Jacob Mühlrad

Jacob Mühlrad (* 9. April 1991 in Stockholm) ist ein schwedisch-jüdischer Komponist. Er schreibt Kammer-, Orchester- und Chormusik. Zudem erarbeitet er genreübergreifende Projekte beispielsweise mit der schwedischen Rapperin Silvana Imam und mit der Pop-Gruppe Swedish House Mafia.[1] Weiter verbindet er „in emotionalen Kompositionen sein jüdisches Erbe mit einer zeitgenössischen Musik.“[2] 2025 komponierte Mühlrad erstmals die Musik zum Bankett der Verleihung der Nobelpreise in Stockholm.[3]

Leben und Werk

Seinen persönlichen Weg in die Musik und in die Komposition fand er im Alter von 15 Jahren, als er einen defekten Synthesizer entdeckte, diesen mit seinem Vater reparierte und dann erste Musikerfahrungen sammelte. Er lernte auf diesem Instrument autodidaktisch das Klavierspiel und wurde dann Schüler des schwedischen Pianisten Staffan Scheja und des serbisch-schwedischen Komponisten Djuro Živković. Er stieg in den Bereich der Komposition ein und nahm privaten Kompositionsunterricht bei Sven-David Sandström. Er studierte dann zwei Jahre Komposition an der „Gotland School of Composition“ und anschließend in einem Master-Studiengang am „Royal College of Music“ in Stockholm sowie am „Royal College of Music“ in London. Darüber hinaus studierte er als Jugendlicher Tora, Talmud und Kabbalah.[1]

Das ursprünglich für das „Sofia Vokalensemble“ geschriebene Chorwerk „Anim Zemirot“ (2013) verhalf Mühlrad zum internationalen Durchbruch. Das Werk wurde ins Repertoire zahlreicher europäischer Spitzenchöre aufgenommen.[1] 2015 folgte „Nigun“ für Doppelchor ohne Begleitung und „Tekiah“ für Blasorchester.[1] Mit „Kaddish“ (2017) verarbeitete Mühlrad seinen persönlichen Bezug zum Holocaust, den sein Großvater in den Konzentrationslagern von Auschwitz und Bergen-Belsen überlebt hatte.[1] Mühlrads Werk wurde zunehmend auch international bekannt. Dies zeigt zum Beispiel sein umfangreiches Chorwerk „Time“, das gemeinsam von der Cappella San Francisco, dem WDR Rundfunkchor Köln, dem Schwedischen Rundfunkchor und dem Tapiola Chamber Choir beauftragt wurde.[1] Mit dem Orchesterstück „Angelus Novus“ (2017) ging Martin Fröst im Rahmen seines „Retropia“-Projekts auf Welt-Tournee.[1]

In seinem ersten großen Orchesterwerk „REMS“ (Rapid Eye Movement Sleep, 2021) erforschte Mühlrad das Phänomen Traum. Dieses Werk verarbeitet Motive aus jüdischen Gebeten, aus Wiegenliedern und indischen Ragas, „die im orchestralen Atemfluss aufscheinen und sich wieder auflösen.“[2] Für sein neuestes Klarinettenkonzert „SEMA“ (2024), vom Swedish Radio Symphony Orchestra unter Martin Fröst mit dem schwedischen Klarinettisten Magnus Holmander uraufgeführt, ließ Mühlrad sich von einer Choreografie des gleichnamigen Sufi-Tanzrituals inspirieren.[2]

Jacob Mühlrads Werke sind im Gehrmans Musikförlag und bei Universal Music Publishing erschienen. Seit 2023 werden sie von Bosworth Music verlegt.[2]

Einzelnachweise

  1. a b c d e f g Stage+ (Deutsche Grammophon): Jacob Mühlrad.
  2. a b c d Karsten Witt: Jacob Mühlrad.
  3. Matthias Nöther (SWR): Komponist des Soundtracks zum Nobelpreis-Bankett: Jacob Mühlrad (archive.org). 10. Dezember 2025, abgerufen am 20. Dezember 2025.