter die Position eines Oberkaufmanns oder Ersten Residenten—bestand er auf seine Rückkehr. Am 18. August 1758 trat er die Heimreise an und erreichte am 23. Juni 1759 Middelburg, wo er aus dem Dienst entlassen wurde. Am 26. August 1759 betrat er wieder schweizerischen Boden. Er brachte ein beträchtliches Vermögen von 90.000 Gulden mit sich — nach damaligem Geldwert ein immenses Vermögen.
Leben in der Heimat und Tod
Mit 40 Jahren war Steinmüller ein begehrter Heiratskandidat. 1760 kaufte er sich für gut 3500 bis 4000 Gulden das Kantonsbürgerrecht Glarus – ein Privileg, das Nichtglarner erwerben konnten, um Besitzrechte und politische Teilhabe zu erlangen.
Das raue Klima der Schweiz, an das sich sein Körper nach langer Tropenwärme nicht mehr gewöhnen konnte, schwächte seine Gesundheit. Wenige Tage vor dem geplanten Einzug in sein neues Haus wurde er krank. Steinmüller starb am 19. Oktober 1761 im Alter von nur 43 Jahren. Er hinterließ seine Witwe, eine halbjährige Tochter und einen posthum geborenen Sohn, der nur drei Monate lebte. Seine Witwe heiratete später den Landvogt Johann Peter Blumer und verstarb 1769.
Literatur
- Jakob Steinmüller. In: Oswald Heer: Historisch-geographisch-statistisches Gemälde der Schweiz. VII. Band: Der Kanton Glarus. St. Gallen und Bern 1846, S. 340–341 (Digitalisat).
- Jakob Winteler: Jakob Steinmüller von Glarus: Oberst und Justizrat auf Java. In: Appenzeller Kalender. Band 245, 1966 (Digitalisat).
- Karin Marti-Weissenbach: Jakob Steinmüller. In: Historisches Lexikon der Schweiz.