Jahnstraße 24 (Weimar)
Das Haus Jahnstraße 24 ist eine denkmalgeschützte Villa in der Westvorstadt von Weimar.
Geschichte
Zur Bauzeit hieß die Jahnstraße Wildenbruchstraße.[1] Das Haus wird auch Villa Meyer genannt. Benannt wurde sie nach seinem Bauherrn, dem Verleger Meyer. Die Villa ist ein charakteristisches Beispiel für die Reformarchitektur in Weimar. Sie entstand um 1910 nach dem Entwurf von Rudolf Zapfe. Das Grundstück reichte ursprünglich bis an die William-Shakespeare-Straße heran, bis jedoch 1932 mit dem Bau des südlichen Nachbarhauses dieses geteilt wurde. Deutlich aus der vorderen Bauflucht gerückt, erscheint der zweigeschossige, vollständig unterkellerte und verputzte Backsteinbau an der Straßenseite kompakt und geschlossen, von der Gartenseite allerdings durch verschiedene Anbauten in einer differenzierten Gestaltung. Die kompakte Form wird durch das kräftig hervorkragende Traufgesims akzentuiert; an dem mit Tonziegeln gedeckten Walmdach ist der untere Knick durch ein Profilgesims gekennzeichnet. Die Straßenfassade wurde zurückhaltend durch Putzfelder und Gesimse, durch mehrflügelige Sprossenfenster mit Klappläden und wenige Zierelemente gegliedert; ein risalitartiger Vorbau von mehrfach gebrochenem Grundriss beton die Mittelachse. Der Hauseingang ist an der rechten Achse angeordnet und wird von gekoppelten dorischen Halbsäulen flankiert. Raumstruktur und Ausstattung sind bauzeitlich. Dazu gehören die Dielen- und Parkettfußböden, die Stuckdecken im Parterre, Außen- und Innentüren, die Haupt- und Nebentreppe. Bemerkenswert sind die Bleiglasfenster im Haupttreppenhaus. Erwähnenswert sind zudem die Wandverkleidung im Hauseingang mit eingefärbten Stuccolustro-Platten und die Verkleidung der Heizkörper mit gestanzten und golzbronzierten Blechplatten. Zum Grundstück Jahnstraße 24 gehört ein steinerner Gartenpavillon mit flach geneigtem Walmdach, dessen Eingang sich an der Ostseite befindet.[2] In diesem Hause wohnte der Schornsteinfegermeister Ernst Katzmann, der u. a. Präsident des Reichsstandes des deutschen Handwerks und Mitglied der NSDAP war.[3] Nach der Befreiung des KZ Buchenwald war hier der jüdische Verleger und Buchhändler Werner A. Beckert (1900–1972) ansässig.[4][5]
Einzelnachweise
- ↑ Gitta Günther, Rainer Wagner: Weimar. Straßennamen. RhinoVerlag, Ilmenau 2012, ISBN 978-3-939399-49-0, S. 83.
- ↑ Rainer Müller: Kulturdenkmale in Thüringen: Stadt Weimar, Bd. 4.2.: Stadterweiterung und Ortsteile, E. Reinhold Verlag, Erfurt 2009, S. 761 f.
- ↑ Degeners Wer ist's?, Band 10, 1935, S. 789.
- ↑ Detlef Hoffmann (Hrsg.): Das Gedächtnis der Dinge: KZ-Relikte und KZ-Denkmäler 1945-1995, S. 158 Anm. 20.
- ↑ Volkhard Knigge, Jürgen M. Pietsch, Thomas A. Seidel: Versteinertes Gedenken: das Buchenwalder Mahnmal von 1958, Band 1, S. 13 Anm. 20.
Koordinaten: 50° 58′ 38,5″ N, 11° 18′ 54,9″ O