Jürgen Schüddekopf

Jürgen Schüddekopf (* 10. Januar 1909 in Weimar; † 2. März 1962 in Hamburg) war ein deutscher Journalist.

Leben

Schüddekopf war der Sohn des Germanisten und Schriftstellers Carl Schüddekopf. Von 1929 bis 1934 studierte er Germanistik, Kunstgeschichte und Soziologie in Leipzig, München und Breslau. Nach seiner Promotion wechselte er zum Journalismus und arbeitete zunächst als freier Mitarbeiter für verschiedene Blätter.[1] Danach war er Redaktionsmitglied für den Bereich Feuilleton der Deutschen Allgemeinen Zeitung,[2] bevor er als Redakteur von 1940 bis 1945 (mit Unterbrechungen)[1] bei der Zeitschrift Das Reich als Schriftleiter für das Ressort „Kultur“ tätig war.[3] Er selbst schrieb für die Zeitschrift fast ausschließlich Filmrezensionen.[1]

Schüddekopf war am 1. Juni 1935 in die NSDAP eingetreten. Bereits ab 1933 wirkte er ehrenamtlich als Lektor der Reichsstelle zur Förderung des deutschen Schrifttums tätig. Nachdem einige seiner Filmrezensionen für die Zeitschrift Das Reich auf Missfallen stießen, wurde er 1941 wegen „Gegensatzes zur NS-Kulturpolitik“ an die Ostfront einberufen.[1] Bis 1943 war er Kriegsberichterstatter in der Propagandakompanie 612.[1] 1945 war er Zensur-Offizier im Amt von Wilhelm Canaris.[3]

Nach Kriegsende konnte Schüddekopf trotz seiner NS-Verbindung bald in seinem Beruf weiterarbeiten, nachdem er im Rahmen der Entnazifizierung einen an ihn adressierten Drohbrief aus dem letzten Kriegsjahr als Persilschein vorgewiesen hatte.[4] Er ging nach Hamburg, wo er für das Ressort „Feuilleton“ bei der damals britischen Zeitung Die Welt arbeitete, zunächst unter dem Pseudonym O. Blomow.[1][4] Ab 1945 arbeitete er 1945 als freier Redakteur beim NWDR. 1947 übernahm er dort die Leitung des Nachtprogramms aus dem Funkhaus Hamburg.[5] Vom 1. Dezember 1956 bis zu seinem Tod leitete er das dritte Hörprogramm des dritten Rundfunkprogramms des NDR. Von den Ansprachen zum Sendestart ist eine Tonaufnahme erhalten, auf der auch seine Stimme zu hören ist.[6] Schüddekopf selbst trat literarisch in verschiedenen Herausgeberschaften und mit Übersetzungen in Erscheinung.

Jürgen Schüddekopf starb am 2. März 1962 in Hamburg. Siegfried Lenz attestierte ihm in einem Nachruf in der Zeitung Die Zeit eine große Kennerschaft der Literatur.[7]

Einzelnachweise

  1. a b c d e f Monika Boll: Nachtprogramm: intellektuelle Gründungsdebatten in der frühen Bundesrepublik. LIT Verlag Münster, 2004, ISBN 978-3-8258-7108-6, S. 63 ff. (google.de [abgerufen am 21. Dezember 2025]).
  2. Zeitgeschichte in Hamburg 2013. (PDF) In: Forschungsstelle für Zeitgeschichte in Hamburg (FZH), wissenschaftliche Einrichtung der Universität Hamburg. S. 60, abgerufen am 24. Dezember 2025.
  3. a b Jürgen Schüddekopf. (PDF) In: "Hier spricht Hamburg" - Hamburg in der Nachkriegszeit. Stadt Hamburg: Behörde für Bildung und Sport, Amt für Bildung, Landeszentrale für politische Bildung, S. 89, abgerufen am 23. Dezember 2025.
  4. a b Christina von Hodenberg: Die Ära der eingehegten Kritik 1945-1957. In: Konsens und Krise: eine Geschichte der westdeutschen Medienöffentlichkeit, 1945-1973. Wallstein Verlag, 2006, ISBN 978-3-8353-0029-3, S. 126 (google.de [abgerufen am 24. Dezember 2025]).
  5. Sammlung Schüddekopf, Jürgen (1909-1962) - Manuskript und Pressemeldungen zu seinem Tod und zum Tod von Gerhard Bahlsen, Chr. E. Lewalter, Peter von Haselberg (Bestand) in der Deutschen Digitalen Bibliothek
  6. Ansprachen zum Sendestart des 3. Hörfunkprogramms am 01.12.1956. In: NDR. Abgerufen am 21. Dezember 2025.
  7. Siegfried Lenz: Jürgen Schüddekopf. In: Die Zeit. 9. März 1962, ISSN 0044-2070 (zeit.de [abgerufen am 21. Dezember 2025]).