Jürgen Hollweg

Jürgen Hollweg (* 1949) ist ein deutscher Chemiker und Wissenschaftshistoriker. Nach seiner Laufbahn in der Konsumgüterindustrie widmet er sich der Erforschung der Chemiegeschichte in der Frühen Neuzeit.

Leben

Hollweg studierte Chemie an der Universität Bonn und wurde 1975 bei Günther Snatzke an der Ruhr-Universität Bochum mit einer Arbeit auf dem Gebiet der Stereochemie[1] promoviert. Anschließend war er über mehrere Jahrzehnte in der Analytik und Qualitätssicherung eines Konsumgüterkonzerns tätig.[2] Nach seiner Pensionierung begann Hollweg ein weiteres Studium im Bereich Wissenschaftsgeschichte an der Universität Regensburg, das er 2010 mit einem Masterabschluss beendete. Im Anschluss promovierte er 2019 bei Susanne Lachenicht an der Universität Bayreuth im Fachbereich Geschichte.

Werk

Hollwegs wissenschaftshistorische Arbeiten befassen sich vor allem mit der Chemie der Frühen Neuzeit, der Begriffsgeschichte chemischer Bezeichnungen sowie der Netzwerkbildung unter frühneuzeitlichen Chemikern.

In seiner kurzen Masterarbeit[3] untersucht er die Bedeutungsverschiebung des Salzbegriffs vom Alltagsprodukt zu zentralen chemischen Konzepten.[4] In der Dissertation[5] analysiert Hollweg Kommunikationsstrukturen und Wissenstransfer innerhalb der sogenannten Res publica chemica. Dabei nutzt er methodisch unter anderem die Akteur-Netzwerk-Theorie, um die Dynamiken chemischer Wissenszirkulation zu rekonstruieren. Leben und Wirken des fürstlich brandenburgischen Bergmeisters Franz Kretschmer und seine Einbindung in das Briefnetzwerk der Res publica chemica wurden in einer Briefedition und einer weiteren Monographie[6] dargestellt. Darin veranschaulicht Hollweg insbesondere die Verbindungen in Chemie und Goldmacherei zwischen Bergbaugebieten. Hollweg veröffentlichte außerdem mehrere Artikel in den Nachrichten aus der Chemie über verschiedene Aspekte der chemischen Versuche zur Goldmacherei im 16. und 17. Jahrhundert.[2]

Schriften

  • Salz – Weißes Gold oder Chemisches Prinzip? Zur Entwicklung des Salzbegriffs in der Frühen Neuzeit. PL Academic Research, Frankfurt am Main 2014, ISBN 978-3-631-64865-0 (zugleich: Masterarbeit, Universität Regensburg, 2010).
  • Mythos Alchemie. Austauschprozesse und Netzwerkstrukturen frühneuzeitlicher Chemiker um 1600. Peter Lang, Frankfurt am Main 2020, ISBN 978-3-631-83019-2 (zugleich: Dissertation, Universität Bayreuth, 2019).
  • Goldmacher-Geschichte(n). Das Netzwerk des fürstlich brandenburgischen Bergmeisters Franz Kretschmer (= Sozial- und Wirtschaftsgeschichte. Band 12). LIT-Verlag, Münster 2024, ISBN 978-3-643-15560-3.
  • mit Walter Bartl: „Das Gold habe ich in meinen Händen gehabt“. Die Korrespondenz des Goldkronacher Bergmeisters Franz Kretschmer mit verschiedenen Alchemisten. Historischer Verein für Oberfranken, Bayreuth 2024, ISBN 978-3-9816862-6-5.

Einzelnachweise

  1. Synthese und Circulardichroismus von substituierten 1,2,3,4,4a,9,9a,10-Octahydroanthracenderivaten. Bochum 1975, DNB 760674817 (researchgate.net).
  2. a b Jürgen Hollweg: Der Zeit voraus. In: Nachrichten aus der Chemie. Band 73, Nr. 2, 2025, S. 15–18, doi:10.1002/nadc.20254146774.
  3. Salz – Weißes Gold oder Chemisches Prinzip? 2014.
  4. Michael Hecht: Jürgen Hollweg: Salz – Weißes Gold oder Chemisches Prinzip? Zur Entwicklung des Salzbegriffs in der Frühen Neuzeit. Lang, Frankfurt a. M. u. a. 2014, 102 S., 19,95 . Rezension. In: Vierteljahrschrift für Sozial- und Wirtschaftsgeschichte. Band 101, Nr. 4, 2014, S. 509, doi:10.25162/vswg-2014-0020.
  5. Mythos Alchemie. Austauschprozesse und Netzwerkstrukturen frühneuzeitlicher Chemiker um 1600. 2020.
  6. Goldmacher Geschichte(n). Das Netzwerk des fürstlich brandenburgischen Bergmeisters Franz Kretschmer. 2024.