Jörg Prophet

Jörg Prophet (* 1962 in Schwerin) ist ein deutscher Unternehmer und Politiker (AfD). Seit 2024 ist er Mitglied des Thüringer Landtages. Er ist stellvertretender Fraktionsvorsitzender der AfD Thüringen.

Leben

Prophet wurde 1962 in Schwerin geboren und zog 1969 mit seiner Familie nach Nordhausen am Harz. Nach einer Ausbildung zum Maschinen- und Anlagenmonteur und einem Grundwehrdienst bei der NVA arbeitete er in verschiedenen Positionen im Maschinenbau. 1988 beantragte er die Ausreise aus der DDR, was im Oktober 1989 zur Ausbürgerung führte. Die Familie zog 1990 nach Westdeutschland, wo er als Maschinenbaumeister tätig war und später mehrere Unternehmen gründete. Seit 2000 lebt er wieder in Nordhausen.

Prophet ist verheiratet und hat zwei Kinder.

Politik

2016 trat Prophet in die AfD ein. Seit 2019 ist er Mitglied des Kreistags und Stadtrats Nordhausen und war bis 2024 Fraktionsvorsitzender in beiden Gremien. 2023 kandidierte er für das Amt des Oberbürgermeisters von Nordhausen, unterlag jedoch mit 45,1 % in der Stichwahl gegen den Amtsinhaber Kai Buchmann. In dem Wahlkampf wurde allgemein bekannt, dass Prophet in einem Artikel 2020 eine Ende des deutschen „Schuldkults“ gefordert hatte. Zudem hatte er über die alliierten Bombenangriffe auf Nordhausen 1945 geschrieben, dass „die Sieger [...] ebenso wenig Moral wie die Nationalsozialisten“ gezeigt hätten, und den US-Truppen unterstellt, das in der Nähe befindliche KZ Mittelbau-Dora nur deshalb befreit zu haben, weil sie die dort in unterirdischen Anlagen hergestellte Raketen- und Flugkörpertechnologie in ihren Besitz bringen wollten. Der Direktor der Stiftung Gedenkstätten Buchenwald und Mittelbau-Dora Jens-Christian Wagner erklärte daraufhin, eine Stimme für Prophet käme einer „klaren Abkehr von der für unsere Bundesrepublik prägenden Kultur der Erinnerung an den Holocaust“ gleich.[1]

Jörg Prophet stand auf Platz 6 der Landesliste seiner Partei für die Thüringer Landtagswahl 2024. Er wurde als Direktkandidat im Wahlkreis Nordhausen I mit 40,3 % in den Landtag gewählt.[2] Dort ist er einer von mehreren stellvertretenden Vorsitzenden der Fraktion. Im Januar 2025 wurde er von seiner Fraktion als Kandidat für den vakanten Posten eines Vizepräsidenten des Landtags aufgestellt; die Fraktionen von CDU, SPD und Linken erklärten ihn jedoch „wegen geschichtsrevisionistischer Äußerungen und einer Relativierung des Holocausts“ für nicht wählbar, wodurch er nicht gewählt wurde.[3]

Erwähnung im Verfassungsschutzbericht 2021

Im Jahr 2021 wurde ein Blog-Eintrag des Nordhäuser AfD-Regionalverbandes im Thüringer Verfassungsschutzbericht erwähnt, der Prophet zugeordnet wurde, ohne ihn namentlich zu nennen. Der bescheinigt dem Autor ein „geschlossenes revisionistisches Geschichtsbild“.[4] Der Blog-Beitrag wurde später gelöscht.

Commons: Jörg Prophet – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. Annett Meiritz, Juliane Schäuble: Die Allianz der Neuen Rechten. Wie die Trump-Bewegung Europa erobert. Heyne, München 2025, S. 166
  2. AfD-Kandidat Prophet gewinnt Direktmandat in Nordhausen I MDR vom 2. September 2024
  3. Markus Wehner: AfD nutzt erstmals Sperrminorität. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 31. Januar 2025, abgerufen am selben Tag.
  4. AfD-Oberbürgermeisterkandidat vom Verfassungsschutz beobachtet, MDR vom 18. September 2023