Jānis Balodis
Jānis Balodis (* 20. Februar 1881 in der Gemeinde Trikāta bei Mūrmuiža, Russisches Kaiserreich; † 8. August 1965 in Saulkrasti, Lettische Sozialistische Sowjetrepublik) war ein lettischer Militär und Politiker. Er spielte eine wichtige Rolle beim lettischen Unabhängigkeitskrieg und war später Kriegsminister.
Leben
Jugend und Erster Weltkrieg
Jānis Balodis’ Vater war Lehrer in der Gemeinde Trikāta im damaligen Gouvernement Livland. Nach seinem Abschluss an der Junkers-Schule in Vilnius im Jahr 1902 wurde Jānis Balodis zum Oberstleutnant befördert und dem 100. Ostrova-Infanterieregiment zugeteilt. 1905 nahm er am Russisch-Japanischen Krieg teil und setzte nach dessen Ende seinen Dienst im 106. Ufa-Infanterieregiment in Vilnius fort. Im Februar 1915 wurde Hauptmann Jānis Balodis im Ersten Weltkrieg bei Grodno verwundet und von den Deutschen gefangen genommen.
Lettischer Unabhängigkeitskrieg
Nach seiner Entlassung aus der Gefangenschaft trat Balodis am 1. Dezember 1918 in die Streitkräfte der Lettischen Provisorischen Regierung ein und wurde Kommandeur der Offiziersreservekompanie (später 1. Unabhängigkeitskompanie). Er nahm an den ersten Gefechten bei Lielauce, Skrunda und an der Venta teil. Am 28. Februar 1919 wurde er aufgrund seiner Verdienste im Kampf zum Generalmajor (Oberstleutnant) befördert.
Nach dem Tod von Oberst Oskars Kalpaks wurde Jānis Balodis zum Kommandeur des 1. Lettischen Separaten Bataillons (später Brigade) ernannt und kurz darauf – am 21. März 1919 – zum Oberst befördert. Am 31. März wurde das Bataillon zur Brigade Balodis (auch südlettische Brigade) aufgestockt. Diese führte Balodis in den Kämpfen um Kurland. Militärisch war die Formation Teil der Baltischen Landeswehr und erhielt Besoldung, Uniformen und Bewaffnung vom Deutschen Reich. Politisch unterstützte Balodis jedoch die lettische bürgerliche Regierung. Er missbilligte den Baltenputsch vom 16. April 1919, verhielt sich aber loyal zur späteren Regierung von Andrievs Niedra. Nach der Einnahme Rigas am 22. Mai 1919 marschierte die Brigade in den Raum Ērgļi und machte Front nach Osten, wohin sich Reste der Armee Rätelettlands zurückgezogen hatten. Im Juni 1919 kam es zu den Kämpfen zwischen der Landeswehr und der Estnischen Republik (einschließlich des lettischen Nordkorps). Balodis verhielt sich abwartend und erklärte seine Neutralität. Nach dem Frieden von Strasdenhof am 3. Juli 1919 zog die Brigade Balodis zusammen mit dem lettischen Nordkorps in Riga ein. Die Brigade wurde zur Kurländischen Division umgebildet. Balodis wurde zum General ernannt und war einer von vier Divisionskommandeuren der neuen lettischen Armee. Bei der Abwehr der Bermont-Armee im Oktober 1919 war Balodis der Oberbefehlshaber aller lettischen Streitkräfte.[1] Er führte 1920 die Offensive in Lettgallen gegen die Rote Armee bis zum Waffenstillstand mit der Sowjetunion. Danach quittierte er den Dienst.
Lettische Republik
1925 wurde Balodis in das Parlament gewählt. Von 1931 bis 1940 war er Kriegsminister. 1934 beteiligte er sich am Staatsstreich von Kārlis Ulmanis. Er warb für eine Politik der Annäherung an die Sowjetunion, um die Unabhängigkeit Lettlands zu sichern, konnte sich jedoch nicht gegen Ulmanis durchsetzen.
Deportation nach Russland
Nach der Besetzung Lettlands durch die Rote Armee im Sommer 1940 wurde Balodis am 30. Juli 1940 verhaftet und nach Russland deportiert.[2] Nach Ausbruch des Deutsch-Sowjetischen Krieges wurde er interniert. Auch nach Kriegsende wurde er nicht freigelassen, sondern 1946 in ein Gefängnis in Iwanowo verlegt. 1952 wurde er als „gefährlicher Verbrecher“ zu 25 Jahren Gefängnis verurteilt und in das Sondergefängnis des Ministeriums für Staatssicherheit in Wladimir (Stadt) verbracht. Im Zuge der Entstalinisierung wurde er 1956 entlassen. Er durfte nach Lettland heimkehren.
Jānis Balodis starb 1965 im Alter von 84 Jahren.
Literatur
- Inta Pētersone (Hrsg.): Latvijas Brīvības cīņas 1918–1920. Enciklopēdja. Preses nams, Riga 1999, ISBN 9984-00-395-7.
- Igors Vārpa: Latviešu karavīrs zem Krievijas impērijas, Padomju Krievijas un PSRS karogiem. Latviešu strēlnieki triju vēstures laikmetu griežos. Nordik, Riga 2006, ISBN 9984-792-11-0.
Fußnoten
- ↑ Walter Duranty: Letts Protest Against Allied Order. To Halt Pursuit of Beaten Germans. In: The New York Times, 26. November 1919, S. 1.
- ↑ Vanda Zariņa: Rīgas domnieki laikmeta līkločos. Rīgas dome, Riga 2019, ISBN 978-9984-31-148-7, S. 220 (lettisch).