Jürgen Wiefel

Jürgen Wiefel (* 10. März 1952 in Leipzig) ist ein ehemaliger deutscher Sportschütze und Trainer. Er gewann mit der Schnellfeuerpistole zwei olympische Silbermedaillen für die DDR.

Wiefel startete seit 1971 für den Klub für Sportschießen Leipzig. 1972 belegte er den dritten Platz bei der DDR-Meisterschaft, 1973 war er Vizemeister und 1975 gewann er seinen ersten Meistertitel in der olympischen Schießsportdisziplin mit der Schnellfeuerpistole.[1] Bei den Europameisterschaften 1975 in Madrid war der 4. Platz seine bis dato beste internationale Platzierung und damit Ausgangspunkt zur Berufung als Olympiakader für 1976. Bei den Olympischen Spielen 1976 in Montreal belegte er mit 596 Ringen den zweiten Platz. Nach seinem Start hielt Wiefel für 30 Minuten den Olympischen Rekord in seiner Disziplin doch nach ihm startete noch sein Landsmann Norbert Klaar. In seiner Sternstunde verbesserte dieser sein Leistungniveau, schoß einen Ring mehr als Wiefel und wurde mit 597 Ringen Olympiasieger und Rekordhalter. Nach der olympischen Silbermedaille und zwei weiteren Meistertiteln 1977 und 1978 und der Vizemeisterschaft 1979 startete Wiefel 1980 in Moskau das zweite Mal bei Olympischen Spielen. Mit dem Rumänen Corneliu Ion, dem Österreicher Gerhard Petritsch und Jürgen Wiefel erreichten drei Schützen im Wettkampf 596 Ringe, die Medaillen wurden deshalb im Stichkampf ausgeschossen. Im ersten Stechen erzielten Ion und Wiefel 148 Ringe, Petritsch erhielt für 146 Ringe die Bronzemedaille. Nachdem Ion und Wiefel im zweiten Stechen beide 147 Ringe erzielt hatten, entstand eine große intensive Diskussion ob vielleicht zwei Goldmedaillen vergeben werden könnten. Nach der Ablehnung entschied Ion das dritte Stechen mit 148 zu 147 für sich; Jürgen Wiefel hatte seine zweite Silbermedaille gewonnen. 1981 belegte Wiefel bei der Europameisterschaft den vierten Platz, 1982 und 1983 war er DDR-Meister. Seine dritte Olympiateilnahme verpasste Wiefel 1984 durch den Olympiaboykott. Jürgen Wiefel gehörte zwar auch in den folgenden Jahren noch zu den besten DDR-Schützen mit der Schnellfeuerpistole, aber mittlerweile war der neue Mann des GST-Klubs Leipzig, Ralf Schumann, der dominierende Schütze in dieser Disziplin. In Vorbereitung auf die Olympischen Spiele 1988 in Seoul (Südkorea) wurde Wiefel als Olympiakader berufen. Als beständig zweiter Leistungsträger nach Schumann fehlten ihm in der Qualifikation April 1988 in Budapest zwei Ringe zur Zielerfüllung. Daraufhin wurde er nicht als Teilnehmer an Olympia berufen und ein leistungschwächerer Sportler nahm seinen Platz ein. Diese völlig unklare und unverständliche Entscheidung führte unmittelbar zum Ende seiner leistungssportlichen Karriere nach 17 Jahren. Da ja für alle Reisekader der DDR Akten bei der Staatssicherheit geführt wurden, konnte Wiefel seine 2000 in deren ehem. Räumen einsehen. Dabei wurde ersichtlich, dass er 1987 auffällig geworden war mit einem Brief nach Westdeutschland und nun über drei Jahre von 13 Spitzeln dieser „Institution“ überwacht wurde. Dieses führte 1988 zum Ausschluss aus dem Olympiakader.

Wiefel ist gelernter Karosseriebaufacharbeiter. Nach der Wende war Wiefel maßgeblich an der Gründung des Sächsischen Schützenbundes e.V. im Bundesland Sachsen beteiligt und war hier (1991 bis 1994) und danach beim Badischen Sportschützenverband (1994 bis 1996) als Geschäftsführer tätig. Als Trainer im Olympiastützpunkt Erfurt war er von 1999 bis 2000 für den Thüringischen Schützenbund tätig und trainierte am Bundesleistungsstützpunkt in Suhl Ralf Schumann (olympische Schnellfeuerpistole) in Vorbereitung auf die olympischen Wettkämpfe in Sydney 2000. Danach folgten Honorar-Trainertätigkeiten beim Deutschen Schützenbund und Westfälischen Schützenbund. In der Gesamtheit der Berufstätigkeiten war die Zeit zwischen 1996 und 2013 von sieben unterschiedlich langen Abschnitten der Arbeitslosigkeit gekennzeichnet. Nach der Vereinszugehörigkeit bei der Leipziger Schützengesellschaft e.V. (1990 bis 1998) wechselte Wiefel zum Schützenverein "Knauthainer Löwen" (Leipzig) und ist hier weiterhin als Hobby-Sportschütze aktiv. Als solcher errang er 2002, für den SV Chemnitz schießend, seinen ersten Deutschen Meistertitel in der Disziplin Schnellfeuerpistole (Altersklasse) mit 572 Ringen. Zehn Jahre danach, im Oktober 2012, erkämpfte er für seinen Stammverein Knauthain den zweiten Meistertitel. Nun in der Disziplin Luftpistole (Auflage) Klasse Senioren A mit 294 von 300 möglichen Ringen. Ringgleich mit drei weiteren Schützen siegte er aufgrund seiner besseren letzten 10er Serie ( 96,99,99). Ab 2006 führte Wiefel als Coach erfolgreich die Nationalmannschaft des Dt. Schützenbundes in den ISSF-Disziplinen Standardpistole und Zentralfeuerpistole zu den Europacup-Wettkämpfen. Diese Ära endete nach einem Beschluss des Deutschen Schützenbundes im Jahr 2018. Nunmehr als Ruheständler ist er noch als Skandinavienfan von Norwegen bis Finnland mit dem Caravangespann unterwegs.

Auszeichnungen

Literatur

  • Volker Kluge: Lexikon Sportler in der DDR. Verlag Neues Leben, Berlin 2009, ISBN 978-3-355-01759-6.
  • Volker Kluge: Olympische Sommerspiele. Die Chronik III. Mexiko-Stadt 1968 – Los Angeles 1984. Sportverlag Berlin, Berlin 2000, ISBN 3-328-00741-5.

Einzelnachweise

  1. DDR-Meisterschaften
  2. a b c d Beck, Hans-Joachim: Sportschiessen in der DDR von den Anfängen bis 1990. Hrsg.: Deutscher Schützenbund e.V. Wiesbaden 2002, S. 478.
  3. Von der Ehrung für die Olympiamannschaft der DDR. Hohe staatliche Auszeichnungen verliehen. Vaterländischer Verdienstorden in Bronze. (pdf) In: Neues Deutschland. ZEFYS Zeitungsportal der Staatsbibliothek zu Berlin, 10. September 1976, S. 4, abgerufen am 10. April 2024 (kostenfreie Anmeldung erforderlich).
  4. Neues Deutschland, 22. August 1980, S. 4.
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