Jack de Vries (Musiker)

Jack de Vries (* 24. August 1906 in Amsterdam; † 28. Dezember 1976 in Antwerpen) war ein niederländischer Jazzmusiker (Sousaphon, Kontrabass, auch Posaune) und Bandleader.

Leben und Wirken

Jack de Vries, der Bruder von Louis de Vries und Clara de Vries, lernte zunächst Sousaphon und spielte in der Fanfare Excelsior seines Vaters Arend de Vries (1882–1942), der im Hauptberuf Textilhändler war. Mit 13 Jahren besuchte er die Musikschule in Rotterdam. 2024 spielte er wie sein Bruder Louis bei Oscar Logans Original Savanians, dann bei den Excello’s Five (erste Aufnahmen). 1926 trat er den Original Ramblers bei. Anfang 1927 spielte er bei Gregor and his Versatile Players, um sich dann mit seinem Bruder der Revue Nou Nog Mooier von Louis Bouwmeester anzuschließen; fast ein halbes Jahr lang musizierten sie im Orchester der Revue, die überall in den Niederlanden gezeigt wurde. 1928 leitete er die Midnight Rounders, tourte aber auch mit Kai Ewans in Belgien und Frankreich. In Berlin begann er dann bei den Bands von Oscar Joost und Dajos Béla. Im Frühjahr 1929 trat er mit Teddy Sinclairs Savoy Orpheans in Prag, Wien und Budapest auf, gehörte dann als Aushilfe zur Band von Marek Weber, bevor er wieder bei Kai Ewans wirken konnte. Zusammen mit einigen Musikern aus Rotterdam gründete Jack die von ihm geleiteten Harrisons, mit denen er in Berliner Cafés auftrat. In dieser Zeit nahm er Unterricht beim Solobassisten der Berliner Philharmoniker, um auf den Kontrabass zu wechseln und stärker gefragt zu sein.[1]

1930 spielte de Vries bei Carlo Minari und bei der Kapelle Eddy Wallis. Auch ist er in dem Film „Bomben auf Monte Carlo“ mit Hans Albers und Heinz Rühmann, der 1930 aufgenommen wurde, zu sehen. Dann kehrte er wegen des beginnenden Naziterrors in die Niederlande zurück, wo er 1931 wieder bei den Ramblers wirkte.[1] 1932 gründete er als Kontrabassist eine eigene Band mit dem Geiger Mitchell Novomiast (Jack and Mitchell’s International Band). Ende des Jahres wurde sie, nachdem sein Bruder Louis dazustieß, in Jack and Louis International Band umbenannt. 1934 tourten die Internationals in Belgien und der Schweiz und wurden sehr bekannt. Es kam zu Auftritte mit Ella Logan und Nat Gonella, dann auch mit Valaida Snow. In Zürich jammte de Vries im selben Jahr mit Louis Armstrong. Anfang Januar 1935 kehren The Internationals in die Niederlande zurück. Coleman Hawkins spielte mehrere Abende lang unentgeltlich mit. Auch trat Django Reinhardt zwei Wochen mit dem Orchester auf. Seine Schwester Clara, ebenfalls Trompeterin, ersetzte Louis nach dessen Unfall 1935 zunächst in der Band. Um sich weiterhin auf Jazz konzentrieren zu können, lehnten The Internationals es ab, beim niederländischen Radio VARA als Hausorchester zu fungieren. Schallplatten-Aufnahmen entstanden 1933 bei Kristall, 1934 bei Cinetone und 1937 bei Rhythme. The Internationals waren im Juni und Juli 1939 im VARA-Radio zu hören. Kurz vor Ausbruch des Krieges spielten die Sängerin Valaida Snow und der Tenorsaxophonist George Johnson noch in der Band. Nach der deutschen Besetzung der Niederlande nahmen die Internationals noch mit Anny Xhofleer in Brüssel auf. Dann wurden sie verboten.[1]

De Vries wurde aufgrund seiner Herkunft nach den NS-Rassengesetzen als „jüdisch“ diskriminiert. Ihm wurde nur noch erlaubt, ein Orchester mit ausschließlich jüdischen Musikern zu gründen. Als aufgebrachte Anhänger der Nationaal-Socialistische Beweging während dessen Auftritts die Fenster des Café-Restaurants De Kroon auf dem Rembrandtplein einschlugen, flohen die Musiker ohne ihre Instrumente auf die Straße. Vorläufig konnten sie sich so retten. Ab November 1941 gehörte de Vries zum Jüdischen Symphonieorchester, das ausschließlich Musik jüdischer Komponisten vor einem ausschließlich jüdischen Publikum aufführen durfte.[1] Am 29. September 1943 wurde er bei der letzten großen Razzia gegen Juden in Amsterdam ergriffen, um mit seiner Frau und dem gemeinsamen Sohn ins KZ Auschwitz deportiert zu werden. Von ihnen getrennt überlebte er als Mitglied des Lagerorchesters den Holocaust. Als de Vries im Juli 1945 in die Niederlande zurückkehrte, war er der einzige Überlebende seiner Familie.[1]

De Vries gründete eine neue Band namens Internationals, die bis Ende des Jahres 1945 fast durchgängig auftrat. Auch entstanden zahlreiche Platten für die Decca. Er fand aber keine Freude mehr an seinem Spiel und seinen Auftritten. 1949 löste er die Band auf. Er zog nach Antwerpen, wo er wieder heiratete und eine neue Familie gründete. De Vries starb am 28. Dezember 1976 in Antwerpen.[1]

Literatur

  • Wim van Eyle u. a.: Jazz & Geimproviseerde Muziek in Nederland, Het Spectrum 1978, S. 152.

Einzelnachweise

  1. a b c d e f Jack de Vries de nestor van de contrabas. In: Jazzradar. 14. September 2023, abgerufen am 18. November 2025 (niederländisch).