Jüdische Gemeinde Rodalben

Eine jüdische Gemeinde existierte in Rodalben vom beginnenden 19. Jahrhundert bis zur staatlichen Zwangsauflösung 1937.

Geschichte

Entwicklung bis 1900

Erstmals wird ein jüdischer Einwohner in Rodalben 1581 erwähnt. Das fast vollständig katholische Rodalben gehörte zur Markgrafschaft Baden-Baden, die 1771 an die Markgrafschaft Baden-Durlach fiel; zu dem Zeitpunkt lebten keine Juden mehr im Ort. Erste jüdische Familien dürften sich gegen Ende des 18. Jahrhunderts dauerhaft angesiedelt haben; etwa um 1800 waren es 100 Personen, von denen über die Hälfte in Petersberg wohnten. Eine jüdische Gemeinde gab es vom beginnenden 19. Jahrhundert bis zur staatlichen Zwangsauflösung 1937. 1838 wurde ein Synagogenraum erwähnt, dessen Lage aber nicht bekannt ist; eine neue Synagoge baute die jüdische Gemeinde Anfang der 1880er-Jahre. Die Gemeinde hatte seit 1868/1869 eine einklassige jüdische Grund- und Religionsschule, für die 1883 ein neues Gebäude errichtet wurde, ferner ein rituelles Bad (Mikwe) im Keller der Synagoge sowie einen Friedhof.[1] Der jüdische Friedhof wurde 1876 auf einem Gelände am Klinkenberger Weg angelegt, den die Kommune zur Verfügung stellte; vorher waren die Verstorbenen der Gemeinde in Pirmasens beerdigt worden. Ein von der jüdischen Gemeinde angestellter Lehrer war zugleich als Vorbeter und Schlächter (Schochet) tätig. 1931/32 unterrichtete er 13 Kinder. Die jüdischen Bürger Rodalbens arbeiteten oft als Makler, Geldverleiher oder Textilhändler; dazu kamen Viehhandel und das Metzgerhandwerk.[2]

Um 1900 gehörten 80 Personen zur jüdischen Gemeinde.

NS-Zeit (1933–1945)

Unter nationalsozialistischer Herrschaft nahm die Zahl jüdischer Einwohner durch wirtschaftlichen Boykott, Entrechtung und Repressalien schnell ab. Am 1. April 1933 wurden Plakate wie „Kauft nicht bei Juden!“ an den wenigen jüdischen Geschäften angebracht; vor diesen Geschäften patrouillierten SA-Angehörige. Auf Antrag der NSDAP beschloss der Rodalber Gemeinderat im Mai 1933, dass Wohlfahrtsempfänger nicht mehr in „marxistischen und jüdischen Geschäften“ einkaufen durften.[2]

1936 wurden noch 64 jüdische Einwohner gezählt, 1937 waren es 51 und 1938 noch 39. Im Jahr 1937 wurde die israelitische Schule aufgelöst, die Kinder mussten jetzt die jüdische Volksschule in Pirmasens besuchen. Beim Novemberpogrom 1938 wurden die noch vorhandenen jüdischen Geschäfte demoliert; einige jüdische Männer wurden in das KZ Dachau verschleppt. Die Synagoge wurde jedoch nicht geplündert oder in Brand gesetzt. Die Kommune erwarb das Synagogengebäude, um dort ein Heim für die Hitlerjugend einzurichten; tatsächlich diente das Haus nur als Lagerraum, bis es im März 1945 infolge von Kriegshandlungen abbrannte. Noch vor Beginn des Zweiten Weltkriegs mussten mehrere jüdische Familien ihre Wohnungen verlassen und ins „Judenhaus“ – das Textilgeschäft Bär - ziehen. Andere wanderten aus wie etwa der Gemeindevorsteher Siegmund Neuberger, der mit seiner Familie in die USA floh. Im Oktober 1940 wurden die verbliebenen jüdischen Einwohner Rodalbens ins südfranzösische Gurs deportiert.[2]

Das „Gedenkbuch der Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933–1945“ des Bundesarchivs weist 42 Personen jüdischer Herkunft aus, die größtenteils in Rodalben geboren wurden und dort lebten oder zumindest zeitweise dort ansässig waren. Aufgezählt werden unter anderem die Familiennamen Baer beziehungsweise Bär, Bloch, Frank, Katz, Koch, Neuberger oder Metzger.[3] 37 von ihnen wurden nachweislich als Opfer der „Endlösung der Judenfrage“ von den Nationalsozialisten ermordet.[2]

Einzelnachweise

  1. Die Synagoge in Rodalben (Kreis Südwestpfalz) auf Alemannia Judaica
  2. a b c d Aus der Geschichte der jüdischen Gemeinden im deutschen Sprachraum. Rodalben (Rheinland-Pfalz). Hrsg./Autor: Klaus-Dieter Alicke. Abgerufen am 13. November 2025.
  3. Gedenkbuch der Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933–1945