Jüdische Gemeinde Busenberg
In Busenberg gab es bis 1939 eine jüdische Gemeinde, die seit dem 18. Jahrhundert bestand.
Geschichte
1784 wurden 79 jüdische Einwohner gezählt. Die Busenberger Gemeinde war die älteste und zentrale Gemeinde im Wasgau.
1848 gehörten 31 Familien mit zusammen 170 Personen zur jüdischen Gemeinde, danach ging die Zahl durch Aus- und Abwanderung zurück. 1824 lebten in Busenberg 127 Bürger jüdischen Glaubens.[1] 1867 wurden noch 24 Familien gezählt mit 129 Personen. Bis 1875 ging ihre Zahl auf 74, bis 1900 auf 50 zurück.[2] Relativ viele Busenberger Juden arbeiteten im 19. Jahrhundert als Landwirte.[3]
Die jüdische Gemeinde hatte eine Synagoge, die inzwischen nicht mehr existiert, eine jüdische Schule, ein rituelles Bad und einen Friedhof, der bis heute überdauert hat. Zur Besorgung religiöser Aufgaben der Gemeinde war ein Lehrer angestellt, der zugleich Vorbeter und Schochet war. Spätestens seit den 1870er-Jahren wurde die Lehrerstelle gemeinsam mit der Nachbargemeinde Erlenbach besetzt.
Mit Beginn der NS-Herrschaft 1933 zogen die meisten jüdischen Bürger in andere Städte oder wanderten aus, sodass 1936 nur noch 17 jüdische Einwohner gezählt wurden, 1938 noch zwei. Die letzten wurden 1940 durch die Nationalsozialisten deportiert und sind tot oder verschollen. Nach Angaben der Gedenkstätte Yad Vashem und des "Gedenkbuches - Opfer der Verfolgung der Juden" wurden 30 gebürtige oder längere Zeit in Busenberg lebende Juden Opfer der NS-Gewaltherrschaft[4].
Relikte und Erinnerungskultur
Am 21. November 2007 verlegte der Kölner Künstler Gunter Demnig vor ihren früheren Wohnstätten Stolpersteine;[5] der Pfälzer Mundartdichter Albert H. Keil trug dazu eigene Texte unter dem Titel „Kultur gegen rechte Gewalt“ vor.[6]
In der Gemarkung von Busenberg hat der denkmalgeschützte Jüdische Friedhof überdauert; hier wurden auch verstorbene Juden aus Dahn, Erlenbach und Vorderweidenthal beerdigt[7]. Er wurde in der Zeit nach dem Nationalsozialismus mehrmals geschändet und teilweise völlig verwüstet.[8] Das ehemalige rituelle Judenbad in der Talstraße war das einzige Mikwegebäude in der Pfalz, das erhalten geblieben war. 2017 wurde es abgerissen, weil der bauliche Zustand schlecht war und es nicht unter Denkmalschutz stand.[9]
Einzelnachweise
- ↑ Otmar Weber: 'Wie eine weiße Lilie in ihrer ersten Blüte… 1998, S. 96.
- ↑ Die Synagoge in Busenberg auf Alemannia Judaica
- ↑ https://www.jüdische-gemeinden.de/index.php/gemeinden/a-b/517-busenberg-rheinland-pfalz
- ↑ https://www.jüdische-gemeinden.de/index.php/gemeinden/a-b/517-busenberg-rheinland-pfalz
- ↑ stolpersteine.eu: Chronik. Abgerufen am 13. April 2020.
- ↑ Albert H. Keil: Auftritte „Kultur gegen rechte Gewalt“. Verlag PfalzMundArt, abgerufen am 5. Februar 2016.
- ↑ https://www.jüdische-gemeinden.de/index.php/gemeinden/a-b/517-busenberg-rheinland-pfalz
- ↑ Busenberg (VG Dahner Felsenland, Kreis Südwestpfalz) Jüdischer Friedhof. alemannia-judaica.de, abgerufen am 5. Februar 2016.
- ↑ ne/tre (Autorenkürzel): Letztes Mikwe-Haus abgerissen. In: Die Rheinpfalz, Südwestdeutsche Zeitung. Nr. 246. Ludwigshafen 23. Oktober 2017, S. 10.