Jüdischer Friedhof (Landau in der Pfalz)
Der Jüdische Friedhof Landau liegt in der kreisfreien Stadt Landau in der Pfalz in Rheinland-Pfalz. Er befindet sich im kommunalen Friedhof in der Zweibrücker Straße und wurde von 1846 bis 1990 belegt.
Geschichte
Mit dem Anwachsen der jüdischen Gemeinde Landau strebte diese ab 1841 die Schaffung eines eigenen jüdischen Friedhofs an, da bislang in Landau verstorbenen Juden auf dem jüdischen Friedhof in Essingen beigesetzt werden mussten. 1847 erwarb die Gemeinde auf Initiative des damaligen Rabbiners Elias Grünebaum[1] am Arzheimer Weg ein an den protestantischen Friedhof angrenzendes Grundstück vom Landauer Bürgerhospital. Ab Mai 1847 wurde der Friedhof belegt. Etwa 1925 war der Friedhof vollständig belegt und wurde 1929 in westlicher Richtung erweitert.[2][3]
In der Zeit des Nationalsozialismus wurde die jüdische Gemeinde zum Verkauf des Friedhofs gezwungen. Im Laufe der Verhandlungen zwischen Stadt und der ‚Bezirksstelle Baden-Pfalz in Liquidation der Reichsvereinigung der Juden in Deutschland‘ wurde 1944 „der gesamte jüdische Friedhof zum Verkauf angeboten, die Grabsteine und Metallumfassungen der abzuräumenden Gräber nach ihrem Materialwert geschätzt und ein vom Reichsinnenminister genehmigter Verkaufspreis festgesetzt“. 1944 erwarb die Stadt Landau den jüdischen Friedhof, ohne allerdings eine Grundbucheintragung vorzunehmen. Später wurde der Friedhof an die nach dem Kriege gebildete „Israelitische Kultusvereinigung der Rheinpfalz“ rückübertragen, die auch die Pflege koordiniert. Seit 1990 wird der Friedhof nicht mehr weiter belegt. Im August 2020 wurde auf dem Friedhof eine neue Informationstafel zur Geschichte des Friedhofs aufgestellt.[1][2][3]
Beschreibung und Grabstellen
Der seit 1991 als geschütztes Kulturdenkmal unter Denkmalschutz stehende Friedhof ist von allen Seiten von Friedhofsflächen des städtischen Hauptfriedhofes umgeben. Die Friedhofsfläche umfasst 42,75 ar.[2] Nach dem seit 1847 geführten Belegbuch der jüdischen Gemeinde befinden sich auf dem Friedhof 826 Grabstätten Landauer Bürger jüdischen Glaubens, darunter zahlreiche spätklassizistische Stelen. Die Grabsteine wurden bis etwa zur Mitte des 19. Jahrhunderts hebräisch beschriftet. Spätere Grabsteine weisen ganz oder teilweise deutsche Inschriften auf.[3]
Auf dem Friedhof befinden sich unter anderem folgende Gräber:
- Zacharias (Hirsch) Frank (1811–1884) und Babette Frank (1814–1891), die Urgroßeltern von Anne Frank
- Dr. Berthold Einstein (1862–1935), Bezirksrabbiner von 1893 bis 1934
- Dr. Kurt Metzger (1909–1992), Bezirksrabbiner von 1935 bis 1938 und Träger des Ehrenrings der Stadt Landau, Ehrengrab der Stadt[4]
- Dorothea Drexler (1921–2006), die 1939 in die Schweiz geflohen war, in den USA überlebte und ab 1988 wieder in Landau wohnte[2]
- Grabstellen
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Siehe auch
- Liste der Kulturdenkmäler in der Kernstadt von Landau in der Pfalz#Denkmalzonen – Denkmalzone Jüdischer Friedhof
Weblinks
- Jüdischer Friedhof Landau beim Zentralarchiv zur Erforschung der Geschichte der Juden in Deutschland
- Der Friedhof in Landau auf www.juedische-friedhoefe.info
Einzelnachweise
- ↑ a b Die Erinnerung wachhalten: Neue Informations- und Hinweistafel auf dem jüdischen Friedhof in Landau. In: Stadt Landau vom 11. August 2020. Abgerufen am 1. November 2025
- ↑ a b c d Jüdischer Friedhof Landau in der Pfalz. In: Alemannia Judaica. Abgerufen am 1. November 2025
- ↑ a b c Stätten jüdischen Lebens in Landau - Rundgang (PDF; 2,0 MB). Abgerufen am 1. November 2025
- ↑ Jüdischer Friedhof (Landau). In: jewish-places.de. Abgerufen am 1. November 2025
Koordinaten: 49° 11′ 34,3″ N, 8° 6′ 11,6″ O