Jörg Kretzschmar

Jörg Kretzschmar
Personalia
Voller Name Jörg Kretzschmar
Geburtstag 9. Dezember 1964
Geburtsort RiesaDDR
Größe 174 cm
Position Mittelfeld
Junioren
Jahre Station
1971–1978 BSG Stahl Riesa
1978–1980 SG Dynamo Dresden
1980–1983 BSG Stahl Riesa
Herren
Jahre Station Spiele (Tore)1
0000–1983 BSG Stahl Riesa 1 0(0)
1984 TSG Gröditz
0000–1986 MTV Hondelage
1986–1988 VfL Wolfsburg 65 (15)
1988–1989 Borussia Mönchengladbach 8 0(0)
1989–1990 SV Meppen 30 0(0)
1990–1993 Hannover 96 83 0(2)
1993–1994 TuS Celle FC 22 0(3)
1994–1995 VfL Herzlake 34 0(3)
1995–1996 TuS Paderborn-Neuhaus 18 0(1)
000001996 SV Damla Genc Hannover
1997–2000 1. FC Magdeburg 98 (11)
1 Angegeben sind nur Ligaspiele.

Jörg Kretzschmar (* 9. Dezember 1964 in Riesa) ist ein ehemaliger deutscher Fußballspieler.

Sportliche Laufbahn

Jörg Kretzschmar begann als Fünfjähriger bei der BSG Stahl Riesa mit dem Fußballspielen. 1978 ging er für zwei Jahre auf die Kinder- und Jugendsportschule in Dresden und kehrte danach nach Riesa zurück. Als 18-Jähriger war Jörg Kretzschmar mit einem Einsatz am DDR-Oberligaaufstieg der BSG Stahl Riesa 1983 aus der zweitklassigen DDR-Liga beteiligt. Ein im Anschluss anvisierter Wechsel zur SG Dynamo Dresden scheiterte am verweigerten SED-Eintritt Kretzschmars, in deren Folge er wegen „Fluchtgefahr“ unter Generalverdacht stand, bei der BSG Stahl Riesa zu keinem Einsatz mehr kam und auch zu einem NSW-Auslandsspiel nicht mitreisen durfte. In der Winterpause 1983/84 folgte für Kretzschmar die Zwangsdelegierung zum Zweitligisten TSG Gröditz.

Im Sommer 1984 reiste Kretzschmar mit zwei Freunden nach Bulgarien in den Urlaub, um von dort aus über die grüne Grenze nach Griechenland zu fliehen. Am 12. Juni wurden die Männer von bulgarischen Grenzsoldaten beim versuchten Grenzübertritt aufgegriffen und nach 26 Tagen Untersuchungshaft zurück in die DDR gebracht. Kretzschmar wurde wegen „versuchten ungesetzlichen Grenzübertritts“ zu einer Gefängnisstrafe von einem Jahr und neun Monaten verurteilt, im Juni 1985 aber von der Bundesrepublik Deutschland freigekauft.[1]

Nach seiner Ankunft in die Bundesrepublik kam Kretzschmar bei Verwandten in Braunschweig Hondelage unter und setzte beim dortigen Bezirksligisten MTV Hondelage seine fußballerische Laufbahn fort. Über gute Leistungen beim VfL Wolfsburg in der drittklassigen Amateur-Oberliga machte Kretzschmar auch Lizenzvereine auf sich aufmerksam. Kretzschmar spielte in der Bundesliga für Borussia Mönchengladbach und in der 2. Bundesliga für den SV Meppen und für Hannover 96. Bei Letzterem gehörte er zur Mannschaft, die 1992 als Zweitligist überraschend das DFB-Pokal-Finale gegen Borussia Mönchengladbach gewann, und war im abschließenden Elfmeterschießen einer der erfolgreichen Schützen zum 4:3-Sieg. Sein erstes Bundesligaspiel absolvierte Kretzschmar am 20. August 1988, als er beim Mönchengladbacher Sieg über Werder Bremen eingewechselt wurde, sein letztes Spiel als Profi war am 30. Mai 1993, als er für Hannover gegen den VfB Oldenburg auflief. In der Bundesliga absolvierte er acht Spiele, ohne ein Tor zu erzielen, in der 2. Bundesliga brachte er es auf 113 Einsätze und zwei Tore für Hannover.

Im Jahr 1992 kam Kretzschmar zu zwei Europapokaleinsätzen im Pokal der Pokalsieger. 1993 ließ er sich reamateurisieren und spielte nur noch in Amateurvereinen. Nebenbei absolvierte er eine Ausbildung zum Bürokaufmann, um sich auf die berufliche Zukunft nach dem Fußball vorzubereiten. Seine letzte Station als aktiver Spieler war ab Januar 1997 der 1. FC Magdeburg, mit dem er am Saisonende in die drittklassige Regionalliga Nordost aufstieg und dort noch drei Spielzeiten absolvierte.

Trainerlaufbahn

Danach arbeitete Kretzschmar als Trainer in den Amateurklassen des Niedersächsischen Fußballverbandes. Zu seinen erfolgreichsten Stationen als Trainer zählt der MTV Ilten, den er im Winter 2000 übernahm. Nach dem Abstieg in die Kreisklasse führte Kretzschmar die Iltener bis in die Bezirksoberliga (jetzt Landesliga) Hannover. Zu den weiteren Stationen Kretzschmars, der als Sachbearbeiter bei Lotto Niedersachsen arbeitet,[2] zählen unter anderem der TSV Germania Haimar/Dolgen, der TSV Kirchrode und TSV Höver.

Trivia

Im Januar 1992 unterstellte Kretzschmar in der Zeitung Neue Presse den ehemaligen DDR-Nationalspielern Thomas Doll, Frank Rohde und Andreas Thom, für die Staatssicherheit der DDR gearbeitet zu haben,[3] was sie zurückwiesen. Kretzschmar erläuterte kurz darauf, nicht den Vorwurf erhoben zu haben, dass die Spieler Spitzel gewesen seien. „Jeder, der beim Stasi-Klub Dynamo spielte, hat irgendwie Dreck am Stecken“, so Kretzschmar Ende Januar 1992.[4] Er nahm den Vorwurf, sie hätten für die Stasi gearbeitet, zurück. Doll, Rohde und Thom verzichteten daraufhin auf eine Klage gegen Kretzschmar.[5]

Literatur

  • Christian Karn, Reinhard Rehberg: Enzyklopädie des deutschen Ligafußballs. Spielerlexikon 1963–1994. AGON Sportverlag, Kassel 2012. ISBN 978-3-89784-214-4, Seite 279.
  • Michael Peter: Ballack, Sammer & Co. Wie Fußballdeutschland von der Wiedervereinigung profitierte. Agon Sportverlag, Kassel 2012, ISBN 978-3-89784-398-1, Seite 436–438.

Einzelnachweise

  1. Jörg Kretzschmar: Was bedeutet Freiheit? (PDF) In: VIER VIERTEL KULT - Vierteljahresschrift der Stiftung Braunschweigischer Kulturbesitz. Juni 2015, abgerufen am 7. November 2025.
  2. kicker Sportmagazin, 21. April 2016, S. 44.
  3. Spion – aus Liebe. (PDF) In: Hamburger Abendblatt. 27. Januar 1992, abgerufen am 20. Februar 2023.
  4. Das Stasi-Gespenst. (PDF) In: Hamburger Abendblatt. 28. Januar 1992, abgerufen am 20. Februar 2023.
  5. Keine Klage. (PDF) In: Hamburger Abendblatt. 5. Februar 1992, abgerufen am 20. Februar 2023.