Jagdschloss Rehefeld
Das Jagdschloss Rehefeld liegt im Ortsteil Rehefeld-Zaunhaus der Stadt Altenberg im Erzgebirge im Freistaat Sachsen (Deutschland).
Geschichte
Das Jagdschloss war ein Geschenk der sächsischen Kronprinzessin Carola an ihren Ehemann, Kronprinz Albert. 1870 kaufte Carola vom Staatsfiskus in Rehefeld ein rund 5000 Quadratmeter großes Gelände. Die Markgräfliche Verwaltung in Dresden gab den Wert des Grundstücks mit 36.960 Mark an. Während des Deutsch-Französischen Kriegs 1870/1871 ließ die Kronprinzessin auf diesem Gelände ein Jagdschloss mit Kavaliershaus und Nebengebäuden bauen und schenkte es ihrem aus dem Krieg heimkehrenden Ehemann; am 19. Juli 1873 übertrug sie ihm das Grundstück offiziell. Im Lauf der 1880er Jahre wurden noch einige weitere Parzellen dazu erworben, sodass das Grundstück auf eine Größe von 6700 Quadratmeter mit einem Versicherungswert von 76.000 Mark anstieg.[1]
1924 verkaufte der Ex-König Friedrich August III. das Jagdschloss für 72.000 Reichsmark zuzüglich 6.650 Reichsmark für Mobiliar und Nebengebäude an die Schwerter-Genossenschaft. Diese Nebenorganisation der Dresdner Freimaurerloge Zu den drei Schwertern und Asträa zur grünenden Raute baute das Jagdschloss zu einem Erholungsheim für ihre Mitglieder um und richtete ein Konferenzzentrum ein. Es wurde ein Speisesaal mit Küche angefügt. Weiterhin wurden auf Kosten der Loge Elektrizität, Zentralheizung und Entwässerung installiert.[2] Insgesamt beliefen sich die Investitionen der Schwerter-Genossenschaft auf 87.000 Reichsmark.
Durch die feindliche Haltung der Nationalsozialisten gegenüber den Freimaurern sah sich die Dresdner Loge Zu den drei Schwertern und Asträa zur grünenden Raute 1933 gezwungen, das Jagdschloss an die Frontkämpferorganisation Stahlhelm zu verpachten. Diese betrieb das Jagdschloss als Frontkämpferheim „Stahlhelm“ unter der Leitung des Geschäftsführers Walter.
Am 31. Juli 1935 wurde die Loge vom NS-Regime verboten. Die Schwerter-Genossenschaft sah sich daraufhin gezwungen, der königlichen Familie das Jagdschloss zum Rückkauf anzubieten. Am 1. Oktober 1935 kaufte Prinz Friedrich Christian von Sachsen das Jagdschloss für 65.000 Reichsmark zuzüglich 15.000 Reichsmark für Mobiliar weit unter dem tatsächlichen Wert zurück.[3]
Ab 1935 betrieb der Prinz als neuer Schlossherr das Jagdschloss zunächst als Pension. Die Leitung des Pensionsbetriebs beließ die Familie von Sachsen in den Händen des Geschäftsführers Walter, der bereits das Stahlhelm-Frontkämpferheim geleitet hatte.
1936 entwickelte Prinz Friedrich Christian den Plan, das Jagdschloss in ein exklusives Jagdhotel umzuwandeln. Um zu erproben, ob dieser Plan wirtschaftlich lohnend ist, wurde im Herbst 1936 vor den im Februar 1937 stattfindenden Deutschen Skimeisterschaften in Altenberg ein Teilumbau des Jagdschlosses durchgeführt. Dabei wurden drei Gasträume im vorderen Teil des Jagdschlosses als Gesellschaftsräume hergerichtet sowie sechs Zimmer des Kavalierhauses als Gästezimmer ausgebaut. Der Erfolg übertraf die Erwartungen. Zahlreiche bekannte Führungskader der Nationalsozialisten und der Wehrmacht strömten während der Skimeisterschaften 1937 ins Jagdschloss, und der Umsatz in den Monaten Januar und Februar 1937 war beachtlich.[4]
Daraufhin entschloss sich Prinz Friedrich Christian zum vollständigen Umbau des Jagdschlosses nach den Plänen des Architekten Ulrich und des Malers Heinrich Bickel in Garmisch. Nach vier Monaten Umbau wurde das Jagdschloss am 28. Juli 1937 als exklusives Jagdhotel wiedereröffnet. Zu den Gästen zählen zahlreiche Prominente, Angehörige des europäischen Hochadels und Führungskader der Nationalsozialisten, darunter Otto Meißner, Gretl Theimer, Harry Piel, der Dresdner Oberbürgermeister Ernst Zörner, Lída Baarová, Wolf Neumeister, Wolfram Humperdinck, Ruth Eweler, Peter Igelhoff, Prinz Friedrich von Hohenzollern und Prinzessin Ileana von Rumänien.[5] Der Betrieb des Jagdschlosses wurde zunächst weiterhin in den Händen des bisherigen Geschäftsführers Walter belassen. In Anbetracht der hohen Investitionskosten wurde ihm jedoch ein Vertrauensmann der markgräflichen Verwaltung als Direktor zugeteilt. Die Zusammenarbeit der beiden war von Anfang an konfliktreich und es kam zu erheblichen Spannungen, die im Dezember 1937 eskalierten. Am 31. Dezember 1937 kündigte Prinz Friedrich Christian inmitten der winterlichen Hochsaison und bei vollem Haus den Pachtvertrag von Walter sowie den Anstellungsvertrag des Direktors Meinert fristlos. Daraufhin übernahmen zunächst Dr. Schmid und der Verwalter Poeschmann von der Markgräflichen Verwaltung provisorisch die Leitung.[6]
Am 5. Februar 1938 wurde die Jagdschloss Rehefeld Hotel-Betriebs-Gesellschaft mbH gegründet, mit ihr ein Pachtvertrag abgeschlossen und die Leitung einem neuen Direktor übertragen. Unter der neuen Leitung blühte der Hotelbetrieb weiter auf.
