Jakob Oswald
Jakob Herbert Oswald (* 1. März 1900 in Marburg; † 7. Februar 1983 in Kiel) war ein deutscher SS-Obersturmführer, Leiter des Referat IV e (Betriebsabwehr) bei KdS Minsk. Im Jahre 1963 wurde er wegen seiner Beteiligung an der Auflösung des Ghettos Minsk angeklagt und verurteilt.
Leben
Jakob Oswald war als Sohn der Elisabeth Oswald unehelich geboren. Nach Besuch der Volksschule in Groß-Zimmern erlernte er das Elektrotechnikerhandwerk. 1923 nahm Oswald an Hitlerputsch teil.[1] Von 1923 bis 1934 lebte er in Österreich und arbeitete dort in seinem Beruf. In den Jahren 1923 und 1924 besuchte er abends die Staatsgewerbeschule in Wien.
Zum 1. November 1930 trat er der NSDAP bei (Mitgliedsnummer 301.598).[2][3] Im September 1932 wurde er Mitglied der SS (SS-Nummer 80.421). Im August 1934 wurde er wegen seiner Zugehörigkeit zur NSDAP aus Österreich ausgewiesen und kehrte nach Deutschland zurück.[1] Er wurde zunächst bei der SS-Verfügungstruppe in Dachau ausgebildet. Im Dezember 1934 übernahm er die Führung eines SS-Sturmes. Von Mai bis August 1935 nahm er an einem SS-Führerlehrgang in Arolsen teil.
Durch Vermittlung der SS fand er dann bei der Firma Berlin-Lübecker Maschinenfabrik Bernhard Berghaus in Lübeck eine Stellung als Leiter des Werksicherheitsdienstes und Ausbilder im Werkluftschutz. Gleichzeitig war er in dem Betrieb für den Sicherheitsdienst des Reichsführers SS (SD) als stellvertretender Abwehrbeauftragter tätig.[4] Am 1. Januar 1940 wechselte er zur Elektro-Akustik in Kiel über, wo er auch als Abwehrbeauftragter des SD fungierte.[1] Hier schied er am 30. November 1942 aus.
Am 28. Dezember 1942 wurde Oswald durch den Polizeipräsidenten in Kiel zum langfristigen Notdienst beim Reichssicherheitshauptamt verpflichtet. Er musste sich Anfang 1943 bei der Sicherheitspolizei in Smolensk melden. Ab Februar 1943 tat er bei dem KdS Minsk Dienst. Im Sommer Im Herbst 1943 nahm er an einer der Massenexekutionen bei Auflösung des Ghettos in Minsk teil. Er war als Schütze an der Grube eingeteilt und erschoss mit seiner Pistole mindestens einen Juden.[1] Bei dieser Aktion wurden der mindestens 500 Männer, Frauen und Kinder erschossen.[5]
Er blieb bei KdS Minsk bis zum Rückzug Ende Juni 1944. Anschließend wurde er in Königsberg an einer Abwehr- und Spionageschule als Lehrer eingesetzt. Bei der Verlegung der Schule geriet er am 21. Januar 1945 in sowjetische Gefangenschaft, aus der er jedoch nach kurzer Zeit entkommen konnte.[4] Mit Erfrierungen kam er alsdann in das SS-Lazarett Berlin-Lichterfelde. Im März 1945 wurde er nach Hause entlassen.
Nach Kriegsende wurde er im Juni 1945 von den Engländern interniert. Er blieb bis zum 12. März 1948 in Internierungshaft. Anschließend arbeitete er bei einer Lübecker Firma, die 1949 zusammenbrach. Am 21. Mai 1963 wurde er wegen Beihilfe zum Mord vom Landgericht Koblenz zu 4 Jahren Zuchthausstrafe verurteilt.[6]
Literatur
- LG Koblenz, 21. Mai 1963. In: Justiz und NS-Verbrechen. Sammlung deutscher Strafurteile wegen nationalsozialistischer Tötungsverbrechen 1945–1966, Bd. XIX, bearbeitet von Irene Sagel-Grande, H. H. Fuchs, C. F. Rüter. Amsterdam : University Press, 1978, Lfd-Nr. 552, JuNSV Bd. XIX, S. 159–317
- Helmut Langerbein: Hitler’s death squads. The logic of mass murder. 1. Auflage. Texas A & M University Press, College Station 2004, ISBN 978-1-58544-285-0.
Einzelnachweise
- ↑ a b c d Helmut Langerbein: Hitler’s death squads. The logic of mass murder. 1. Auflage. Texas A & M University Press, College Station 2004, ISBN 978-1-58544-285-0, S. 111.
- ↑ Bundesarchiv R 9361-IX KARTEI/31391266
- ↑ French L. MacLean: The Field Men: the SS Officers Who Led the Einsatzkommandos – the Nazi Mobile Killing Units. Schiffer Publishing, 1999. ISBN 0-7643-0754-1, S. 93.
- ↑ a b Justiz und NS-Verbrechen. Band XIX, S. 173.
- ↑ Justiz und NS-Verbrechen. Band XIX, S. 252.
- ↑ Justiz und NS-Verbrechen. Band XIX, S. 165.