Jürgen Kleine-Frauns

Jürgen Kleine-Frauns (* 10. April 1967 in Neuenkirchen) ist ein deutscher Jurist und parteiloser Kommunalpolitiker. Er war von Oktober 2015 bis Oktober 2025 hauptamtlicher Bürgermeister der Stadt Lünen (Nordrhein-Westfalen).

Leben

Kleine-Frauns studierte von 1986 bis 1992 Rechtswissenschaft an den Universitäten in Münster und Nijmegen. Nach dem Ersten Juristischen Staatsexamen absolvierte er das Referendariat an der Hochschule für Verwaltungswissenschaften in Speyer, in der Abteilung für Kommunale Angelegenheiten im NRW-Innenministerium und beim Oberverwaltungsgericht für das Land Nordrhein-Westfalen. 1995 legte er das Zweite Juristische Staatsexamen ab.

Kleine-Frauns war ab 1995 als Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrstuhl für Verwaltungsrecht an der Universität Düsseldorf und im Anschluss in gleicher Funktion am Kommunalwissenschaftlichen Institut der Universität Münster tätig. Er verlegte 1997 seinen Wohnsitz nach Lünen und erhielt ein Jahr später die Zulassung als Rechtsanwalt. Im Jahre 2000 wurde er Teilhaber einer Lüner Anwaltskanzlei, in der er ab 2004 als Fachanwalt für Steuerrecht und ab 2007 als Fachanwalt für Arbeitsrecht praktizierte. Gleichzeitig übernahm er als Geschäftsführer die Leitung einer Steuerberatungsgesellschaft. Seit 2009 ist er selbständiger Rechtsanwalt mit eigener Kanzlei in Lünen-Brambauer.

Kleine-Frauns war zunächst Mitglied der SPD, für die er 1999 für das Bürgermeisteramt in der Gemeinde Neuenkirchen kandidierte. 2013 verließ er die Sozialdemokraten und wechselte zur Wählergemeinschaft Gemeinsam für Lünen (GFL) über.[1] Seit 2014 war er für die GFL, die ihn 2015 als Kandidaten für die Wahl zum Lüner Bürgermeister nominierte, Mitglied im Stadtrat. Aus der GFL ist er nun ebenfalls ausgetreten.

Bei den Kommunalwahlen am 13. September 2015 entfielen im ersten Wahlgang 33,07 % der gültigen Stimmen auf Kleine-Frauns, 37,01 % auf Rolf Möller (SPD) und 19,87 % auf Arno Feller (CDU).[2] In der darauf folgenden Stichwahl am 27. September 2015 stimmten 63,32 % der Wähler für Kleine-Frauns, während Gegenkandidat Möller 36,68 % der gültigen Wählerstimmen erhielt. Mit 32,11 % war die Wahlbeteiligung bereits im ersten Urnengang niedrig.[3]

Am 21. Oktober 2015 übernahm Kleine-Frauns das Bürgermeisteramt von Hans Wilhelm Stodollick (SPD). Zu den Kommunalwahlen am 13. September 2020 trat er als unabhängiger Kandidat ohne Unterstützung der GFL wieder an. In der Stichwahl am 27. September 2020 gewann er knapp gegen seinen Konkurrenten von der SPD Rainer Schmeltzer mit 51,14 Prozent (Stimmen absolut: 10.282 ggü. 9.824).[4]

Jürgen Kleine-Frauns ist verheiratet und hat zwei Kinder.

Kontroversen

Nachdem Kleine-Frauns am 21. Oktober 2015 das Amt des Bürgermeisters übernahm, forderte er die zuständige Abteilung in der Stadtverwaltung dazu auf, ein ihm auferlegtes Bußgeld wegen Falschparkens in seiner Zeit als Ratsherr fallen zu lassen. Er schickte den Bußgeldbescheid mit dem Vermerk "Zahle ich nicht" zurück an die Bußgeldstelle, woraufhin das Verfahren eingestellt wurde. Über diesen Vorgang und dessen Folgen wurde im Anschluss unter anderem in der Bild-Zeitung überregional berichtet.[5]

Ebenfalls deutschlandweit berichtet wurde über Kleine-Frauns im Zusammenhang mit den Vorwürfen des sexuellen Missbrauchs Minderjähriger und dem Besitz kinderpornografischen Materials durch den stellvertretenden Bürgermeister der Stadt Lünen, Daniel Wolski. Kleine-Frauns wurde am 18. Januar 2023 per E-Mail von einer dritten Person darüber informiert, dass sein Stellvertreter Wolski Chat-Kontakte zu Minderjährigen halte und diesen für Treffen Geld angeboten habe. Daraufhin informierte Kleine-Frauns seinen Stellvertreter über diese Vorwürfe und verschob die E-Mail anschließend in den Papierkorb.[6]

Am 26. Oktober 2023 wurde der stellvertretende Bürgermeister Wolski wegen sexuellen Missbrauchs Minderjähriger und dem Besitz kinderpornografischen Materials verhaftet und trat im Anschluss zurück. Das Bochumer Landgericht sah die Vorwürfe als erwiesen an, Wolski wurde im Dezember 2025 zu 3 Jahren und 3 Monaten Haft verurteilt. Das Büro des damaligen Bürgermeisters Kleine-Frauns wurde im Dezember 2023 von der Kriminalpolizei Dortmund wegen des Verdachts der Verletzung eines Dienstgeheimnisses und der Strafvereitlung im Amt durchsucht.[7]

Am 18. November 2025 wurde Kleine-Frauns in der Verhandlung am Amtsgericht Lünen von sämtlichen Vorwürfen freigesprochen.[8]

Einzelnachweise

  1. Peter Fiedler: Ex-SPD-Chef Kleine-Frauns wechselt zur Wählergemeinschaft GFL. In: Westdeutsche Allgemeine Zeitung. Funke Mediengruppe, 2. Mai 2013, abgerufen am 12. Januar 2016.
  2. Vorläufiges Wahlergebnis in Lünen. Möller und Kleine-Frauns gehen in die Stichwahl. In: Ruhr Nachrichten. 13. September 2015, abgerufen am 12. Januar 2016.
  3. Entscheidung in Lünen. Kleine-Frauns neuer Bürgermeister. auf antenneunna.de, 27. September 2015, abgerufen am 12. Januar 2016.
  4. Amtliches Ergebnis der Bürgermeisterstichwahl in Lünen am 27. September 2020
  5. Knöllchen-Bürgermeister Jürgen Kleine-Frauns plant Parkplatz-Reform. 23. Februar 2016, abgerufen am 8. Dezember 2025.
  6. dpa: Staatsanwaltschaft: Ermittlungen gegen Lünens Bürgermeister. In: Die Zeit. 8. Dezember 2023, ISSN 0044-2070 (zeit.de [abgerufen am 8. Dezember 2025]).
  7. Neues Strafmaß für Lünens Ex-Vize-Bürgermeister: Er verabredete sich mit Minderjährigen zum Sex. 2. Dezember 2025, abgerufen am 8. Dezember 2025.
  8. Freispruch für Lünens Ex-Bürgermeister - Dienstgeheimnis nicht verletzt. 18. November 2025, abgerufen am 8. Dezember 2025.