Am 6. Februar 1942 erfolgte die Beschlagnahme des Jagdschlosses durch die Wehrmachtsinspektion IV in Dresden als Reservelazarett für 120 Verwundete, da durch den Winterfeldzug in der Sowjetunion schnell umfangreiche neue Lazarettkapazitäten geschaffen werden mussten. Der Direktor sowie das meiste Personal des Jagdschlosses wurden für Dienstleistungen im Lazarett dienstverpflichtet.
Nach der Enteignung 1945 diente das Jagdschloss als Ferienheim und seit der Wende als Fortbildungs- und Tagungsstätte der Landes-Polizeischule Sachsen (heute Aus- und Fortbildungsinstitut der Polizei Sachsen, mit Sitz in Bautzen). Zum 1. Januar 2003 übernahm das Staatliche Liegenschaftsamt Sachsen das Jagdschloss und bot es zum Verkauf an. Seither stand der Gebäudekomplex leer und verfiel zunehmend. Lange stand die Immobilie vergeblich zum Verkauf.
Im April 2012 wurde das Schloss überraschend an einen Radebeuler Privatmann verkauft, dessen Absichten für das Schlossgebäude, den um 1930 angebauten Verbindungsbau und die Garagen sowie ein ebenfalls in dieser Zeit entstandenes zweigeschossiges Wohnhaus am Eingang noch nicht bekannt sind.
Architektur
Das malerische, hoch über dem rechten Ufer der Wilden Weißeritz am Waldrand gelegene Jagdschloss wurde bis in das 20. Jahrhundert hinein für Jagdzwecke genutzt.
Es handelt sich um ein zweieinhalbgeschossiges Gebäude mit rechteckigem Grundriss und Walmdach, dem an einer Schmalseite ein dreigeschossiger Turm mit spitzem Pyramidenhelm angefügt ist. Die dem Tal zugewandte Längsseite ist als Hauptansicht des Schlosses durch einen mittigen Risalit akzentuiert, der im Obergeschoss von zwei kleinen rechteckigen, diagonal auf seine Kanten gesetzten Erkern flankiert wird. Die Erker tragen ebenfalls spitze Pyramidenhelme, zwischen denen ein Dachhaus mit Schopfwalmdach und Sprengwerk zur Betonung der Mittelachse beiträgt.
Das Erdgeschoss beherbergte ursprünglich einen Speisesaal und das orientalisch tapezierte Rauchzimmer. Im Obergeschoss befanden sich das Empfangszimmer und das Kabinett der Kronprinzessin und späteren Königin.
Im Schloss waren mehrere Geschenke ausgestellt, die das kinderlose Paar Carola und Albert zu ihrer Silberhochzeit 1878 erhalten hatte, darunter mehrere wertvolle Bilder. Die zum Jagdschloss gehörige kleine Kapelle wurde erst 1879 nach Plänen einer Münchener Kunstanstalt errichtet. Bei Abwesenheit des Königspaars konnte das Jagdschloss durch die Bevölkerung gegen Entrichtung eines Trinkgelds besichtigt werden.
Literatur
- Jagdschloß Rehefeld und das Thal der oberen Freiberger Mulde. In: Leipziger Zeitung, Jahrgang 1894, Nr. 181.
Weblinks
Einzelnachweise
- ↑ Aufzeichnungen der Markgräflichen Verwaltung, Dresden
- ↑ Grundbucheintragungen zum Jagdschloss Rehefeld „Schwerter-Erholungsheim“, Sächsisches Hauptstaatsarchiv Dresden
- ↑ Aufzeichnungen der Markgräflichen Verwaltung, Dresden
- ↑ Aufzeichnungen der Markgräflichen Verwaltung, Dresden
- ↑ Auszüge aus der Gästeliste des Jagdschlosses in den Jahren 1938–1941
- ↑ Aufzeichnungen der Markgräflichen Verwaltung, Dresden
Koordinaten: 50° 43′ 49,7″ N, 13° 42′ 9,2″ O